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Medizin

22. Februar 2019 Regenerative Medizin: Mechanismus des Proteins Akna identifiziert

Der Einsatz von Stammzellen zur Reparatur von Organen ist eines der übergeordneten Ziele moderner regenerativer Medizin. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das Protein Akna dabei eine entscheidende Rolle spielen könnte. Es steuert beispielsweise das Verhalten von neuralen Stammzellen über einen Mechanismus, der auch für die Bildung von Metastasen bedeutsam sein könnte.
Das Forscherteam um Prof. Dr. Magdalena Götz, Direktorin des Instituts für Stammzellforschung (ISF) am Helmholtz Zentrum München, wollte die Faktoren identifizieren, die den Erhalt oder die Entwicklung von Nervenstammzellen regulieren. Dafür isolierten die Wissenschaftler solche Zellen, die sich entweder selbst erneuern und weitere neurale Stammzellen bilden oder sich ausdifferenzieren und Nervenzellen bilden.

Höhere Konzentration an Protein Akna

„Dabei haben wir festgestellt, dass in den sich zu Nervenzellen entwickelnden Stammzellen das Protein Akna* in deutlich höheren Konzentrationen vorkommt“, erklärt Germán Camargo Ortega, Mitarbeiter am ISF. „In allen Versuchen hat sich gezeigt, dass die Verringerung des Akna Proteins den Verbleib der Stammzellen in der Stammzellnische fördert, wohingegen die stärkere Anwesenheit des Proteins die Ablösung aus der Nische verstärkt und damit die Ausdifferenzierung fördert“, so Ortega weiter.

Zentrosom

Besonders überraschend für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler war die Position des Proteins – nämlich am Zentrosom, einem kleinen Organ im Zellinneren, das als Chefarchitekt für die Organisation des Zellskeletts und die Zellteilung zuständig ist. „Es zeigte sich, dass in der Erstveröffentlichung zu diesem Protein eine falsche Sequenz hinterlegt war“, berichtet Sven Falk. „Erst durch unsere Arbeit wurde nun klar: Akna sitzt direkt am Zentrosom.“ Die Forscher konnten zeigen, dass Akna von dort aus das Zellgerüst in Form sogenannter Mikrotubuli verankert. So kann es die Verbindungen zu den Nachbarzellen schwächen und eine Ablösung und Wanderung aus der Stammzellnische heraus fördern.

Weitere Forschung

„Unsere Versuche zeigen, dass diese Funktion auch von genereller Bedeutung für einen Prozess ist, den wir als EMT – epitheliale zu mesenchymale Transition** – bezeichnen“, erklärt Studienleiterin Magdalena Götz. „Hierbei lösen sich Zellen aus einem Verband, teilen sich vermehrt und beginnen zu wandern. Das kann sowohl im Guten geschehen – beispielsweise wenn Stammzellen auswandern, um neue Nervenzellen zu bilden – aber auch im Schlechten – etwa wenn Krebszellen den Tumor verlassen und anderswo im Körper Metastasen bilden. Daher scheint der von uns identifizierte Mechanismus über Akna eine zentrale Rolle bei verschiedensten medizinisch relevanten Prozessen zu spielen.“ Im nächsten Schritt wird das Forscherteam die Bedeutung von Akna in anderen Stammzellen und die Rolle innerhalb des Immunsystems untersuchen.

* Das Akna Protein ist ein „AT Hook Transcription Factor“. Ein Transkriptionsfaktor ist ein Protein, das an die DNA bindet und regulierend auf die Transkription eines oder mehrerer Gene einwirkt.
**Als Epithelial-mesenchymale Transition (EMT) bezeichnet man den Übergang von Epithelzellen (z.B. Haut, Drüsengewebe oder Schleimhaut) in Zellen mit mesenchymalen Eigenschaften. Das Mesenchym ist ein sich entwickelndes Gewebe, das ein hohe Teilungsrate aufweist.

Quelle: Helmholtz Zentrum München


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