Montag, 8. März 2021
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Engmaschige Nachsorge ist beim Analkarzinom das A und O

Engmaschige Nachsorge ist beim Analkarzinom das A und O
© Anna Gutmann / Fotolia.com

Das Analkarzinom (Analkrebs) ist mit einer Inzidenz von 1/100.000 Einwohnern in Deutschland eine eher seltene Krebserkrankung, allerdings mit steigender Tendenz. Wird es frühzeitig erkannt, stehen die Heilungschancen sehr gut, die Prognose der Patienten ist somit in frühen Stadien günstig.

Die Entstehung eines Analkarzinoms ist häufig mit einer bestehenden Infektion mit dem Humanen Papillomvirus (HPV) assoziiert, wie es auch beim Gebärmutterhalskrebs oder bei Kopf-Hals-Tumoren der Fall ist. Und auch hier scheint der HPV-Status einen Einfluss auf das Überleben der Patienten zu haben: Vor allem Patienten mit negativem HPV-Status scheinen schlechter auf eine Behandlung in Form einer Radiochemotherapie (s.u.) anzusprechen.

Obwohl ein Analkarzinom in enger Nachbarschaft zur Darmschleimhaut steht, unterscheidet es sich stark von Darm- bzw. Rektumkrebs. Denn diese gehören fast immer zu den Adenokarzinomen, während es sich beim Analkarzinom meist um Plattenepithelkarzinome handelt. Analkarzinome sind strenggenommen nur die Karzinome, die im Bereich des Analkanals entstehen, bösartige Tumoren, die am Übergang von Analkanal und Afterhaut entstehen, werden stattdessen als Analrandkarzinom bezeichnet und zu den Hauttumoren gezählt.

Mögliche Symptome und Staging

Symptome, die auf ein Analkarzinom hinweisen können, sind Blut im Stuhl, Schmerzen beim Stuhlgang oder analer Juckreiz. Bei Verdacht auf ein Analkarzinom wird eine Tastuntersuchung und/oder Enddarmspiegelung durchgeführt. Um die Ausbreitung des Tumors und somit dessen Stadium zu bestimmen, kommen darüber hinaus Endosonographie mit Biopsie, Computertomographie/Magnetresonanztomographie (CT/MRT) des Beckens und Röntgen/CT des Thorax hinzu. Gemäß der aktuellen S3-Leitlinie sollte ergänzend eine Positronenemissionstomographie(PET)-CT erfolgen, welche derzeit allerdings nicht Gegenstand des Leistungskataloges der gesetzlichen Krankenkassen ist. Als Tumormarker kann das SCC bestimmt werden, ein Tumormarker, der im Allgemeinen zur Verlaufs- und Therapiekontrolle bei Plattenepithelkarzinomen eingesetzt wird.
 
Behandlungsmöglichkeiten

Die Therapie richtet sich dann nach dem Stadium. Bei einem (oberflächlichen) Analrandkarzinom (ohne Sphinkterbefall) wird mit Hilfe einer primären Operation der Tumor im Ganzen reseziert. Bei den übrigen Analkarzinomen ist eine Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie (Radiochemotherapie) das Mittel der Wahl. Die Radiochemotherapie sollte auch bereits in frühen Stadien durchgeführt werden. Als Zytostatika kommen vor allem Mitomycin C und 5-Fluorouracil zum Einsatz. Die Gesamtdosis der Strahlentherapie richtet sich nach dem Stadium und ob Lymphknoten befallen sind oder nicht. Die Nebenwirkungen der Behandlung richten sich wiederum nach der verwendeten Strahlendosis und den eingesetzten Zytostatika. In 80% der Fälle kann der Patient auf diese Weise von seinem Tumorleiden geheilt werden.

Keine Angst vor Strahlentherapie  

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© Mark Kostich - stock.adobe.com

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Nachsorge beim Analkarzinom nach primärer Therapie

Die Rückbildung eines Analkarzinoms nach Radiochemotherapie kann einige Zeit in Anspruch nehmen und bis zu 36 Wochen danach dauern. Daher ist direkt nach Beendigung der Therapie zunächst ein abwartendes Verhalten gerechtfertigt. Da die meisten Rezidive innerhalb der ersten 2 Jahre nach Behandlung auftreten, empfiehlt es sich zur Nachsorge innerhalb des ersten Jahres nach der Radiochemotherapie eine engmaschige Nachsorge (alle 3 Monate) durchzuführen. Im zweiten Jahr dehnt man die Untersuchungsintervalle auf etwa ein halbes Jahr aus, im Anschluss daran genügen jährliche Kontrollen.

Zur Nachsorge empfohlene technische Untersuchungen sind die Rektoskopie (evtl. Endosonographie) erstmals 6 Wochen nach Ende der Radiochemotherapie dann alle 3 Monate (für 2 Jahre) bzw. alle 6 Monate (ab dem 3. Jahr). Außerdem eine CT- oder besser MRT-Untersuchung des Beckens alle 3 Monate für 2 Jahre, danach alle 6 Monate sowie eine CT von Thorax/Oberbauch alle 6 Monate für 2 Jahre, danach alle 6 Monate.

Rezidive

Beim Progress der Erkrankung gilt es zunächst zu unterscheiden, ob es sich um ein Lokalrezidiv oder um Metastasen handelt. In beiden Fällen wäre zunächst eine operative Entfernung des Rezidivs angezeigt. Ist dies nicht möglich, kann man eine neoadjuvante Chemotherapie durchführen, mit dem Ziel, eine sekundäre Resektabilität zu erreichen. Eine erneute Radio- oder Radiochemotherapie ist meist auf Grund der Vorbelastung nicht möglich. Bei inoperablem Rezidiv wird eine palliative Chemotherapie empfohlen, bei massivem Sphinkterbefall kann eine palliative Kolostomie notwendig sein. Bei nicht-resektablen Metastasen gibt es mittlerweile auch vielversprechende Daten zur Immunonkologie in Form von Therapien mit den Immuncheckpoint-Inhibitoren Pembrolizumab oder Nivolumab.

Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung wurden bislang nur wenige Phase-II-Studien und Sammelkasuistiken zur Chemotherapie des metastasierten Analkarzinoms publiziert, diese und alle anderen Neuigkeiten zum Analkarzinom sind hier auf www.journalonko.de zu finden.

Red. journalonko.de

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