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Medizin
23. Februar 2021

Rare Diseases: Differentialdiagnostik und Therapie des Morbus Castleman

Weil es den 29.2. nicht jedes Jahr gibt, wurde er zum Rare-Disease-Day ernannt. Wobei seltene Erkrankungen per Definition (in der EU: ≤ 5 von 10.000 Menschen) noch seltener auftreten als der 29.2. Und auch wenn 2021 kein Schaltjahr ist, findet der Rare-Disease-Day statt. Denn es ist wichtig, seltene Erkrankungen im Blick zu haben, damit die Patientinnen und Patienten die Chance auf eine – sofern vorhanden – spezifische Therapie erhalten können.
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Herausfordernd ist dabei, dass sich seltene Erkrankungen oftmals in häufigeren, vermeintlich offensichtlicheren Erkrankungen „verstecken“. Wie z.B. beim idiopathischen multizentrischen Morbus Castleman (iMCD): Dessen Krankheitsbild lässt zunächst etwas Offensichtlicheres wie eine Autoimmunerkrankung, ein Malignom oder eine Infektion vermuten (1). Das erschwert eine schnelle und eindeutige Diagnose.

Doch die sehr seltene lymphoproliferative Erkrankung kann mit einer potenziell lebensbedrohlichen Symptomatik einhergehen (2). Die Patientinnen und Patienten haben eine ähnlich schlechte Prognose wie bei malignen Tumorerkrankungen (3).  Die 5-Jahres-Mortalitätsrate nach Diagnose lag bis zur Zulassung von Siltuximab (4) (Sylvant®) bei 35% und die 10-Jahres-Mortalitätsrate sogar bei 60% (1).

Diagnose iMCD erfordert umfassende Differentialdiagnostik

Oftmals ist eine „reaktive Lymphadenitis ohne Hinweis auf Malignität“ der Ausgangsbefund beim iMCD, der nur mit einer umfassenden Differentialdiagnostik konkretisiert werden kann. Dabei ist eine enge interdisziplinäre Kooperation mit einem Pathologen erforderlich. Charakteristisch beim iMCD ist eine multifokale Lymphadenopathie begleitet von einer inflammatorischen Symptomatik, z.B. Nachtschweiß, Fieber, Gewichtsverlust und Fatigue. Viele Patientinnen und Patienten zeigen darüber hinaus eine Hepatosplenomegalie (1).
Die klinische Präsentation des iMCD ist sehr variabel. Krankheitsverlauf, Symptome und Schweregrad des iMCD reichen von einer milden B-Symptomatik bis hin zu einem lebensbedrohlichen Multiorganversagen (1).
Wichtig: Der Ausschluss einer HHV8/HIV-Infektion ist essenziell für die Therapieentscheidung! (1)
Ursache für die iMCD-Symptomatik ist eine Zytokindysregulation – insbesondere eine Interleukin-6 (IL-6)-Überproduktion (3, 5). Daher ist in der Regel eine Therapie mit einem IL-6-Inhibitor indiziert, wobei Siltuximab derzeit die einzige in Europa zugelassene Therapie beim HHV8-negativen, HIV-negativen iMCD ist (4, 6).

Weitere seltene Erkrankungen im Blick

Das Hochrisiko-Neuroblastom (HR-NB) ist eine seltene Tumorerkrankung, die bei Kindern – meist bis zu ihrem 6. Lebensjahr – auftritt (7). Dinutuximab beta (Qarziba®) ist zur HR-NB-Behandlung sowie des refraktären und rezidivierten Neuroblastoms (r/r-NB) zugelassen (8). Bereits 2012 erhielt die gezielte Krebsimmuntherapie von der EMA den Orphan-Drug-Status und ist laut gültiger S1-Leitlinie der empfohlene Standard in der Erhaltungstherapie bei pädiatrischen Patientinnen und Patienten mit HR- sowie r/r-NB (9, 10).

Quelle: EUSA Pharma

Literatur:

(1) Fajgenbaum DC et al. Blood 2017; 129: 1646–1657.
(2) Fajgenbaum DC et al. Blood 2014; 123: 2924–2933.
(3) van Rhee F et al. Hematol Oncol Clin N Am 2018; 32: 89–106.
(4) Fachinformation SYLVANT®. Stand: September 2019.
(5) Van Rhee F et al. Blood 2018; 132(20): 2115–2125.
(6) Van Rhee et al. Lancet Oncol 2014 Aug; 15(9): 966–974.
(7) Voeller et al. J Pediatr Hematol Oncol 2019; 41: 163–169.
(8) Fachinformation QARZIBA®. Stand: Dezember 2019.
(9) S1-Leitlinie 025-008 Neuroblastom Stand: 06/2019 https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/025-008.html, abgerufen im Februar 2021.
(10) Ladenstein R et al. Cancers 2020; 12(2): 309.


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