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Medizin

10. April 2017 Virotherapie bei Leberkrebs – Klinische Studie startet

Die Virotherapie stellt eine neue biologische Krebstherapie dar, mit deren Hilfe Krebszellen gezielt infiziert und zerstört werden. Das Universitätsklinikum Tübingen startet jetzt als erstes von insgesamt neun deutschen universitären Zentren eine Virotherapie-Studie für Patienten mit Leberkrebs.
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Viren sind in der Lage, Krebszellen gezielt zu infizieren und zu zerstören (Onkolyse). Der Trick: Die Viren werden so modifiziert, dass sie gezielt Krebszellen befallen. In den Krebszellen angekommen, vermehren sie sich nahezu ungebremst. Am Ende platzen die befallenen Tumorzellen und setzen massenhaft neu gebildete Viren im Tumor frei, die dann auf andere, bis dahin noch nicht infizierte Tumorzellen überspringen, wie bei einem Schneeballsystem. Das Besondere: "Die Onkolyse funktioniert auch dann, wenn die Krebszellen auf keine der herkömmlichen Behandlungsmöglichkeiten wie Chemotherapeutika, Bestrahlung oder Antikörper mehr ansprechen", erläutert Prof. Dr. Ulrich Lauer vom Universitätsklinikum Tübingen. Und: Solche onkolytische Viren können zusätzlich das Immunsystem dauerhaft gegen Krebszellen aktivieren, so dass es für diese kein Verstecken mehr gibt. Im Rahmen der jetzt startenden Studie werden Krebspatienten modifizierte Pocken-Impfviren verabreicht, die Tumorzellen gezielt befallen und sich in diesen nahezu ungebremst vermehren können.

Durch diesen Mechanismus können große Teile von Tumorgewebe zerstört werden. Da gesunde Zellen im Gegensatz zu Tumorzellen genetisch nicht verändert sind und deshalb über eine intakte Virusabwehr verfügen, werden diese nicht befallen.

Eine Besonderheit bei der in Tübingen anlaufenden Virotherapiestudie besteht darin, dass die Virotherapeutika nicht – wie bei anderen Krebsmedikamenten meist üblich – intravenös verabreicht werden, sondern mittels Leberpunktion direkt in die Tumorherde eingebracht werden. Damit gelangen die Virotherapeutika unmittelbar zu den aggressiv wachsenden Tumorherden und die Impfviren können die entsprechenden Tumore infizieren.

Die zum Einsatz kommenden Impfviren werden insgesamt dreimal im Abstand von jeweils zwei Wochen verabreicht. Durch die Virus-vermittelte Zerstörung der Lebertumorzellen soll auch das Immunsystem maximal zum Kampf gegen sämtliche im Körper befindliche Tumorherde, also auch gegen Metastasen, stimuliert werden.

Danach schließt sich eine zweite Behandlungsphase an, in welcher der für die Behandlung von Leberkrebs zugelassene Wirkstoff Sorafenib, der das Tumorzellwachstum zusätzlich bremst, zweimal täglich in Tablettenform eingenommen wird. Tübinger Wissenschaftler konnten bereits 2014 zeigen, dass die Wirksamkeit des Leberkrebs-Medikamentes Sorafenib, die mit zunehmender Therapiedauer leider sinkt, durch die Blockade eines neu identifizierten Genproduktes deutlich gesteigert und verlängert werden kann.

Die Studie wird in der Tübinger Medizinischen Universitätsklinik, Abteilung Innere Medizin VIII (Abteilung Klinische Tumorbiologie) durchgeführt, die Virotherapien bereits bei zahlreichen anderen Tumorarten zum Einsatz gebracht hat.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. med. Ulrich M. Lauer
Stichwort „Virotherapie bei Leberkrebs“
Abteilung Klinische Tumorbiologie
Innere Medizin VIII
Otfried-Müller-Str. 10, 72076 Tübingen
E-Mail: PHOCUS-STUDIE@med.uni-tuebingen.de

******************

Lesen Sie hierzu auch:

Interview mit Prof. Dr. med. Ulrich Lauer, Tübingen
Immunonkologie – Onkolytische Viren


 

Quelle: Universitätsklinikum Tübingen


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