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01. April 2021
aktualisiert: 13. April 2021

SARS-CoV-2-Pandemie und COVID-19-Infektion bei Krebs

SARS-CoV-2-Pandemie und COVID-19-Infektion bei Krebs
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Was bedeutet das Virus für onkologische Patienten und ihre Therapien? Wurde die Versorgung von Krebspatienten in den ersten beiden Wellen 2020 schlechter, gibt es verschleppte Diagnosen?

Die Infektion mit dem SARS-CoV-2 präsentiert sich mit einem breiten aber unspezifischen Symptomspektrum. Laut RKI sind die im deutschen Meldesystem am häufigsten erfassten Symptome Husten, Fieber, Schnupfen und Geruchs-/Geschmacksverlust. Die mittlere Inkubationszeit wird in den meisten Studien mit 5-6 Tagen angegeben. Frauen und Männer sind von einer SARS-CoV-2-Infektion etwa gleich häufig betroffen. Männer erkranken jedoch häufiger schwer und sterben doppelt so häufig. Der Krankheitsverlauf variiert, es können symptomlose Infektionen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod auftreten. Auch nach dem Abklingen der akuten Infektion können Symptome bestehen oder neu auftreten, v.a. Fatigue, aber auch Organbefall wie neu auftretender Diabetes sowie Lungen- oder Nierenschäden (Long COVID).

Als Übertragungsweg gelten Tröpfchen- und Aerosolinfektionen, auch wenn eine zusätzliche Verbreitung über Schmierinfektionen nicht ausgeschlossen werden kann. Eine Infektion über die Augen wird ebenfalls diskutiert.
 

Höheres Ansteckungsrisiko?

Das Ansteckungsrisiko eines Patienten mit onkologischer Vorerkrankung ist nicht höher als bei gesunden Personen. Allerdings hat sich gezeigt, dass Patienten mit COVID-19 im aktiven, progressiven oder metastasierten Stadium eine deutlich schlechtere Prognose aufweisen als Patienten, die sich in Remission befinden oder ihre Krebserkrankung bereits überwunden haben. Hinsichtlich der Indikation bestehen ebenfalls Unterschiede: Hämatologische Neoplasien unter intensiver Therapie sowie Lungenkarzinome gelten als Risikofaktoren für schwere Verläufe.

Wie bei gesunden Personen treten als Risikofaktoren zusätzlich ein grundsätzlich geschwächtes Immunsystem, Adipositas, männliches Geschlecht, Rauchen und ausgeprägte Komorbiditäten hinzu. Zudem gibt es Hinweise auf genetische Risikofaktoren, darunter z.B. Blutgruppe A/Rhesus-positiv. Menschen mit der Blutgruppe A+ sind möglicherweise gefährdeter für schwere Verläufe als Menschen mit anderen Blutgruppen. Eine amerikanische Studie bestätigt frühere Korrelationsstudien hierzu. Allerdings haben 43% der Bevölkerung in Deutschland die Blutgruppe A, es ist die in Deutschland am häufigsten vorkommende. In der Studie wurden zudem nur Zellen aus dem Respirationstrakt untersucht, d.h. die Blutgruppe A erleichtert dem Virus möglicherweise den Eintritt in den Körper. Dies sagt aber nichts über die zu erwartende Schwere des Verlaufs aus. Das Fazit der Experten lautet daher, dass andere Risikofaktoren wie das Rauchen oder Adipositas schwerer wiegen als die Blutgruppe, wenn es um das Risiko eines schweren Verlaufs geht.
 

Immuncheckpoint-Inhibitoren erhöhten nicht das COVID-19-Risiko

EIne amerikanische Studie mit 1.545 Krebspatienten zeigte keinen negativen EInfluss einer Therapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren auf das Risiko, an COVID-19 zu erkranken.
 

Impfung bei Krebspatienten?

Keiner der zugelassenen Impfstoffe wurde an Probanden mit beeinträchtigtem oder unterdrücktem Immunsystem untersucht. Entsprechend unklar ist der Grad der Wirksamkeit sowie mögliche Nebenwirkungen. Auch die Frage nach der Verträglichkeit mit Chemotherapie, zielgerichteten Medikamenten oder Immun-Checkpoint-Inhibitoren kann derzeit nicht sicher beantwortet werden. Die Entscheidung für oder gegen eine Impfung und auch der Zeitpunkt einer Impfung sollte daher sorgfältig erwogen werden. Grundsätzlich weist die vollständig fehlende Datenlage auf eine abwartende Haltung und eine Fokussierung auf andere Schutzmaßnahmen wie die AHA-Regeln hin.

