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Medizin

07. November 2019 Paradigmenwechsel in der AML

Mit dem Ziel der kompletten Remission wurde vor fast 50 Jahren das 3+7 Schema zur Standard-Induktionstherapie der AML und hat wegen der hohen Ansprechraten in den Leitlinien immer noch einen festen Platz. 2017 wurde mit Midostaurin der erste FLT3-Inhibitor zugelassen und läutete damit die Wende hin zu zielgerichteten Therapien ein. Während der DGHO-Tagung in Berlin diskutierten Experten darüber, wie sich die Landschaft der AML-Behandlung durch die Zytogenetik geändert hat und wie sich die Diagnostik ändern sollte.
Mehr als 50% aller AML-Patienten haben bei Erstdiagnose ≥1 therapeutisch adressierbare Genmutationen. Bei ca. 40% aller neu diagnostizierten AML-Patienten liegt eine FLT3-Mutation vor, die wiederum differenziert wird in ITD- und TKD-Mutationen. Bei ca. 14% der Patienten ist eine IDH2- und bei ca. 7% eine IDH-1-Mutation zu finden. Der Multikinase-Inhibitor Midostaurin hat in seiner Zulassungsstudie als Ergänzung zur Induktions- und Konsolidierungschemotherapie und als nachfolgende Erhaltungstherapie bei neu diagnostizierten Patienten mit FLT3-mutierter AML im Vergleich zu Placebo das ereignisfreie und das Gesamtüberleben signifikant verbessert. Von der FDA sind inzwischen mit Enasidenib und Ivosidenib auch zielgerichtete Wirkstoffe bei IDH2- bzw. IDH-1-Mutationen zuglassen. Auch von der FDA wurde Gilteritinib zur Behandlung von Patienten mit r/r AML mit FLT3-Mutionen als Monotherapie zugelassen. Gilteritinib ist ein Inhibitor der FLT3-internen Tandem-Duplikation (ITD) und der Tyrosinkinase-Domäne (TKD). Inzwischen werden die zytogenetischen Mutationen in wachsendem Ausmaß genutzt zur AML-Klassifikation (WHO 2016)  und zur Risiko-Stratifizierung (ELN 2017)  und helfen somit, Therapieentscheidungen zu treffen.

AML-Diagnostik: Heute und Morgen

Bei ca. 25% der AML-Patienten ändert sich der Mutationsstatus während einer zielgerichteten Therapie. Das heißt, sie akquirieren oder verlieren im Rezidiv ein therapeutisch adressbierbares Target. Deshalb sollten sie auch im Rezidiv einer umfassenden molekulargenetischen Diagnostik unterzogen werden, was Hinweise auf eine Therapieänderung geben könnte. Außerdem ist inzwischen bei intensiv therapierten Patienten ein MRD-Monitoring zum Standard geworden. MRD-adaptierte Therapien könnten irgendwann zum Standard werden.

Quelle: Astellas Industriesymposium, DGHO 2019, 11.10.2019, Berlin


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