Samstag, 27. Februar 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Imfinzi NSCLC
Imfinzi NSCLC
Medizin

01. August 2012 Nierenkrebsimpfstoff IMA901 in klinischen Studien erfolgreich angewendet

Wissenschaftler der Universität Tübingen und der Tübinger Firma immatics biotechnologies GmbH, einer Ausgründung der Abteilung Immunologie an der Universität Tübingen, haben in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine die Ergebnisse zweier klinischer Studien mit dem Nierenkrebsimpfstoff IMA901 veröffentlicht. IMA901 wird therapeutisch verabreicht, wenn der Patient bereits an Krebs erkrankt ist. Der Impfstoff besteht aus zehn synthetischen sogenanntenT umor-assoziierten Peptiden (TUMAPs), die körpereigene Killer-T-Zellen gegen den Tumor aktivieren. Im Gegensatz zu Chemotherapien werden hier die körpereigenen Abwehrkräfte gezielt gegen den Tumor mobilisiert. Die Ergebnisse der Studien zeigen, dass die aktive Immunisierung gegen Krebs erfolgreich sein und das Leben deutlich mehr verlängern kann, als sogar die neuesten Chemotherapien - und das bei nur geringen Nebenwirkungen.

Prof. Dr. Hans-Georg Rammensee, Leiter der Abteilung Immunologie der Universität Tübingen und Mitgründer von immatics biotechnologies, sagt: „Diese Arbeit ist ein Meilenstein in der Entwicklung der Krebsimmuntherapie. Das hier angewandte Prinzip der aktiven Immunisierung gegen Krebsantigene, die zuvor auf Krebszellen identifiziert worden waren, ist auf praktisch alle Krebsarten anwendbar. Ähnlich erfolgreiche klinische Studien liefen bereits unter Tübinger Leitung beim Darmkrebs (mit immatics) und beim Prostatakrebs. Derzeit laufen Studien von immatics beim Hirntumor Glioblastom, und weitere, etwa gegen Leberkrebs und Ovarialkarzinom, sind in Vorbereitung.“

Prof. Dr. Arnulf Stenzl, Leiter der Abteilung Urologie des Universitätsklinikums Tübingen, unter dessen Leitung die klinischen Studien durchgeführt wurden, erklärt: „Alle bisher eingesetzten Medikamente haben zwar eine deutliche Verbesserung in der Einschränkung des Tumorwachstums beim Nierenkrebs gebracht, jedoch haben sie nicht die gewünschte Lebensverlängerung oder gar Heilung erzielt. Daher ist die nun von immatics weiterentwickelte aktive Immunisierung in Kombination mit einer niedrig dosierten einmaligen Chemotherapie auch klinisch als ein Meilenstein in der Behandlung des Nierenzellkarzinoms, aber möglicherweise auch anderer bösartiger Tumoren, zu werten.“

Ein besonderer Aspekt der vorliegenden Nierenkrebsstudie ist eine bisher einmalig tiefgehende Analyse der Immunantwort gegen die eingesetzten Krebsantigene mit Hilfe von Biomarkern. Insbesondere die Eigenschaften der beteiligten weißen Blutkörperchen im Verlauf der Impfung wurden detailliert gemessen. Letzteres erforderte eine generalstabsmäßige Logistik, um diese Zellen aus allen beteiligten über ganz Europa verstreuten Studienzentren in gutem Zustand tiefgefroren zur Analyse nach Tübingen zu bringen.

Die Studie zeigt, dass bei Nierenkrebspatienten mit nachweisbaren T-Zell-Reaktionen gegen zwei oder mehr Tumor-assoziierte Peptide (TUMAPs) Immunreaktion und klinischer Verlauf eindeutig miteinander in Zusammenhang stehen. Das bestätigt die Hypothese, dass krebstherapeutische Maßnahmen durch eine breit angelegte Aktivierung des Immunsystems gegen mehrere Zielstrukturen auf der Tumoroberfläche gleichzeitig entscheidend weiterentwickelt werden können.

Der Artikel beschreibt ferner das Forschungsvorhaben, Biomarker zu identifizieren, die eine Voraussage hinsichtlich der Überlebenszeit bestimmter Patientengruppen nach der Impfung mit I-MA901 treffen können. Aus über 300 potentiellen Biomarkern konnten nach einer Analyse solche identifiziert werden, deren Fähigkeit, Immunantwort und Überlebensverlängerung durch IMA901 vorhersagen zu können, aktuell in der derzeit bereits laufenden neuen Phase 3-Studie von immatics bestätigt werden sollen.

Literaturhinweis:
“Multipeptide immune response to cancer vaccine IMA901 after single-dose cyclophosphamide associates with longer survival times,” Walter S., Weinschenk T. et al. (2012) Nature Medicine. Published online: 29 July 2012

Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen


Anzeige:
Kyprolis

Stichwörter

Das könnte Sie auch interessieren

Bewegungstherapie bei Krebs

Bewegungstherapie bei Krebs
© Fotolia / Kzenon

Körperliche Aktivität kann helfen, das Risiko an Krebs zu erkranken, zu minimieren. Ein regelmäßiges Bewegungstraining trägt aber auch dazu bei, die Begleiterscheinungen einer Krebserkrankung sowie der Therapie besser zu überstehen. Neue Studien zeigen, wie bedeutsam regelmäßige Bewegung für das körperliche und seelische Wohlbefinden, nicht nur von Krebspatienten, ist. Was passiert jedoch in unserem Körper, wenn wir Sport treiben, und warum...

Brustkrebs: Was leisten Prognosetests? Unnötige Chemotherapien vermeiden

Durch die Möglichkeit, Tumore genetisch zu analysieren, hat sich die Krebstherapie gewandelt. Während früher alle Patienten quasi die gleiche Behandlung wie nach dem „Gießkannenprinzip“ erhielten, steht nun zunehmend der einzelne Patient mit seinen individuellen Tumoreigenschaften im Fokus. Bei Frauen mit Brustkrebs hat diese Entwicklung zu sogenannten Prognosetests geführt, die eine Vorhersage über den Nutzen einer Chemotherapie erlauben,...

José Carreras Leukämie-Stiftung lobt Best Paper Award 2018

José Carreras Leukämie-Stiftung lobt Best Paper Award 2018
© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

„Nur über medizinische Forschung wird es uns gelingen, Leukämie und andere bösartige Blut- oder Knochenmarkserkrankungen bei jedem und immer heilbar zu machen. Nach 2016 und 2017 zeichnet die José Carreras Leukämie-Stiftung deshalb auch in diesem Jahr wieder herausragende wissenschaftliche Arbeiten aus. Dotiert ist der 3. Best Paper Award mit 10.000 Euro, über die der Preisträger für seine weitere wissenschaftliche Arbeit frei verfügen kann“,...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Nierenkrebsimpfstoff IMA901 in klinischen Studien erfolgreich angewendet"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.