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Medizin

16. Dezember 2020 Uro-Onkologie: Neuartige Kombination aus Immun- und Chemotherapie

Eine wirkungsvolle Erhaltungstherapie nach Platin-haltiger Chemotherapie beim fortgeschrittenen Urothelkarzinom wurde während des AIO-Herbstkongresses 2020 ebenso thematisiert wie die Überlegungen zur Behandlung eines fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms (RCC) in den Zeiten der Covid-19 Pandemie. Hierbei wurde die Wahrscheinlichkeit einer Kortisongabe in die differenzialtherapeutischen Überlegungen einbezogen.
PD Dr. med. Philipp Ivanyi, Hannover, stellte einen 74-jährigen Patienten mit lokal fortgeschrittenem nicht-klarzelligen RCC (cT1a, N2, M0) vor. Aufgrund eines schnellen Progresses und Inoperabilität wurde er sehr schnell als schlechtes Risiko, gemäß IMDC* eingestuft, und somit ein Kandidat für eine Systemtherapie. "In Zeiten von Sars-CoV-2 stellte sich die Frage, wie dieser Patient effektiv, aber auch sicher zu therapieren ist. Seine altersentsprechende Komorbidität spielte eine Rolle, wie ebenso die Frage, ob möglicherweise die RCC-Therapie das Risiko einer Infektion erhöht."

Dafür verglich – mit Vorbehalt – Ivanyi die Studienergebnisse der verschiedenen in Frage kommenden Kombinationen miteinander und konstatierte – cum grano salis – eine recht ähnliche Wirksamkeit und Verträglichkeit (1,2,3,4).

Eine wichtige Differenz war in diesem Kontext die Rate der Patienten, welche Steroide benötigten. Diese betrug in der JAVELIN lediglich 11%. „Daher haben wir uns für die Therapie mit Avelumab mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor Axitinib entschieden“, so Ivanyi.

Erhaltungstherapie mit PD-L1-Inhibitor beim mUC effektiv
Eine innovative Kombination einer Chemotherapie mit einer Immuntherapie mit dem PD-L1-Inhibitor Avelumab (Bavencio®) stellte Prof. Dr. med. Gunhild von Amsberg, UKE Hamburg, bei der Behandlung des fortgeschrittenen Urothelkarzinoms (mUC) vor. In der Erstlinie ist die Frage, so die Onkologin, ob die Patienten Cisplatin- oder zumindest Carboplatin-fähig sind. Ansonsten steht ihnen bei PD-L1-Positivität die Möglichkeit einer immunonkologischen Behandlung offen.

Vor diesem Hintergrund erörtete die Onkologin die neuesten Resultate der JAVELIN Bladder 100-Studie, in welcher Avelumab als Erhaltungstherapie nach einer respondierten Chemotherapie mit Cisplatin/Gemcitabin oder Carboplatin/Gemcitabin durchgeführt wurde. Das erfolgreiche Ansprechen auf die Chemotherapie konnte in einer kompletten oder partiellen Respons bestehen oder in einer Stabisilisierung der Erkrankung.

Sodann wurden die 700 Patienten auf Avelumab + Best supportive Care (BSC) oder BSC alleine randomisiert. Beim primären Endpunkt, dem medianen Gesamtüberleben (mOS), erreichte die Standardbehandlung mit BSC 14,3 Monate, eine „Zahl, die wir bereits aus der Studie mit Cisplatin/Gemcitabin kennen“, merkt die Onkologin an (5). Das mOS konnte durch die Erhaltung mit Avelumab auf 21,4 Monate signifikant erhöht werden (p<0,001) (6,7).

Da dieser Benefit in allen präspezifizierten Subgruppen beobachtet werden konnte, ohne Verlust an Lebensqualität durch die Gabe von Avelumab, "kann man allen Patienten diese Erhaltungstherapie anbieten, wenn sie unter der Chemotherapie eine zumindest stabile Erkrankung erreichen konnten", fasste von Amsberg zusammen.

*IMDC – International Metastatic Renal Cell Carcinoma Database Consortium





 

Reimund Freye

Quelle: Symposium "Checkpoint-Inhibition in der Uro-Onkologie: Update 2020",AIO-Kongress, 20.11.2020; Veranstalter: Merck Serono

Literatur:

(1) Motzer RJ. ESMO 2018 Congress, München, LBA6_PR
(2) Choueiri T et al., Ann Oncol 2020; 31(8):1030-39
(3) Plimak ER et al, J Clin Oncol 38: 2020 (suppl; abstr 5001)
(4) Tannir NM et al., Clin Oncol 2020; 38(suppl 6): Abstr 609
(5) von der Maase H et al., J Clin Oncol 2000; 18(17): 3068-77
(6) Powles T et al., ESMO 2020; Abstract No. 2653
(7) Powles T et al., N Engl J Med 2020; 383(13):1218-30


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