Laut Onkopedia-Leitlinie gelten bei der Entscheidungsfindung die Grundsätze des "Shared Decision Making zwischen Arzt und Patient unter besonderer Berücksichtigung der individuellen Risikosituation. Bei Patienten mit der Vorgeschichte einer anaphylaktischen Reaktion soll das Risiko einer schweren Nebenwirkung besonders sorgfältig gegenüber dem erwarteten Nutzen abgewogen werden."

"So wie bei jedem Gesunden oder kranken Menschen abgewogen werden muss, ob er oder sie sich impfen lässt, kann man auch bei Krebspatienten nicht simpel sagen, dass sie geimpft werden müssen", so Prof. Dr. Carsten Bokemeyer vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. "Liegt die Krebserkrankung 3 Jahre zurück, hat derjenige kein anderes Risiko als ein gesunder Mensch. Ist die Krebserkrankung zu aktiv, verträgt sich das nicht mit einer Impfung, Man muss sich immer die Situation individuell ansehen."

Eine Zusammenstelltung von Informationen zu den einzelnen Impfstoffen und weitere Informationen zu SARS-CoV-2 lesen Sie hier.
 

Was sollen Krebserkrankte unter (Chemo-) Therapie beachten?

Die DGHO hat zu diesem Thema für Krebspatienten eine Faktencheck-Liste zusammengestellt. Besonders hervorgehoben wird neben der Kontaktvermeidung die Bedeutung einer gesunden Ernährung, Bewegung an der frischen  Luft, ein ausreichender Vitamin D-Spiegel und nach Möglichkleit die Wahrnehmung routinemäßiger Impfungen (Grippe, Pneumokokken): Bereits zu Anfang der Pandemie haben Virologen die Vermutung geäußert, dass die alljährliche Grippeschutzimpfung einen gewissen Schutzt gegen SARS-CoV-2 bieten könne. EIne italienische Untersuchung bestätigte nun, dass die Grippe-Impfung in Zusammenhang mit reduzierter Inzidenz und Schwere von COVID-19 stand.

Eine prophylaktisch Aussetzung der Krebstherapie darf nicht stattfinden. Je besser die Krankheit kontrolliert ist, desto weniger schwer wäre auch der Verlauf einer eventuellen COVID-19-Erkrankung.

Da zunehmend  bekannt  ist, dass eine Blutverdünnung  in den schwereren  Stadien  einer  COVID-19-Erkrankung eine wichtige Rolle spielt, und Patient*innen mit Krebs oft eine erhöhte Thrombose-Neigung haben, z.B. auch unter Immuntherapie, sollte überprüft  werden, ob eine  Blutverdünnung verordnet werden sollte.

Und: Patient*innen sollen und brauchen keine Angst zu haben, zum Arzt zu gehen.
 

Verschleppte Diagnosen am Beispiel Hauttumoren

Eine in Cancers 2021 veröffentlichte retrospektive Studie verglich, wie viele Krebserkrankungen in Deutschland in der Zeit Januar bis Mai 2019 und Januar bis Mai 2020 diagnostiziert wurden. Von allen Tumoren, die verspätet diagnostiziert wurden, waren durch die COVID-19-Pandemie die Hautkrebs-Diagnosen am stärksten betroffen: Hauttumor-Diagnosen in dermatologischen Praxen sanken im März 2020 um 25,6%, im April 2020 sogar um 42,9%. In Allgemeinarztpraxen reduzierten sie sich um 19,6% im März 2020 und um 29,3% im April 2020.

Ergebnisse einer italienischen Forschergruppe zeigen, dass vor dem Lockdown die durchschnittliche Tumordicke 0,88 mm betrug und während der Lockdown auf 0,66 mm absank, um nach dem Lockdown auf 1,96 mm anzusteigen. „Diese Melanomzahlen zeigen eindrücklich, dass Patientinnen und Patienten unter dem Lockdown nur seltener den Hautarzt mit der Verdachtsdiagnose Hautkrebs aufsuchten. Zugleich wird deutlich, dass dieses "Warteverhalten" zu einem Anstieg der Tumordicken direkt nach dem Lockdown führte“, so Prof. Dr. Alexander Enk, Heidelberg. Die Konsequenz daraus sei, dass sich die Prognose der Erkrankten erheblich verschlechtere.

Redaktion von journalonko.de (AB)

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