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Medizin
05. Juli 2013

DEGRO 2013: Aktuelle Entwicklungen zu Cetuximab in der Therapie von Kopf-Hals-Tumoren

Kopf-Hals-Tumoren (Squamous Cell Carcinoma of the Head and Neck, SCCHN) sind derzeit die weltweit sechsthäufigste Krebsart - mit steigender Inzidenz. Umso dringlicher ist es, die Prognose der Patienten durch eine möglichst frühe Diagnose und die Optimierung der Therapieoptionen weiter zu verbessern. Auf einem Symposium im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) unter der Leitung von Professor Petra Feyer, Berlin, und Prof. Jürgen Debus, Heidelberg, stellten Experten in diesem Zusammenhang aktuelle Studien zur Verträglichkeit und Wirksamkeit von Therapieregimen mit dem EGFR-Inhibitor Cetuximab (Erbitux®) vor.

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Prof. Jürgen Debus, Heidelberg, zufolge erkranken jährlich weltweit rund 635.000 Menschen an Karzinomen von Mundhöhle, Rachen oder Kehlkopf. Allein in Deutschland treten pro Jahr bis zu 16.000 neue Fälle auf, wobei die Inzidenz insbesondere bei Frauen weiter ansteigt. "Da es bei rund 50% der Patienten im Laufe der Behandlung zu einem Rezidiv oder einer Metastasierung kommt, ist der Bedarf an wirksameren Therapieoptionen sehr hoch", erläuterte Debus. Derzeit betrage das 5-Jahres-Überleben bei lokal fortgeschrittenen Tumoren immer noch unter 50%, während das mediane Gesamtüberleben bei einer rezidivierten oder metastasierten Erkrankung ohne den Einsatz zielgerichteter Therapien sogar nur zwischen drei und sieben Monaten liege.

Europäische Awareness Week soll Aufklärung über Erkrankung fördern

Wesentlich für die Verbesserung dieser Situation sei eine umfassende Aufklärung über die Ursachen und Symptome von Kopf-Hals-Tumoren, so dass künftig eine frühere Diagnose und Behandlung möglich würden, bemerkte Debus. In der Bevölkerung sei es z. B. kaum bekannt, dass neben Rauchen und Alkohol auch Viren, unzureichende Mundhygiene oder schlecht sitzende Zahnprothesen das Risiko für eine solche  Erkrankung erhöhen. "Um die Aufklärung über Kopf-Hals-Tumoren zu verbessern und über Diagnose und Therapieoptionen zu informieren, führt die European Head and Neck Society (EHNS, Europäische Kopf-Hals-Gesellschaft) daher vom 23. bis 27. September erstmals eine europaweite Awareness Week in Zusammenarbeit mit den Landesorganisationen, Ärzten und Selbsthilfegruppen durch", so Debus.

Welche Therapie beim lokal fortgeschrittenen SCCHN?

Gegenwärtige nicht-chirurgische Erstlinienstandards bei lokal fortgeschrittener Erkrankung sind die Radiochemotherapie (RCT) und die Radioimmuntherapie - eine Bestrahlung in Kombination mit Cetuximab. Debus betonte, dass zurzeit keine direkten Vergleichsstudien zur Wirksamkeit und Verträglichkeit beider Regime vorliegen, was die Entscheidung für oder gegen eine dieser Optionen erschwere. Hinsichtlich der Wirksamkeit weise eine 2011 von Levy et al. durchgeführte Analyse jedoch indirekt darauf hin, dass sich beide Standardregime in diesem Punkt nicht unterscheiden (1). "Bei vergleichbarer Effizienz wie die RCT, ist die Kombination aus Radiatio und Cetuximab jedoch durch eine bessere Verträglichkeit gekennzeichnet, die mit einer höheren Compliance einhergeht", erläuterte Debus.

Eine wesentliche Nebenwirkung der Radiotherapie mit Cetuximab sind Hauttoxizitäten wie radiogene Dermatitis und akneiformes Exanthem. In der derzeit laufenden Phase-IV-Studie HICARE werden Inzidenz und Ausprägung dieser Hautreaktionen im klinischen Alltag untersucht und mit denen aus bisherigen klinischen Studien verglichen. Insgesamt sollen in diese von Prof. Debus geleitete nationale multizentrische Studie 500 Patienten mit lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren eingeschlossen werden, die Cetuximab in Kombination mit einer Strahlentherapie erhalten (2).

