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Medizin

30. Mai 2020 Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Vielversprechende Ergebnisse einer frühen Therapie mit Lenvatinib + Pembrolizumab

Die unverblindete Phase-Ib/II-Studie KEYNOTE-146 untersucht die Kombination des Multikinase-Inhibitors Lenvatinib und des PD-1-Inhibitors Pembrolizumab (KEYTRUDA®) bei verschiedenen soliden Tumoren. Nachdem die Kombination beim fortgeschrittenen Endometriumkarzinom eine substantielle und dauerhafte Antitumor-Aktivität unabhängig vom Status der Mikrosatelliteninstabilität (MSI) gezeigt hatte (1), wurden zum diesjährigen virtuellen Kongress der ASCO (ASCO20 Virtual) ermutigende Daten einer Post-hoc-Analyse präsentiert (2). Darin waren vorbehandelte Patientinnen mit fortgeschrittenem Endometriumkarzinom ohne ausgeprägte MSI (non-MSI-H) bzw. ohne defiziente Mismatch-Reparatur (non-dMMR) untersucht worden, die Lenvatinib + Pembrolizumab als frühe Therapielinie erhalten hatten. Die Ergebnisse waren so positiv, dass nun eine Phase-III-Studie die chemotherapiefreie Kombination als Erstlinientherapie beim fortgeschrittenen Endometriumkarzinom untersuchen wird.
Die Patientinnen wurden für die Post-hoc-Analyse in 2 Subgruppen unterteilt. Patientinnen in der Subgruppe 1 (n=63) hatten vorher nur maximal eine Chemotherapielinie erhalten, unabhängig von Erkrankungs- und Therapiestadium, sodass in dieser Subgruppe eine adjuvante Chemotherapie bei lokal begrenzter Erkrankung oder eine Chemotherapie im metastasierten Stadium erlaubt waren. Patientinnen in Gruppe 2 (n=21) wiesen eine lokal begrenzte Erkrankung auf und hatten die eine erlaubte Chemotherapielinie als adjuvante Therapie erhalten. Das Ansprechen auf die Behandlung wurde nach RECIST 1.1-Kriterien in einem unabhängigen Review auf Bildgebungsbasis ermittelt.
 
Wie Dr. Vicky Makker, New York, NY, USA, und Kollegen in einer Poster-Session beim ASCO20 Virtual berichteten, betrug die objektive Ansprechrate (ORR) in Gruppe 1 41,3%, in Gruppe 2 lag sie bei 57,1%. Während in Subgruppe 1 12,7% der Frauen komplett auf die Kombination aus Lenvatinib und Pembrolizumab ansprachen, waren es in der kleineren Subgruppe 2 mit 23,8% fast doppelt so viele. Partielle Remissionen erzielten 28,6% der Frauen in Subgruppe 1 und 33,3% der Patientinnen in Subgruppe 2. Das Ansprechen erwies sich als unabhängig vom histologischen Subtyp des Tumors sowie vom PD-L1-Expressionsstatus und die mediane Dauer des Ansprechens war in beiden Subgruppen noch nicht erreicht. Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) betrug in Subgruppe 1 7,5 Monate, in Subgruppe 2 8,3 Monate. Das mediane Gesamtüberleben (OS) lag in Subgruppe 1 bei 18,3 Monaten und war in Subgruppe 2 ebenfalls noch nicht erreicht. Die Ergebnisse zur Wirksamkeit waren konsistent mit den Daten aller Patientinnen der Studie mit non-MSI-H/non-dMMR (Gesamtpopulation; n=94).

Die Nebenwirkungen des Regimes waren nicht unerheblich – mit 84,1% ≥ Grad-3-Nebenwirkungen in Subgruppe 1. Die häufigsten Nebenwirkungen aller Grade waren Hypertonie (69,8%) und Diarrhoe (65,1%). Bei 74,6% der Patientinnen in Gruppe 1 waren Dosisunterbrechungen nötig (bei einer oder beiden Substanzen), bei 68,3% der Patientinnen musste die Dosis von Lenvatinib reduziert werden. Die Therapieabbruchrate (bezüglich einer oder beider Substanzen) aufgrund von Nebenwirkungen lag bei 27%. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten bei 52,1% der Patienten auf, an deren Folgen 3 der Frauen verstarben. Für Subgruppe 2 waren die Ergebnisse ähnlich wie in Subgruppe 1 und alle Daten zur Sicherheit/Verträglichkeit der Medikation waren konsistent mit den Ergebnissen der Gesamtpopulation.
 
Aufgrund der vielversprechenden Wirksamkeit des chemotherapiefreien Regimes als frühe Therapie bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Endometriumkarzinom ohne MSI-H/dMMR und der Tatsache, dass keine neuen Sicherheitssignale aufgetreten waren, wurde nun eine Phase-III-Studie aufgelegt. Sie vergleicht Lenvatinib + Pembrolizumab mit einer Chemotherapiekombination aus Paclitaxel + Carboplatin als Erstlinientherapie beim fortgeschrittenen oder rezidivierten Endometriumkarzinom.

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Quelle: ASCO20 Virtual

Literatur:

(1) Makker V et al. ESMO 2019; Abstract 4101, Oral Presentation 994O.
(2) Makker V et al. Lenvatinib (LEN) plus pembrolizumab (PEMBRO) for early-line treatment of advanced/recurrent endometrial cancer (EC). ASCO20 Virtual, Abstract 6083 und Poster.


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