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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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14. Juni 2018

Trastuzumab-Biosimilar beim HER2-positiven Mamma- und Magenkarzinom

Mit dem Trastuzumab-Biosimilar Herzuma® wurde am 2. Mai 2018 das erste Biosimilar für die Behandlung von Patienten mit HER2-positivem frühen oder metastasiertem Mammakarzinom sowie HER2-positivem metastasierten Magenkarzinom in Deutschland eingeführt (1,2). Somit steht eine therapeutisch gleichwertige, wirtschaftliche Alternative zum Originalpräparat zur Verfügung (3,4). „Ich freue mich für unsere Patientinnen mit HER2-positivem Mammakarzinom, dass nun eine weitere Therapieoption zur Verfügung steht“, betonte Prof. Michael Untch, Berlin, im Rahmen der Einführungspressekonferenz für Herzuma® Mitte Mai in Berlin. „Dass zudem unser Budget entlastet wird, eröffnet uns weitere Freiräume in der Therapie“. Untch und die anderen anwesenden Experten sprachen sich einhellig dafür aus, biosimilare Trastuzumab-Antikörper im klinischen Alltag einzusetzen.
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Biosimilare Antikörper, die von der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA (European Medicines Agency) zugelassen wurden (5,6), sind als wirtschaftliche und therapeutisch gleichwertige Option etabliert und finden immer schneller Eingang in die Versorgung von Tumorpatienten (7). Mit dem Ablauf des Patentschutzes für Original-Biologika können Biosimilars dazu beitragen, den Zugang zu biologischen Arzneimitteln zu erweitern und – speziell in der Onkologie – Einsparungen und Effizienzsteigerungen im Gesundheitssystem ermöglichen (8,9). „Sparen ist hier nicht negativ zu sehen, sondern es bedeutet, Geld zu haben für andere Dinge“, erklärte Dr. Jörg Schilling, Gynäkologe mit onkologischer Schwerpunktpraxis, Berlin. Die finanziellen Spielräume könnten beispielsweise für die Versorgung von Patienten mit innovativen Behandlungsverfahren genutzt werden (8).

„Man muss umdenken lernen“

Wie Frau Prof. Diana Lüftner, Berlin, erklärte, erfordert der EMA-Zulassungsprozess eines Biosimilars von Medizinern ein Umdenken, da das Paradigma, umfangreiche Phase-III-Studien seien das entscheidende Kriterium für die Zulassung eines Arzneimittels, bei Biosimilars keine Gültigkeit hat. Stattdessen liegt der Hauptaufwand bei der Biosimilars-Entwicklung in der analytischen und funktionellen Testung, um Ähnlichkeit zwischen Original und Nachfolgeprodukt auf molekularer Ebene nachzuweisen. Klinische Phase-III-Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit müssen zwar in mindestens einer besonders sensitiven Indikation erhoben werden, dienen aber eher der Bestätigung aus Präklinik- und Phase-I-Studiendaten. Lüftner: „Ich musste hier selbst eine Lernkurve durchlaufen, bin aber jetzt von dem Prozess total überzeugt“.

Dass biosimilare Antikörper im klinischen Alltag eingesetzt werden, erläuterte Lüftner an einem Beispiel aus ihrem Umfeld: An der Berliner Charité haben sich alle 3 Campi darauf geeinigt, neu diagnostizierte onkologische Patienten auf zugelassene Biosimilars einzustellen. Nationale und internationale onkologische Fachgesellschaften wie die European Society for Medical Oncology (ESMO) (9) und die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) (10) sprechen sich ebenfalls für den Einsatz von Biosimilars aus (9,10).

Klinische Studiendaten belegen Vergleichbarkeit von Biosimilar und Original

Die Bedeutung von Trastuzumab für Frauen mit HER2-positivem Mammakarzinom könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, betonte Prof. Michael Untch, Berlin. Bis Mitte der 1990-er Jahre sei die Diagnose eines HER2-positiven Mammakarzinoms für die Patientinnen „eine katastrophale Nachricht“ gewesen. Erst später wurde mit dem monoklonalen Antikörper Trastuzumab eine spezifische Therapie entwickelt, die die Prognose der Frauen erheblich verbesserte (3,11). Untch stellte in Berlin die Daten zweier klinischer Studien zu Herzuma® vor, die belegen, dass der biosimilare Antikörper dem Referenz-Trastuzumab (US Herceptin® i.v.) (12) nicht nur in puncto Pharmakokinetik und Pharmakodynamik äquivalent ist (13), sondern auch eine vergleichbare Wirksamkeit und Sicherheit aufweist (14).

