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21. April 2015
aktualisiert: 02. Juni 2021

Endometriumkarzinom: gute Prognose bei früher Diagnose und Standardtherapie

Etwa eine von 50 Frauen erkrankt in Laufe ihres Lebens am Endometriumkarzinom, das damit die häufigste Krebserkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane ist. Die auch Gebärmutterkörperkrebs oder Korpuskarzinom genannte Erkrankung geht von der Schleimhaut im Inneren der Gebärmutter aus und tritt in der Mehrzahl der Fälle nach den Wechseljahren auf. Bei Detektion im Frühstadium besteht häufig eine gute Prognose. Etwa 5% der Patientinnen haben eine erbliche Vorbelastung im Rahmen eines Tumorsyndroms, weshalb die molekulare Diagnostik an Bedeutung gewinnt (1).

Die Gebärmutter (Uterus) ist ein dickwandiges Organ im Unterleib der Frau, in dem während der Schwangerschaft das Kind heranwächst. Sie besteht aus zwei Abschnitten, dem Gebärmutterhals und dem Gebärmutterkörper, der von einer drüsenreichen Schleimhaut (Endometrium) ausgekleidet ist. Diese wird in der fruchtbaren Phase des Lebens monatlich auf- und umgebaut, was von den Geschlechtshormonen Östrogen und Progesteron gesteuert wird und in der Menstruationsblutung zum Ausdruck kommt (1).

Hormonabhängigkeit bestimmt den Typ

Das Endometriumkarzinom tritt in zwei wesentlichen Haupttypen auf. Das östrogen-abhängige Endometriumkarzinom (endokrin-sensibler Typ-I) findet sich bei 60-70% der Fälle und wird häufig schon im Frühstadium (FIGO I-II) diagnostiziert. Das Gewebe dieses Karzinomtyps wächst durch Östrogen gefördert übermäßig viel (hyperplastisch), ist aber gut differenziert und damit weniger fortgeschritten (1).

Der seltenere Typ-II des Endometriumkarzinoms ist östrogen-unabhängig und entsteht auf atrophischem (schwindendem) Schleimhautgewebe. Es ist histologisch weniger differenziert und damit weniger gutartig als Typ I. Neben Typ I und II, die histologisch den Adenokarzinomen zugerechnet werden, treten in seltenen Fällen auch Plattenepithelkarzinome auf (1).

Risikofaktoren des Endometriumkarzinoms

Zu den Risikofaktoren zählen rein östrogenhaltige Hormontherapien, starkes Übergewicht, Stoffwechselstörungen wie Diabetes und metabolisches Syndrom, ein höheres Alter und das Vorliegen eines erblichen Tumorsyndroms. Ein niedriges Risiko besteht vor den Wechseljahren, bei körperlicher Aktivität, bei spät aufgetretener erster Regelblutung und spätem Gebären eines Kindes, sowie bei längerfristiger Einnahme bestimmter Antibabypillen. Hintergrund ist der Einfluss der Geschlechtshormone auf das Wachstum der Gebärmutterschleimhautzellen (1, 2).

Hereditäres Endometriumkarzinom bei erblichem Tumorsyndrom

Bis zu 5 % der Endometriumkarzinome sind erblich bedingt und werden als hereditäres Endometriumkarzinom bezeichnet. Hier tritt die Erkrankung im Rahmen eines erblichen Tumorsyndroms auf, wie dem Lynch-Syndrom (erblicher Darmkrebs ohne Polyposis, HNPCC), dem Cowden-Syndrom bzw. dem PTEN-Hamartom-Tumor-Syndrom (PHTS). Diese Patientinnen haben ein 6- bis 20fach erhöhtes Risiko für ein Endometriumkarzinom, weil hier Keimbahnmutationen in sog. DNA-Reparatur- und Tumorsuppressor-Genen in allen Zellen auftreten. Aufgrund der Erblichkeit der Mutationen haben Verwandte ersten Grades (Kinder) einer Betroffenen ein 50%iges Risiko für das Vorliegen der Mutationen und damit ein erhöhtes Erkrankungsrisiko auch für andere gut- und bösartige Tumoren. Bei familiärer Vorbelastung sollte eine Beratung in einem gynäkologischen Krebszentrum erfolgen. Im Rahmen des hereditären Endometriumkarzinoms gewinnt die molekulare Diagnostik immer mehr an Bedeutung (3, 4).

Diagnostik, Stadien und Prognosefaktoren

Besteht der Verdacht auf Endometriumkarzinom, werden neben der gynäkologischen Tastuntersuchung bildgebende Verfahren wie vaginaler Ultraschall und die Analyse von Gewebeproben genutzt. So wird in einer Gebärmutterspiegelung mit Ausschabung (Hysteroskopie mit Abrasio) Gewebematerial entnommen und im Labor auf Auffälligkeiten untersucht (3).