Cetuximab als Therapiestandard beim rezidivierten/metastasierten SCCHN

Standard in der Erstlinie bei Patienten mit rezidivierten/metastasierten SCCHN ist die Kombination von Cetuximab mit einer platinbasierten Chemotherapie, wobei die Gabe des Antikörpers als Erhaltungstherapie bis zum Progress durchgeführt wird. Wie Prof. Ulrich Keilholz, Berlin, ausführte, ermöglichte dieses Regime gegenüber der reinen Chemotherapie erstmals seit 30 Jahren eine signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens, ohne zusätzlich die Lebensqualität zu beeinträchtigen (3,4). Im Vergleich zu einer platinbasierten Chemotherapie verbessert sich unter der Kombination zudem die Symptomkontrolle (4), z. B. im Hinblick auf Schmerzen oder Beschwerden beim Essen oder Sprechen", erläuterte Keilholz.

Ob das bestehende Cetuximab-Regime noch weiter bezüglich seiner Wirksamkeit optimiert werden kann, wird gegenwärtig in der multizentrischen Phase-II-Studie CEFCID untersucht. In die Studie sollen insgesamt 180 Patienten mit rezidiviertem/metastasiertem SCCHN eingeschlossen werden (5). CEFCID vergleicht das in der Zulassungsstudie (3) verabreichte Schema aus Cetuximab, Cisplatin, 5-FU und anschließender Cetuximab-Erhaltungstherapie mit einem Regime aus Cetuximab, Docetaxel, Cisplatin, 5-FU, wobei Cetuximab ebenfalls bis zum Progress gegeben wird. Die Rekrutierung für diese Studie soll im Jahr 2013 abgeschlossen sein.

Management kutaner Nebenwirkungen - mit einfachen Maßnahmen viel erreichen

Dr. Karin Potthoff, Heidelberg, betonte die Relevanz eines adäquaten Nebenwirkungsmanagements - prophylaktisch und reaktiv - beim Einsatz Anti-EGFR-basierter Therapien, um die Lebensqualität und die Compliance der Patienten zu erhalten. Hauptnebenwirkung einer solchen Behandlung ist in den ersten drei Wochen ein akneiformes Hautexanthem, das bei bis zu 87% der Patienten auftreten kann (6). In der Folgezeit entwickeln die Betroffenen eine trockene, empfindliche Haut sowie Rhagaden und Nagelbettentzündungen. Eine Nichtbehandlung der Hautreaktionen könne zu Superinfektionen bis hin zur Sepsis führen (7).

Potthoff erläuterte, dass zur Prophylaxe die Gabe eines Tetrazyklin-Antibiotikums über 6-8 Wochen erwogen werden solle. "Außerdem zu beachten sind prophylaktische Basismaßnahmen wie die Verwendung seifenfreier, pH-neutraler Bade- und Duschöle sowie ein ausreichender Sonnenschutz", so Potthoff. Sollte doch ein akneiformes Exanthem aufgetreten sein, wird aktuell die topische Behandlung mit einem Antibiotikum wie z. B. Nadifloxacin empfohlen. Bei einer weiteren Verschlimmerung des akneiformen Exanthems kann zusätzlich die Behandlung mit einer Hydrocortison-Creme wie z. B. Prednicarbat erwogen werden. Eine weitere individuell mögliche Option zur Prophylaxe, aber auch zur Behandlung der Hautreaktionen, sei die topische Gabe von Vitamin-K1-Creme, die die EGFR-Blockade in den humanen Keratinozyten antagonisiere. Zur begleitenden Behandlung der späteren Nebenwirkungen wie trockener Haut und Pruritus eignen sich Potthoff zufolge Duschöle, harnstoffhaltige Hautlotionen sowie rückfettende Cremes (7). "Mit wenigen einfachen Maßnahmen kann man somit sehr viel beim Nebenwirkungsmanagement von Anti-EGFR-Therapien wie Cetuximab erreichen und so die Patientenzufriedenheit und Compliance deutlich fördern", fasste Potthoff zusammen.

Literaturhinweis:
(1) Levy A. R. et al. CMRO 2011; 27(12): 1-7
(2) http://clinicaltrials.gov/show/NCT01553032
(3) Vermorken J.B. et al. N Engl J Med 2008; 359: 1116-1127
(4) Mesia R. et al. Ann Oncol 2010; 21(10): 1967-1973
(5) https://www.clinicaltrialsregister.eu/ctr-search/search?query=eudract_number:2008-006923-30
(6) Bonner J. A. et al. N Engl J Med 2006; 354: 567-78
(7) Potthoff K. et al. Arzneimitteltherapie 2010; 28: 191-8

Quelle: Merck Serono


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