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Medizin
08. April 2021
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Supportivtherapie: Diarrhö-Management und Osteoprotektion

Beim virtuellen Münchener Fachpresseworkshop der POMME-med GmbH stand die Supportivtherapie in der Onkologie im Fokus. „Die supportive Therapie sollte Krebspatienten ab der Diagnosestellung über den gesamten Verlauf ihrer malignen Erkrankung begleiten“, sagte Prof. Dr. med. Petra Feyer, Berlin. Sie ging in ihrem Vortrag auf einige Highlights des AGSMO-Kongresses 2021 ein (1). Weiter standen Knochengesundheit bei onkologischen Patienten und das Diarrhö-Management auf dem Programm. Wie ein risikoadaptierter Knochenschutz unter einer endokrinen Therapie in der Onkologie gestaltet werden sollte, erläuterte Prof. Dr. med. Florian Schütz, Speyer. Diarrhöen, als ein zentrales Problem vieler Tumortherapien, sollten leitliniengerecht behandelt werden, betonte Prof. Dr. med. Joachim Drevs, Sickte, und ging auch auf schwere Verläufe ein. Hier wird u.a. Opiumtinktur empfohlen, für die es seit einiger Zeit ein GMP-konformes Fertigarzneimittel gibt.
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Ein Highlight des virtuellen AGSMO-Kongress (1), war so Feyer, der Vortrag von Dr. Fiona Streckmann, Basel zur Chemotherapie-induzierten peripheren Neuropathie (CIPN). Diese ist eine sehr prävalente und klinisch hochrelevante Nebenwirkung vieler onkologischer Therapien. Eine spezifische Bewegungstherapie könne laut Klasse IIC-Empfehlung in den ESMO-Leitlinien (2) die Beschwerden lindern. Nach Ansicht von Streckmann wird ein solches Sensomotorik- oder Vibrationstraining in der Supportivtherapie neuropathischer Patienten jedoch bislang unterschätzt. Es sollte von den Kollegen häufiger angewendet und empfohlen werden.
 

Immunvermittelte Toxizitäten

Immunvermittelte Toxizitäten treten meist innerhalb der ersten 12 Wochen nach Therapiebeginn auf. Häufig handele es sich um dermatologische Nebenwirkungen, Lebertoxizitäten oder Diarrhöen, zitierte Feyer den Vortrag von Kathrin Heinrich, München. Die Hypophysitis gehöre zu den seltenen, aber gravierenden Nebenwirkungen. Dabei besteht ein höheres Nebenwirkungsrisiko unter CTLA-4-Antagonisten oder Kombinationstherapien verglichen mit PD(L)1-Inhibitoren allein. Die meisten Nebenwirkungen können mit Steroiden gut behandelt werden. Diese sollten jedoch langsam ausgeschlichen werden. Eine Re-Exposition mit einem Checkpointinhibitor ist auch nach nebenwirkungsbedingtem Therapieabsetzen möglich (3).
 

Knochenschutz – ein wichtiges Element der Supportivtherapie

„Die Knochenprotektion sowohl in der adjuvanten als auch in der metastasierten Situation des hormonrezeptorpositiven Mammakarzinoms ist ein wichtiges Thema“, sagte Prof. Dr. med. Florian Schütz, Speyer. Denn die Chemotherapien wirken sich ebenso wie antihormonelle Therapien negativ auf die Knochendichte aus und erhöhen die Frakturgefahr – und das meist in einer Situation, in der die Frauen menopausebedingt ohnehin schon einen Knochendichte-Verlust aufweisen.
Die Aromataseinhibitor(AI)-Therapie bei postmenopausalen Frauen verringert die Knochendichte und erhöht das Frakturrisiko, wie die Zulassungsstudien der 3 verfügbaren Aromatasehemmer zeigen (4-6). Tamoxifen hingegen beeinflusst das Frakturrisiko nach der Menopause nicht. Beim prämenopausalen Mammakarzinom sei das anders, betonte Schütz. Hier erhöht Tamoxifen das Frakturrisiko der Patientinnen (7). Insgesamt gilt, je stärker die ovarielle Hormonbildung durch verschiedene endokrine Therapeutika allein oder in Kombination unterdrückt wird, desto höher ist die Osteoporose Rate (8). Daher benötigen Frauen mit diesen Therapien unbedingt einen risikoadaptierten Knochenschutz, appelliert Schütz.
 

Risikofaktoren für Osteoporose und Frakturen

Bei jeder Patientin mit Indikation für eine endokrine Therapie sollte zunächst ihr Basisrisiko für eine Osteoporose beziehungsweise Frakturen bestimmt werden. Dieses ergibt sich aus der Familienanamnese, zusätzlich prädisponieren Untergewicht, Immobilität, Rauchen und Kortison-Einnahme. Ganz entscheidend für das Frakturrisiko sei der Knochendichtestatus vor bzw. bei Therapiebeginn, meint Schütz. Liegt bereits vor Therapiebeginn eine verminderte Knochendichte im Sinne einer Osteoporose vor, ist das Risiko für eine Fraktur doppelt so hoch verglichen mit Frauen ohne Osteoporose (9). „Ich schicke alle Patienten, bei denen ich eine potenziell die Knochendichte mindernde Therapie ansetze, zur Knochendichtemessung, die leider bis heute von den Kassen nicht vollständig erstattet wird,“ empfahl Schütz. Ob eine knochenschützende Therapie notwendig ist, sollte immer individuell anhand der Leitlinie „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose“ des Dachverbands für Osteologie DVO nachgeschlagen werden (10).
 
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