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28. November 2019
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© Jürgen Fälchle /AdobeStock

Thalassämie und Sichelzellanämie: Gentherapie CRISPR/Cas9 bei 2 Patientinnen erfolgreich

Am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) wurde die erste Beta-Thalassämie-Patientin mit dem CRISPR/Cas9-Verfahren behandelt. Eine weitere Studie läuft im Bereich der Sichelzellerkrankungen. Nun wurde in einer ersten Zwischenbilanz ein positives Resümee gezogen. Die 20-jährige Patientin, die weltweit erstmalig mit der Genschere CRISPR/Cas9 behandelt wurde, leidet an Beta-Thalassämie. Bislang galt, dass eine Heilung nur durch eine Stammzelltransplantation möglich ist, wenn ein passender Spender zur Verfügung steht.
 
Findet sich kein Spender oder ist eine solche Transplantation aufgrund diverser Risikofaktoren nicht durchführbar, sind Betroffene auf regelmäßige Bluttransfusionen angewiesen, mit all ihren potentiell lebensverkürzenden Nebenwirkungen. Insbesondere die Eisenüberladung lebenswichtiger Organe wie Herz und Leber führen über kurz oder lang zu schweren Komplikationen und zum Tod. Die Patientin, die am Universitätsklinikum Regensburg als erste in die CRISPR-Studie eingeschlossen werden konnte, hatte genau dieses Schicksal durchlaufen: Im Schnitt wurde sie 16 Mal pro Jahr transfundiert. Vor neun Monaten wurden die Blutstammzellen der Patientin nun durch das CRISPR/Cas9-Verfahren genetisch verändert und tatsächlich, bis heute ist sie transfusionsfrei und weist aktuell normale Blutwerte auf.

„Diese ersten Zwischenergebnisse stimmen uns sehr positiv“, führt Prof. Dr. Selim Corbacioglu, Leiter der Abteilung für Pädiatrische Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation sowie Studienleiter am UKR, aus. „Für Patienten, denen keine kurative Alternative angeboten werden kann, würde diese Therapieform die Heilung von einer schrecklichen Krankheit bedeuten.“ Insgesamt sollen in den 6 Studienzentren weltweit (USA, Kanada, Europa) 45 Patienten mit Beta-Thalassämie aufgenommen werden, die über zwei Jahre nach Infusion engmaschig betreut und nachbeobachtet werden.

CRISPR/Cas9 wird auch bei der Sichelzellerkrankung eingesetzt

Ähnlich wie bei der Beta-Thalassämie ist auch bei der Sichelzellerkrankung genetisch bedingt die Hämoglobinbildung gestört. Die Folgen sind u.a. Schmerzkrisen, Hirninfarkte, Lungeninfarkte, hohe Infektneigung und unbehandelt eine Kindersterblichkeit von mehr als 85% in den ersten 5 Lebensjahren. Neben der Studie zur Thalassämie ist Regensburg deutschlandweit das einzige Zentrum, das eine CRISPR/Cas9-basierte Gentherapie für die Sichelzellerkrankung anbietet. Für diese haben die Unternehmen CRISPR Therapeutics und Vertex Pharmaceuticals Incorporated kürzlich ebenfalls erste Ergebnisse einer amerikanischen Patientin veröffentlicht. „Auch diese Ergebnisse geben Anlass zur Hoffnung“, so Corbacioglu weiter. „Die Patientin weist seit ihrer Behandlung vor 4 Monaten keine Gefäßverschlüsse mehr auf. Zuvor hatte sie im Schnitt 7 pro Jahr.“ Insgesamt sollen am UKR jeweils 5-6 Patienten pro Studie behandelt werden. „Wir halten damit nun für Patienten mit Beta-Thalassämie und Sichelzellerkrankung das volle Behandlungsspektrum vor, um diese Erkrankungen endgültig zu heilen“, so Corbacioglu.

Die Studien zur von Vertex und CRISPR Therapeutics entwickelten Stammzelltherapie CTX001 werden ex vivo durchgeführt. Dabei werden den Patienten blutbildende Stammzellen entnommen, welche anschließend in einem Labor durch das CRISPR/Cas9-Verfahren bearbeitet werden. Bevor die so editierten Zellen dem Patienten wieder eingesetzt werden können, wird diesem wie bei einer Stammzelltransplantation üblich durch eine Chemotherapie das Knochenmark zerstört. Der Patient erhält im Anschluss seine genveränderten Zellen wie bei einer Bluttransfusion. Die neuen Blutstammzellen siedeln sich in den Markhöhlen der Knochen an und beginnen dort funktionstüchtige Blutzellen zu bilden, die die ansonsten nötigen, aber auf Dauer schädlichen Bluttransfusionen ersparen. Durch die Genomeditierung werden dabei keine der zugrundeliegenden Gendefekte korrigiert. Stattdessen wird ein alternatives Hämoglobingen aktiviert, wodurch die manipulierten Zellen sogenanntes fetales Hämoglobin produzieren können, welches den Sauerstofftransport übernimmt.

Quelle: Universitätsklinikum Regensburg (UKR)


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