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Medizin

11. November 2020 Sequenztherapie des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms: Bei der Auswahl der Erstlinie an die Folgetherapie denken

Durch diverse Neuzulassungen in den letzten Jahren steht ein breites Spektrum von Behandlungsoptionen des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms zur Verfügung. Welche Substanzen in welcher Reihenfolge in der Sequenztherapie des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) eingesetzt werden sollten, müsse bereits bei der Auswahl der Erstlinientherapie bedacht werden, konstatierte Prof. Dr. Thomas Steuber, Hamburg. Um die optimale Sequenztherapie zu bestimmen, gebe es in klinischen Studien den relativ neuen Endpunkt progressionsfreies Überleben 2 (PFS2), der die Zeit zwischen Randomisierung und Fortschreiten der Erkrankung oder Tod unter der ersten Folgetherapie beschreibt.
Das PFS2 wurde für Apalutamid (Erleada®) beim kastrationsresistenten Prostatakarzinom mit hohem Risiko für die Entwicklung von Metastasen (M0CRPC) und beim metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinom (mHSPC) als explorativer Endpunkt in den Studien SPARTAN und TITAN untersucht (1, 2). Beim M0CRPC In der Studie SPARTAN verlängerte sich das PFS2 unter Apalutamid plus Androgendeprivationstherapie (ADT) versus Placebo + ADT signifikant von 41,2 auf 55,6 Monate (HR=0,55; 95%-KI: 0,46-0,66; p<0,0001) (1). 50% der Patienten aus der Apalutamid-Gruppe und 64% der Patienten aus der Placebo-Gruppe hatten Abirateron + Prednison/Prednisolon (P) als Folgetherapie erhalten. Beim mHSCR zeigte sich der Vorteil von Apalutamid versus Placebo (Median jeweils noch nicht erreicht) mit einer Hazard Ratio von 0,66 (95%-KI: 0,50-0,87; p=0,0026) (2).

Welche der bevorzugten antihormonellen Therapie – Abirateron/P oder Enzalutamid (3) – in der Erstlinientherapie des nicht oder mild symptomatischen mCRPC eingesetzt werde, wirke sich auch auf die Folgetherapie aus, betonte Steuber. Neben Metaanalysen retrospektiver Studien gibt es mittlerweile auch eine prospektive Studie, die auf Vorteile der Sequenz Abirateron/P gefolgt von Enzalutamid gegenüber der umgekehrten Reihenfolge hinweisen (4, 5). In den Metaanalysen zeigte sich ein signifikant längeres PFS2 bei Therapiebeginn mit Abirateron/P mit einer Hazard Ratio von 0,62 (95%-KI: 0,49-0,78; p<0,001) bzw. 0,57 (95%-KI: 0,35-0,92 p=0,02) (4, 6). In der prospektiven Phase-II-Studie war die Zeit bis zum 2. PSA-Progress (kombiniertes PSA-PFS) bei Therapiebeginn signifikant länger, wenn zuerst Abirateron/P statt Enzalutamid eingesetzt wurde (15,2 vs. 19,3 Monate; HR 0,66; 95%-KI: 0,45-0,97; p=0,036) (5). Die Zeit bis zum 2. Progress war mit dieser Sequenz ebenfalls signifikant länger (15,0 vs. 10,3 Monate; p=0,029).

Andrea Warpakowski

Quelle: Fachpressekonferenz online anlässlich ASCO und ESMO 2020 „Erleada® und Zytiga® in der Sequenztherapie des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms“ am 28. Oktober 2020; Veranstalter Janssen

Literatur:

(1) Small EJ et al. J Clin Oncol. 2020;38(15_suppl; abstr. 5516) & Poster.
(2) Chi K, et al. N Engl J Med 2019; 381:13-24
(3) S3-Leitlinie Prostatakarzinom, Version 5.1 – Mai 2019. www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom
(4) Mori K, et al. Prostate Cancer Prostatic Dis. 2020; Mar 9:doi: 10.1038/s41391-020-0222-6
(5) Khalaf D, et al. Lancet Oncol. 2019;20(12):1730-173
(6) Chung DY, et al. Cancers (Basel). 2019;12(1). pii: E8. doi: 10.3390/cancers1201000
 


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