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Medizin
22. November 2019

CLL: Chemotherapiefreie und zeitlich begrenzte Kombinationstherapie wirksame Option

Für einige Patienten mit einer chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) ist mittlerweile eine erfolgreiche Behandlung mit chemotherapiefreien Regimes und einer zeitlich begrenzten Therapiedauer möglich. Diese Erkenntnis ist im Wesentlichen den Ergebnissen der beiden Phase-III-Studien MURANO und CLL14 zu verdanken, welche in einem Symposium auf dem DGHO-Kongress vorgestellt wurden.
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Prof. Dr. Stephan Stilgenbauer, Homburg, ging auf eine aktuelle Auswertung der MURANO-Studie ein, in der die BCL-2-Inhibition mit Venetoclax in Kombination mit Rituximab (VenR) das progressionsfreie Überleben (PFS) gegenüber dem Chemotherapie-haltigen Regime Bendamustin + Rituximab (BR) verlängern konnte. Patienten mit refraktärer/rezidivierter CLL (r/r CLL) hatten randomisiert entweder VenR für maximal 24 Monate oder BR erhalten (1, 2). Die Datenerhebung nach einem Follow-up von 48 Monaten – und somit 22 Monate nach Beendigung der Venetoclax-Therapie – bestätigte den in früheren Auswertungen beobachteten Vorteil im PFS: Die PFS-Rate betrug unter VenR 57,3% vs. 4,6% unter BR (HR=0,19; p<0,0001) (3). „Je nach MRD-Status fallen diese Daten noch eindrucksvoller aus“, sagte Stilgenbauer. Unter der VenR-Kombination käme es besonders häufig zu einer MRD-Negativität und die Patienten mit einem solchen tiefen Ansprechen wiesen eine besonders gute Prognose auf. Der wichtigste Punkt für Stilgenbauer sei aber die anhaltende signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens (OS). Die OS-Rate betrug nach 48 Monaten unter VenR 85,3% im Vergleich zu 66,8% unter BR (HR=0,41; p<0,0001). Das entspricht einer Reduktion um 59% für das Risiko zu versterben. „Trotz adäquater Folgetherapien war das OS im BR-Arm schlechter“, bemerkte Stilgenbauer. „Zudem erwies sich die Behandlung mit VenR hierbei als besser verträglich als BR“. Auf dieser Grundlage basierend wurde im Oktober 2018 die Zulassungserweiterung für Venetoclax in der Kombination mit Rituximab bei Patienten mit r/r CLL erteilt.

Die Ergebnisse einer weiteren wichtigen Phase-III-Studie – CLL14 – präsentierte PD Dr. Barbara Eichhorst, Köln. In dieser Studie wurden zwei zeitlich begrenzte Regime miteinander verglichen: Die therapienaiven CLL-Patienten hatten randomisiert entweder die chemotherapiefreie Kombination aus Venetoclax + Obinutuzumab oder die Chemoimmuntherapie Chlorambucil + Obinutuzumab erhalten. Es zeigte sich, dass unter Venetoclax + Obinutuzumab das PFS signifikant verbessert war (PFS-Rate unter Venetoclax + Obinutuzumab 88,2% vs. 64,1% unter Chlorambucil + Obinutuzumab; HR=0,35; 95%-KI: 0,23-0,53; p<0,001) (4). Die Gesamtansprechrate (ORR) lag unter Venetoclax + Obinutuzumab bei 84,7% gegenüber 71,3% unter Chlorambucil + Obinutuzumab (p<0,001). Davon waren im Venetoclax + Obinutuzumab-Arm 49,5% komplette (CR) und 35,2% partielle Remissionen (PR); unter Chlorambucil + Obinutuzumab waren es 23,1% CR und 48,1% PR. Auch hinsichtlich des Anteils an MRD-negativen Patienten sowie der Stabilität der MRD-Negativität war die Therapie mit Venetoclax + Obinutuzumab dem Vergleichsarm überlegen. In Bezug auf das OS war kein Unterschied in den beiden Behandlungsarmen zu verzeichnen. Das Sicherheitsprofil beider Behandlungsregime war vergleichbar. Auf Basis dieser Daten erteilte die FDA im Mai 2019 die Zulassung für Venetoclax + Obinutuzumab für unbehandelte CLL-Patienten. Für Deutschland wird noch auf die Zulassung gewartet, ein entsprechender Antrag wurde bereits im Juni 2019 bei der EMA gestellt. Weitere Erfolge erhoffe man sich von Kombinationen aus Venetoclax + BTK-Inhibitor +/- Obinutuzumab (Erstlinie + Rezidiv). Dies würde in aktuellen Studien untersucht, wie Eichhorst zum Abschluss anmerkte.

sk

Quelle: Symposium „CLL Therapie 2.0 – endlich endlich“, DGHO 2019, 13.10.2019, Berlin; Veranstalter: AbbVie

Literatur:

(1) Seymour JF et al. N Engl J Med 2018;378(12):1107-1120.
(2) Kater AP et al. J Clin Oncol 2019;37(4):269-277.
(3) Seymour JF et al. iwCLL, Edinburgh, UK, Poster #2266.
(4) Fischer K et al. N Engl J Med 2019;380(23):2225-2236.


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