Donnerstag, 13. August 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

Medizin

20. Februar 2020 Personalisierte Krebstherapie: Virtuelle Realität und intelligente Sprachassistenten

Vernetzte Therapieinformationen in der virtuellen Realität und intelligente Sprachassistenten während der medizinischen Beratung – das ist keine ferne Science-Fiction, sondern soll in den nächsten 3 Jahren Realität werden. In dem Forschungsprojekt „Modelle für die personalisierte Medizin“ wollen Wissenschaftler des Innovationszentrums für Computerassistierte Chirurgie (ICCAS) diese Ideen in anwendungsnahe Lösungen für die Unterstützung der onkologischen Patientenbehandlung umsetzen. Mit einer Gesamtförderung von rund 5,1 Millionen Euro wird es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.
Die Vision der Leipziger Forscher: Wenn der Patient ins Krankenhaus kommt, ist sein „digitaler Zwilling“ bereits vor Ort. Er stellt alle bisherigen Untersuchungsergebnisse, radiologischen Bilder, Informationen über Vorerkrankungen und Operationen sowie molekulargenetischen Daten bereit, so dass sich der Arzt sofort ein vollständiges Bild des Krankheitsverlaufs machen kann. Während der Diagnostik und Therapie werden die Informationen dieses Datenzwillings mit digitalen Modellen des Krankheitsbildes verglichen, die mit den relevanten Studien und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen optimiert wurden.

Personalisierte Onkologie

So unterstützt zukünftig der Computer Ärzte bei personalisierten Therapieempfehlungen für Krebspatienten. „Die Entscheidung über eine Behandlung wird natürlich weiterhin von Patienten und Ärzten gemeinsam getroffen, aber mit dem digitalen Zwilling können wir den Arzt bestmöglich unterstützen. Damit ist er auf dem neuesten Stand der Wissenschaft. Nun wollen wir Wege finden, diese und andere Technologien im Bereich der personalisierten Krebsmedizin direkt in den klinischen Alltag zu integrieren“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Thomas Neumuth vom ICCAS.

Digitale Patientenzwillinge in der Sprechstunde

Um neue Lösungen zu finden, hat ICCAS nun zusammen mit regionalen Unternehmen das Forschungsprojekt „Modelle für die personalisierte Medizin (MPM)“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, die wissenschaftliche und methodische Grundlage für zukünftige personalisierte und durch künstliche Intelligenz unterstützte Krebsbehandlungen zu schaffen. In mehreren Pilotanwendungen werden verschiedene Technologien entworfen: Ein Patientendaten-Explorer, der die verschiedenen Daten eines Patienten aus radiologischen Bildern und Befundtexten über Webtechnologien verknüpft, die Integration molekulargenetischer Tumorinformationen in die Entscheidungsfindung oder die Berechnung patientenspezifischer Therapieprofile für chirurgische Eingriffe und Radio-Chemo-Therapien. Dabei müssen verschiedenste Informationen im digitalen Zwilling des Patienten direkt miteinander verknüpft und durch eine künstliche Intelligenz analysiert werden. „Für unsere tägliche Arbeit wäre dies eine große Unterstützung“, sagt Prof. Dr. Florian Lordick, Direktor des Universitätskrebszentrums Leipzig (UCCL).

Intelligentes Tumorboard

Eine weitere informationstechnische Anwendung wird ein intelligentes Tumorboard unterstützen: Dabei kommen Ärzte verschiedener Fachrichtungen zusammen, um den konkreten Fall eines Patienten zu besprechen. „Wir haben einen technologischen Stand erreicht, bei dem ein Arzt nicht mehr alle Schritte und Therapieentscheidungen selbst am Computer eingeben muss. Sprachassistenten verfolgen die Diskussion in der onkologischen Beratung und unterstützen automatisch die Entscheidungsfindung“, erklärt der Informatiker Dr. Stefan Franke vom ICCAS.

Elektronische Patientenakte als Grundlage für personalisierte Medizin

Eine einfache Form des „digitalen Zwillings“, den das Forschungsprojekt wissenschaftlich weiterentwickeln will, ist die elektronische Patientenakte. Sie fasst Befunde und Dokumente eines Patienten in digitaler Form zusammen. „Das ist der Übergang von der analogen in die digitale Welt“, sagt Prof. Neumuth. Die Daten in der Patientenakte sind bisher jedoch noch nicht entsprechend ihrer Bedeutung miteinander verknüpft, so dass beispielsweise patientenindividuelle Analysen noch nicht vollumfänglich durch eine KI unterstützt werden können. „Eine individuell auf mich zugeschnittene Therapie nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, die meine Situation und meine persönlichen Bedürfnisse berücksichtigt und mir gleichzeitig transparent und verständlich erklärt wird, ist das, was ich mir und meinen Angehörigen wünsche“, sagt der Experte.

