Montag, 22. Juli 2019
Navigation öffnen

Medizin

18. Juli 2018 IQWiG: Nutzen der allogenen Stammzelltransplantation bei bestimmten Lymphomen unklar

Non-Hodgkin-Lymphome treten selten auf und es gibt zahlreiche Untergruppen. Reichen Chemo- und Strahlentherapie nicht aus, kommt eine Stammzelltransplantation in Frage. Wenn die dabei übertragenen Stammzellen vom Patienten selbst stammen, spricht man von einer autologen Transplantation. Da keine unerwünschte Immunreaktion auftritt, ist diese Variante in der Regel vorzuziehen. Es gibt jedoch auch Patientinnen und Patienten, bei denen – anschließend oder von vornherein – die allogene Variante angewendet wird. Dabei werden Stammzellen eines anderen Menschen übertragen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht derzeit, ob die allogene Stammzelltransplantation Patientinnen und Patienten mit einem aggressiven B-Zell- oder T-Zell-Lymphom Vorteile bietet. Die vorläufigen Ergebnisse liegen jetzt vor: Der Nutzen bleibt unklar, weil es für die häufig sehr kleinen Patientengruppen keine oder keine verwertbaren Daten gibt.
 
Anzeige:
Auch Kohortenstudien und Fallserien einbezogen

Dabei haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Nutzen in einer ganzen Reihe von therapeutischen Situationen untersucht. Teils verglichen sie das Verfahren mit der autologen Transplantation, teils mit einer Behandlung, die nicht mehr auf Heilung zielt (palliativ).

Weil die Stammzelltransplantation bei fortgeschrittenen Krankheitsstadien oft als letzte Chance wahrgenommen wird, war zu vermuten, dass es nur wenige Studien mit hoher Aussagesicherheit (Evidenzstufe), also randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) gibt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler legten ihre Recherche deshalb sehr breit an. Für die Patientengruppe, für die alle auf Heilung zielenden Therapien ausgeschöpft waren, schlossen sie sogar Fallserien ein. Allerdings stand fest, dass sich aus solchen Ergebnissen nur dann ein Nutzen ableiten lässt, wenn „dramatische Effekte“ auftreten, die den regelhaft zu beobachtenden Krankheitsverlauf umkehren.

Fallzahlen in Untergruppen oft klein

Die Bewertung wurde aber auch dadurch erschwert, dass die Erkrankung selten ist. Selbst wenn man alle Non-Hodgkin-Lymphome gemeinsam betrachtet, so gibt es derzeit pro Jahr in Deutschland nur ca. 250 Patientinnen und Patienten, die allogen transplantiert werden. Diese verteilen sich auf viele Untergruppen, sodass zu manchen kaum Daten vorhanden sind. Bei einzelnen dieser extrem seltenen Lymphome hat das IQWiG daher sogar internationale Sammelstatistiken von Einzelfallberichten ausgewertet. Darüber hinaus erhielt das IQWiG auf Anfrage zusätzliche Informationen von deutschen Studiengruppen.

Keine Aussagen zur Lebensqualität möglich

Insgesamt konnte das Institut 34 Studien einbeziehen, davon untersuchten neun Studien den Verlauf der Erkrankung bei Patientinnen und Patienten, bei denen die Behandlung nicht mehr auf eine Heilung, sondern auf eine Linderung der Symptome zielte.

Die Studien überprüften vor allem, wie lange die Patientinnen und Patienten überleben. Sofern es überhaupt verwertbare Daten gibt, zeigen sie beim sogenannten Gesamtüberleben aber keinen klaren Vorteil der allogenen Stammzelltransplantation. Studien, die eine Aussage über die Lebensqualität der Betroffenen erlauben würden, gibt es keine.

Insgesamt kommen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass der Nutzen der allogenen Stammzelltransplantation unklar ist. Gleichzeitig weisen sie auf das Risiko einer Abwehrreaktion der neu gebildeten Immunzellen gegen die Patientin oder den Patienten hin (Graft-versus-host-disease), das bei einem fremden Spender immer besteht. Sie sehen hier einen Anhaltspunkt für einen Schaden.

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Den vorläufigen Berichtsplan hatte das IQWiG im Juni 2017 vorgelegt und um Stellungnahmen gebeten. Diese wurden zusammen mit Würdigungen und dem überarbeiteten Berichtsplan im September 2017 publiziert. Stellungnahmen zu dem jetzt veröffentlichten Vorbericht werden nach Ablauf der Fristen gesichtet. Sofern sie Fragen offenlassen, werden die Stellungnehmenden zu einer mündlichen Erörterung eingeladen. Im Anschluss erstellt das IQWiG die Abschlussberichte.

Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


Das könnte Sie auch interessieren

Wegweiser „Leben mit Krebs in Hessen“ hilft Betroffenen

Wegweiser „Leben mit Krebs in Hessen“ hilft Betroffenen
© Fotolia / fotomek

In Deutschland leiden aktuell 1,4 Millionen Menschen an Krebs und die Zahl der Neuerkrankungen steigt. In Hessen treten jährlich mehr als 35.000 neue Krebserkrankungen auf. Ermutigend ist, dass nach neuesten Studien die Rate der Langzeitüberlebenden ansteigt. Manche Krebsarten sind heute heilbar, andere können als chronische Erkrankung eingestuft werden. Auch die Chancen, mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung länger zu leben, sind in den letzten Jahren spürbar...

Seltene Krebsarten – Stiefkind der Krebsforschung?

Seltene Krebsarten – Stiefkind der Krebsforschung?
© Darren Baker / Fotolia.com

Eine seltene Krebsart bringt nicht nur Patienten, sondern auch Ärzte an ihre Grenzen. Dabei sind seltene Krebsarten gar nicht so selten wie die Bezeichnung vermuten lässt. Rund 100.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an einer solchen Krebserkrankung. Im aktuellen Monatsthema stellt das ONKO-Internetportal die wichtigsten seltenen Krebsarten, die damit verbundenen Herausforderungen bei der Therapie sowie Initiativen für betroffene Patienten vor.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"IQWiG: Nutzen der allogenen Stammzelltransplantation bei bestimmten Lymphomen unklar"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich