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Medizin
23. September 2015

MDS: Schwere der Fatigue signifikanter und unabhängiger Prognosefaktor für das Gesamtüberleben

Myelodysplastische Syndrome sind klinisch äußerst verschieden, weswegen die Prognoseeinschätzung bei diesen Patienten so wichtig ist. In dieser multizentrischen prospektiven Kohorten-Studie wurde geprüft, inwieweit der von den Patienten selbst berichtete Schweregrad einer Fatigue für das Gesamtüberleben einen besseren prognostischen Wert besitzt als die Gold-Standard-Prognosemarker für MDS-Patienten mit höherem Risiko.

Erwachsene Patienten mit myelodysplastischen Syndromen (n=280) aus 37 Zentren in Europa, USA und Ostasien wurden bei Intermediate-2- oder Hochrisiko-Score (IPSS) innerhalb von 6 Monaten nach Diagnose in die Studie NCT00809575 (Rekrutierung läuft weiter, geschätztes Ende 2018) eingeschlossen, ungeachtet ihres Alters, Komorbiditäten, Performance Status oder Progress von einem niedrigeren IPSS-Score.

Aus dem anfangs ausgefüllten Fragebogen zur Lebensqualität wurde ein multivariates Modell erstellt, um den Einfluss prognostischer Variablen wie IPSS und Fatigue-Score (ermittelt per "European Organisation for Research and Treatment of Cancer quality-of-life questionnaire-core 30") auf das Gesamtüberleben (primärer Endpunkt) zu messen.

Das mediane Gesamtüberleben ab Diagnosezeitpunkt lag bei 17 Monaten (95% CI 15-19). In der univariaten Analyse waren als Baseline-Faktoren besonders höheres Alter, Transfusionpflichtigkeit, ECOG ≥2, Leukozytose, Hochrisiko IPSS-Score und stärkere Fatigue nach Selbsteinschätzung mit einem reduzierten Gesamtüberleben assoziiert.
In der multivariaten Analyse waren die unabhängigen Baseline-Faktoren, die mit einem reduzierten Gesamtüberleben assoziiert waren: Hochrisiko-IPSS-Score (HR 2,525, 95% CI 1,357-4,697; p=0,0035) und ein höherer Fatigue-Score (1,110, 1,040-1,170, für jeweils 10 Punkte Verschlechterung der Fatigue; p=0,0007).

Auch in weiteren multivariaten Modellen für das Überleben mit entweder dem WHO-basierten Prognose-Score-System oder der revidierten Version der IPSS-Klassifikation blieb die Fatigue ein statistisch signifikanter, unabhängiger Prognosefaktor ((HR= 1,120 (1,050-1,180, p=0,0003 und HR=1,130 (1,060-1,190, p=0,0002)).

Unabhängig von Gold-Standard-Risikoklassifikationen besitzt der Schwergrad einer Fatigue (nach Selbsteinschätzung des Patienten) bei neudiagnostizierten MDS-Patienten mit höherem Risiko bereits prognostischen Aussagewert für das Überleben. Daher sollte für diese Patienten in der Diagnostik routinemäßig ein Fatigue Assessment durchgeführt werden und auch in künftigen randomisierten Studien als Standard-Stratifizierung zu Beginn erwogen werden.
(übers. v. Red.)

Literatur:

Fabio Efficace,  Prof Gianluca Gaidano, Uwe Platzbecker et al. Prognostic value of self-reported fatigue on overall survival in patients with myelodysplastic syndromes: a multicentre, prospective, observational, cohort study. Lancet Oncology, Published Online: 21 September 2015
http://dx.doi.org/10.1016/S1470-2045(15)00206-5

 


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