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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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08. Dezember 2017 Seite 1/2

Komplementärmedizin mit Fokus auf Mistel- und Selen-Therapie

S. Wagner, Gynäko-Onkologische Schwerpunktpraxis Saarbrücken.

Komplementärmedizinische Maßnahmen wecken bei onkologischen Patienten ein zunehmendes Interesse und werden vermehrt auch in onkologischen Praxen und Fachabteilungen nachgefragt. Es stellt sich in der täglichen Praxis die Frage, ob und wie der Onkologe seine Patienten dazu berät. Genügt es, den Krankheitsprozess leitliniengerecht zu kontrollieren und zu supprimieren und bei Bedarf supportmedizinisch und psychoonkologisch zu unterstützen? Vieles spricht dafür, darüber hinaus auch komplementärmedizinische Optionen anzusprechen, diese zu bewerten und schließlich konkrete Empfehlungen auszusprechen, worauf in diesem Artikel konkreter eingegangen werden soll.
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Die komplementäre oder integrative Medizin bietet die Chance, die Qualität der onkologischen Behandlung zu erhöhen, was erfahrungsgemäß die Compliance und Krankheitsbewältigung fördert, die therapeutische Beziehung stärkt und positive Effekte auf die Therapieadhärenz gegenüber der onkologischen Kerntherapie hat.

In der Onkologie werden komplementäre Methoden vor allem zur Linderung Tumor-assoziierter Symptome und zur Reduktion von Nebenwirkungen onkologischer Therapien wie Fatigue, Übelkeit, Hitzewallungen, Arthralgien oder depressiver Verstimmung eingesetzt.

Das Spektrum reicht von Phytotherapeutika und Nahrungsergänzungsmitteln bis zu entspannungs- und bewegungsorientierten Verfahren. Alle therapeutischen Maßnahmen, vor allem sportliche Aktivität, aber auch klassische und Körper-basierte Entspannungstechniken aus dem Bereich der Body-Mind-Medizin, z.B. Meditation und Yoga, sollen die erkrankungsbedingte Stressbelastung verringern. Daten zeigen, dass anhaltende Stressoren und die Dauerstimulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse Tumor-fördernde Effekte haben, die es zu vermeiden gilt (1).

Wichtig bei der Auswahl komplementärmedizinischer Verfahren ist die Abgrenzung zu offensichtlich sinnlosen, kostspieligen und nicht selten schädlichen Therapie-Angeboten aus dem Bereich der Alternativmedizin mit falschen Heilsversprechen. Auch wenn erstere den hohen Evidenzgrad der konventionellen leitliniengerechten Onkologie nicht erreichen können (hoher kostspieliger Aufwand aus Grundlagenforschung und klinischen Studien), kann mittlerweile auf zahlreiche sinnvolle validierte Methoden verwiesen werden.

Um interessierten Onkologen den Einstieg in die Thematik zu erleichtern, werden im folgenden 2 der geläufigsten komplementären Therapieoptionen vorgestellt.


Mistel-Therapie

Die Mistel (Viscum album) wird seit 100 Jahren in der Onkologie angewendet. Sie ist im deutschen Sprachraum weit verbreitet und entstammt ursprünglich der anthroposophischen Medizin. Als wissenschaftlich fundiert gelten die vielfachen positiven Auswirkungen auf die Lebensqualität. So konnten in zahlreichen Studien positive Auswirkungen auf Übelkeit und Erbrechen, Angstzustände, Appetit, Schlaf und Erschöpfung, Reizbarkeit, Konzentration und psychosomatische Regulation, in einzelnen Studien auch tumorizide Wirkungen nachgewiesen werden (Übersicht bei (2)).

Weiterhin führt die Mistel-Therapie zu einer messbaren Immunmodulation mit einem Anstieg von neutrophilen und eosinophilen Granulozyten sowie CD4-T-Helfer-Zellen (3).

Die Mistel kann bei sämtlichen soliden Malignomen mit nachgewiesener onkologischer Sicherheit eingesetzt werden. Negative Wechselwirkungen mit Zytostatika sind nicht zu erwarten (4-6). In-vitro-Daten zur simultanen Therapie mit Trastuzumab weisen auf eine mögliche Wirkverstärkung der Anti-HER2-Therapie hin (7). Kontra-indikationen sind generell allergische Reaktionen auf Mistel-Präparate, Autoimmunerkrankungen, Thyreoiditis und hämatologische Neoplasien.