Eine randomisierte, doppelblinde Phase-III-Studie evaluierte die Äquivalenz zwischen Herzuma® und Referenz-Trastuzumab in der (neo)adjuvanten Behandlung von Patientinnen mit HER2-positivem frühem Brustkrebs hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit (14). Primärer Endpunkt war die Rate der pathologischen Komplettremissionen (pCR; ypT0, ypN0) in der Per-Protocol-Population auf Basis eines zentralen Reviews (14). 549 unbehandelte Patientinnen mit operablem HER2-positivem Mammakarzinom (Stadium I-IIIa) erhielten randomisiert (1:1) neoadjuvant entweder je 8 Zyklen Herzuma® oder Referenz-Trastuzumab i.v., beide in Kombination mit einer Standard-Chemotherapie. Nach der chirurgischen Intervention mit Bestimmung der pCR folgte eine adjuvante Behandlung mit den jeweiligen Antikörpern über bis zu 10 weitere Zyklen.

Wie Untch berichtete, erreichte ein vergleichbarer Anteil der Patientinnen unter beiden Medikationen eine pCR: 46,8% (95%-KI: 40,4-53,2) unter Herzuma® und 50,4% (95%-KI: 44,1-56,7) unter der Referenz. Die Differenz zwischen beiden Behandlungsarmen lag innerhalb des vordefinierten Äquivalenzbereichs (14). „Damit war das Studienziel erreicht“, betonte Untch. Zudem wurden keine relevanten Unterschiede zwischen den beiden Antikörpern bei Frauen mit positivem oder negativem Hormonrezeptorstatus beobachtet. Die ORR war ebenfalls in beiden Behandlungsgruppen vergleichbar, ebenso das Sicherheitsprofil. Laut Untch war auch die Kardiotoxizität beider Behandlungsregime gleichermaßen gering.

Kosteneinsparungen möglich

Die Gesundheitskosten steigen mit dem zunehmenden Einsatz kostenintensiver Biopharmazeutika, so Dr. Jörg Schilling. Die Onkologie dominiere dabei den Gesamtwachstumsmarkt bei Biologika. In Deutschland seien die Ausgaben für Krebsmedikamente von 2011 bis 2015 um 41% gestiegen (15). Durch die Einführung von Biosimilars werde nun ein Preiswettbewerb ausgelöst, der nachhaltig die Finanzierbarkeit der Patientenversorgung mit modernen und hochwirksamen Medikamenten ermögliche. „Bisher bekommt in Deutschland jeder Patient die empfohlene Therapie. Das ist ein wertvolles Gut, das für die Patienten erhalten werden sollte.“ Der Einsatz von Biosimilars könne helfen, dieses Ziel zu erreichen.

Insgesamt waren sich die Experten in Berlin einig, dass die stringente Biosimilar-Zulassung durch die EMA die Sicherheit bietet, Patienten ohne Qualitätseinbußen mit einem gleichwertigen Produkt zu behandeln. Dies gelte für alle Indikationen, in denen auch das Originalprodukt zugelassen ist. Durch den Einsatz von Biosimilars wie Herzuma® und den dadurch ausgelösten Wettbewerb eröffneten sich gerade in der Onkologie erhebliche Einsparpotenziale, die an anderer Stelle für Innovationen eingesetzt werden können, so das Fazit der Experten.
Quelle: Mundipharma
Literatur:
(1) Fachinformation Herzuma®, Stand März 2018
(2) Bezogen auf die Vergleichbarkeit bzgl. Sicherheit, Wirksamkeit und Pharmakologie zum Original-Trastuzumab, EPAR Assessment Report: Herzuma®, EMA/44005/2018,
http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/EPAR_-_Public_assessment_report/human/002575/WC500249108.pdf, abgerufen am 22.05.2018
(3) Fachinformation Herceptin® i.v., Stand April 2018.
(4) Lauertaxe Taxe-VK, Stand 02.05.2018
(5) Lipp HP. Kompendium Biosimilars 2016;1:33-39
(6) Ludwig WD, Dicheva S: Kompendium Biosimilars 2017;2:7-12.
(7) Arbeitsgemeinschaft Pro Biosimilars; http://probiosimilars.de/img_upload/2018/03/ProBio-GdM-Februar-2018-RZ02.jpg, abgerufen am 22.05.2018
(8) Flume M. Vortrag beim Mundipharma-Satellitensymposium anlässlich des 33. Deutschen Krebskongresses 2018, Februar 2018 in Berlin
(9) Tabernero J et al. ESMO Open 2016; 1:e000142
(10) Positionspapier „Biosimilars von monoklonalen Antikörpern in der Medizinischen Onkologie“ der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO). Abrufbar unter: https://www.dgho.de/aktuelles/news/newsarchiv/2017/dgho-positionspapier-zu-biosimilars, abgerufen am 22.05.2018
(11) Cortazar P et al. Lancet. 2014;384(9938):164-72.
(12) Herceptin® i.v., Prescribing information. Abrufbar unter: https://www.gene.com/download/pdf/herceptin_prescribing.pdf, abgerufen am 22.05.2018
(13) Esteva FJ et al. Cancer Chemother Pharmacol. 2018 Mar;81(3):505-514
(14) Stebbing J et al. Lancet Oncol. 2017;18(7):917-92
(15) Barmer Arzneimittelreport 2017. https://www.barmer.de/blob/121870/5de7f930ec629f1da7e611d561ccf46a/data/dl-grafik1.jpg, abgerufen am 22.05.2018
 
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