Im sogenannten Staging wird anhand der TNM-Klassifizierung ermittelt, wie weit sich der Krebs bereits ausgebreitet hat, wozu Tumorgröße und Ausbreitung (T), Lymphknotenbefall (N) und Metastasierung (M) beschrieben werden. Zudem wird der einzelne Tumor mithilfe der FIGO-Klassifikation (Fédération Internationale de Gynécologie et d’Obstétrique) in ein Krankheitsstadium klassifiziert. Beim Stadium FIGO I ist der Tumor auf den Gebärmutterkörper begrenzt und kann in der Regel in einer Standardoperation entfernt werden. Hier besteht eine 5-Jahres-Überlebensrate zwischen 81 und 90%. Bei FIGO II ist der Tumor in das angrenzende Bindegewebe eingewachsen, aber noch auf die Gebärmutter beschränkt; bei FIGO III wächst der Tumor bereits außerhalb der Gebärmutter, aber noch innerhalb des kleinen Beckens und bei FIGO IIIC sind Beckenlymphknoten und /oder Lymphknoten im Bauchraum befallen. Bei FIGO IVA sind auch die Schleimhaut der Harnblase und des Enddarms betroffen, und bei FIGO IVB hat der Krebs bereits Fernmetastasen gebildet (3).

Diagnosezeitpunkt und Prognosefaktoren bestimmen die Therapie

Neben den Eigenschaften des Tumors sind Diagnosezeitpunkt und verschiedene Prognosefaktoren wichtig für die Therapieentscheidung. So ist für den Östrogen-abhängigen Typ-I eine bessere Prognose als für den östrogen-unabhängigen Typ-II beschrieben. Auch bei Frühstadien mit Begrenzung des Tumors auf den Gebärmutterkörper, gut differenzierten Tumorzellen und keinem Befall der Lymphknoten ist von einer besseren Prognose auszugehen (3).

Als Standardtherapie der Behandlung im Frühstadium gilt die möglichst vollständige Entfernung des Tumorgewebes durch Entfernen von Gebärmutterkörper und Gebärmutterhals (totale Hysterektomie). Gemäß Leitlinie wird empfohlen, ggf. auch die Eierstöcke und Eileiter zu entfernen (Adnexexstirpation). Die Eierstöcke produzieren nicht nur das Zellwachstum fördernde Östrogen, sondern sind auch häufig Metastasierungsort. Die Operation wird in der Regel minimal invasiv, laparoskopisch durchgeführt. Bei fortgeschrittenerer Erkrankung werden ggf. auch Lymphknoten entfernt, deren Befall mit Tumorzellen wichtiger prognostischer Faktor ist (1, 3).
 
Im Anschluss an eine Operation kann eine adjuvante (ergänzende) medikamentöse Therapie eingesetzt werden. So wird manchen Patienten, insbesondere bei hohem Risiko eines Rückfalls (Rezidivs), eine Chemotherapie mit Zytostatika empfohlen. Diese greift allerdings nicht nur Krebszellen, sondern auch gesunde Körperzellen an und geht deshalb häufig mit Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall und Blutbildveränderungen einher (1, 3).

Eine sogenannte Hormontherapie (endokrine Therapie) mit Gestagen (nicht zu verwechseln mit einer Hormonersatztherapie zur Linderung der Wechseljahrbeschwerden) soll laut aktueller Leitlinie nicht mehr zur Behandlung des Endometriumkarzinoms eingesetzt werden. (1, 3).

Rückfallrisiko

Nach einer Operation im frühen Stadium ist das Risiko eines Rückfalls (Rezidivs) gering. Bei erneuten Beschwerden nach der Operation ist aber - unabhängig vom Stadium – an ein weiteres Tumorwachstum zu denken. Zur Rezidivbehandlung stehen erneute Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie zur Verfügung (1,3). Des Weiteren werden sogenannte Immuntherapeutika wie Checkpoint-Inhibitoren zur Aktivierung des Immunsystems für bestimmte Formen des rezidivierten und fortgeschrittenen Endometriumkarzinoms entwickelt und sind teils schon in der EU zugelassen (5).
 
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Neben den rein körperlichen Therapien ist auch die psychische Belastung der Patientinnen gerade bei Entfernung von Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcken zu bedenken. Bei jungen Patientinnen ist eine Risikoabwägung für oder gegen bestimmte Therapien mit Blick auf einen möglichen Kinderwunsch wichtig. Beratungsinstitutionen und Selbsthilfegruppen bis hin zu psychotherapeutischer Betreuung der Patientinnen verschiedenster Lebensphasen stehen als unterstützende, supportive Therapie zur Verfügung (1, 6).  

Redaktion journalonko.de (EG)

Literatur:

(1) Krebserkrankung des Gebärmutterkörpers, Eine Leitlinie für Patientinnen, Leitlinienprogramm Onkologie, Fassung 23. Dezember 2020
https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Patientenleitlinien/2020-12-23_PLL_Geb%C3%A4rmutterk%C3%B6rperkrebs_Konsultationsfassung.pdf
(2) Endometriumkarzinom: Krebs des Gebärmutterkörpers, Krebsinformationsdienst;  https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/endometriumkarzinom/index.php
(3) S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientinnen mit Endometriumkarzinom, Version 1.0 – April 2018 AWMF-Registernummer: 032/034-OL; https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-034OLl_S3_Endometriumkarzinom-Diagnostik-Therpie-Nachsorge_2018-04.pdf
(4) Rhiem, K. et al., Hereditäres Endometriumkarzinom: Plädoyer für Genanalysen in der Regelversorgung; Dtsch Arztebl 2021; 118(11): [32]; DOI: 10.3238/PersOnko.2021.03.19.08
(5) https://www.journalonko.de/news/lesen/endometriumkarzinom_bedingte_zulassung_dostarlimab
(6) Deutsche Krebshilfe -gemeinsam gegen Krebs, https://www.krebshilfe.de

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