Im adjuvanten Therapiespektrum ist bei lebensqualitätsbeeinträchtigenden unerwünschten Wirkungen einer zytostatischen Therapie eine begleitende Mistel-Therapie sinnvoll und kann erfahrungsgemäß die Compliance verbessern. Die Mistel-Therapie kann während einer Chemotherapie begonnen werden und verschiedene Lebensqualitätsparameter verbessern (6). Inwieweit die Mistel mit modernen Immuntherapien wie der Checkpoint-Inhibition interferiert, ist bis dato nicht bekannt. Sie sollte deshalb dort zurückhaltend eingesetzt werden, auch wenn kürzlich in vitro gezeigt werden konnte, dass unter Mistel-Therapie dendritische Zellen stimuliert und ein immunsuppressives Environment neutralisiert werden können (8).

Üblicherweise erfolgt die subkutane Applikation (2-3x/Woche). Zur Auswahl stehen unterschiedliche Mistel-Sorten (Wirtsbaum) und serielle Therapieschemata (ansteigende Dosierung innerhalb einer „Serie“) oder konstante Dosierungen. Das Therapie-Monitoring erfolgt am einfachsten anhand einer kutanen Lokalreaktion an der Injektionsstelle, aber auch anhand einer Temperaturkurve (Erreichen einer Temperaturrhythmik) oder eines Differentialblutbildes. Die Auswahl der Dosierungsmodi und -intervalle richtet sich nach dem Grad der Symptome. Neben der subkutanen Injektion gibt es Erfahrungen mit intravenöser bzw. intratumoraler Applikation (8). Die Mistel-Therapie erfordert eine gewisse Erfahrung und regelmäßiges Monitoring. Ein entsprechendes Einbeziehen und Schulen des Pflegepersonals ist im klinischen Alltag sinnvoll.

Die Kostenerstattung anthroposophischer Mistel-Präparate in der Palliativsituation wird im Gegensatz zur adjuvanten Anwendung von den gesetzlichen Krankenkassen voll übernommen.


Selen-Therapie

Selen ist ein essentielles Spurenelement und Bestandteil der Selenoproteine mit antioxidativen, antiinflammatorischen und zytoprotektiven Eigenschaften. Es spielt eine wichtige Rolle bei immunologischen Prozessen wie der via Interleukin-2-Rezeptor Antikörper-vermittelten Zytotoxizität (9, 10). Diese spielt beispielsweise eine Rolle bei der Therapie mit monoklonalen Antikörpern (z.B. Trastuzumab/Pertuzumab), aber auch bei der Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren.

Ein Selen-Mangel scheint mit einem erhöhten Malignom-Risiko verbunden zu sein (11-15). Am ehesten scheint dies mit der bei Selen-Mangel verminderten Fähigkeit zum Abfangen reaktiver Sauerstoffverbindungen, Reparatur von DNA-Schäden und der Regulation der o.g. immunologischen Prozesse zusammenzuhängen (9). Bei bereits Erkrankten ist ein Selen-Mangel mit einer schlechteren Prognose assoziiert (15), eine Substitution kann diese möglicherweise verbessern.

Vor einer Selen-Substitution sollte eine Serum-Spiegel-Bestimmung durchgeführt werden. Der deutsche Referenzwert für die Selen-Serum-Konzentration liegt bei 80-120 µg/l. Patientinnen mit BRCA- und p53-Mutationen scheinen besonders von einer Substitution erniedrigter Selen-Spiegel zu profitieren (16-17). Somit sollte in der Vor- und Nachsorge BRCA-positiver Patientinnen ein besonderes Augenmerk auf einen ausreichenden Selen-Spiegel gelegt werden. Die Substitution erfolgt aufgrund seiner optimalen Verstoffwechselung sinnvollerweise oral mit Natrium-selenit (anorganische Selenverbindung).

Bei einem nachgewiesenen Selen-Mangel kann eine Rezeptierung verschreibungsfähiger Selen-Präparate zu Lasten der GKV erfolgen.

Über die Korrektur erniedrigter Spiegel hinaus kann Selen in Therapie-situationen eines voraussehbar hohen Verbrauchs eingesetzt werden.
 
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