Quelle: Universität Leipzig


Anzeige:

Das könnte Sie auch interessieren

José Carreras Leukämie-Stiftung lobt Best Paper Award 2018

José Carreras Leukämie-Stiftung lobt Best Paper Award 2018
© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

„Nur über medizinische Forschung wird es uns gelingen, Leukämie und andere bösartige Blut- oder Knochenmarkserkrankungen bei jedem und immer heilbar zu machen. Nach 2016 und 2017 zeichnet die José Carreras Leukämie-Stiftung deshalb auch in diesem Jahr wieder herausragende wissenschaftliche Arbeiten aus. Dotiert ist der 3. Best Paper Award mit 10.000 Euro, über die der Preisträger für seine weitere wissenschaftliche Arbeit frei verfügen kann“,...

Diagnose Krebs: Wer hilft bei hoher psychischer Belastung?

Diagnose Krebs: Wer hilft bei hoher psychischer Belastung?
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

„Sie haben Krebs“ – kaum ein Betroffener wird diesen Satz je vergessen. Von jetzt auf gleich gerät das Leben aus den Fugen. Fragen, Ängste, Traurigkeit, Wut – alles wirbelt durcheinander. Auch die Zeit der Behandlung bis hin zur Nachsorge bringt Belastungen mit sich, die Betroffene an ihre Grenzen bringen können. Nimmt die psychische Belastung überhand oder dauert sie lange an, kann psychotherapeutische Hilfe sinnvoll sein. Der...

Helfen und sich helfen lassen - neues Informationsblatt vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsfoschungszentrums

Helfen und sich helfen lassen - neues Informationsblatt vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsfoschungszentrums
Alexander Raths / Fotolia.com

Die Diagnose Krebs ist für die meisten Menschen ein Schock. Das gilt auch für Partner, Familienangehörige und Freunde von Krebspatienten. Neben der Sorge und dem Impuls, den anderen zu unterstützen, fühlen sich viele in dieser Situation zunächst unsicher und überfordert. Die Angst, im Miteinander etwas falsch zu machen, ist groß. Zur Unterstützung von Angehörigen und Freunden hat der Krebsinformationsdienst des Deutschen...

Motivationsprogramm für mehr Bewegung bei Krebs

Motivationsprogramm für mehr Bewegung bei Krebs
© Kzenon / Fotolia.com

Körperliche Aktivität hat während und nach einer Krebserkrankung viele positive Effekte auf Körper und Psyche. Betroffenen fällt es aber oft schwer, dauerhaft mehr Bewegung und Sport in ihren Alltag zu integrieren. Sportwissenschaftler, Psychologen und Physiotherapeuten am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Dresden und Heidelberg haben daher ein spezielles Motivationsprogramm entwickelt, das sich als zentraler Baustein in Sport- und...

Filmstar unterstützt Patienten mit seltener Blutkrankheit in Regensburg

Filmstar unterstützt Patienten mit seltener Blutkrankheit in Regensburg
© UKR / Marion Schweiger

Der mehrfach preisgekrönte Schauspieler Adnan Maral, bekannt aus „Türkisch für Anfänger“, setzt sich als Schirmherr der Interessengemeinschaft „Sichelzellanämie“ für Patienten mit einer in Deutschland seltenen Bluterkrankung ein. Am vergangen Samstag war er auf dem „Patiententreffen Sichelzellerkrankungen“ in Regensburg vor Ort. Veranstalter war die Abteilung für Pädiatrische Hämatologie, Onkologie und...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Personalisierte Krebstherapie: Virtuelle Realität und intelligente Sprachassistenten"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO20 Virtual
  • Immuntherapie mit Pembrolizumab setzt sich bei verschiedenen onkologischen Indikationen weiter durch
  • mSCLC: Patienten profitieren bereits in der Erstlinie von der Ergänzung der Chemotherapie mit Pembrolizumab
  • mRCC-Erstlinientherapie: Kombination Pembrolizumab + Axitinib toppt Sunitinib auch im Langzeitverlauf
  • mRCC: Pembrolizumab + Lenvatinib zeigen vielversprechende Anti-Tumoraktivität nach Versagen einer Checkpoint-Inhibition
  • KEYNOTE-054-Studie: Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verbessert beim Melanom auch im verlängerten Follow-up das RFS
  • MSI-H CRC: Pembrolizumab verdoppelt PFS im Vergleich zur Chemotherapie
  • Rezidiviertes Ovarialkarzinom: Trend zu besserem Ansprechen auf Pembrolizumab-Monotherapie bei höherer PD-L1-Expression
  • r/r cHL: Pembrolizumab auf dem Weg zum Therapiestandard nach autoSCT sowie für Patienten, die keine autoSCT erhalten können
  • mCRPC: Pembrolizumab in Kombination mit Enzalutamid nach Enzalutamid-Resistenz wirksam und sicher
  • r/m HNSCC: Erstlinienbehandlung mit Pembrolizumab mono und in Kombination mit Platin-basierter Chemotherapie verlängert PFS2

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden