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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

02. Dezember 2015 Vereinfachte antiemetische Prophylaxe dank neuer Möglichkeiten

„Die Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen (CINV) korreliert invers mit der Lebensqualität und kann einen negativen Effekt auf die antineoplastische Therapie, z.B. aufgrund von Dosisreduktionen, haben“, sagte Prof. Meinolf Karthaus, München, im Rahmen eines Satellitensymposiums auf dem DGHO an. Damit betonte er die Wichtigkeit einer adäquaten CINV-Prophylaxe. Er stellte mehrere neue Therapieoptionen vor, mit welchen die antiemetische Prävention einfacher gestalten werden kann. So nannte er beispielsweise die äußerst wirksame Fixkombination aus Netupitant und Palonosetron (NEPA) sowie die vereinfachte orale Darreichungsform von Palonosetron, die sich gegenüber einer i.v.-Gabe nicht unterlegen zeigte.

Leitlinien werden unzureichend beachtet

Prof. Richard Gralla, New York, USA, konstatierte: „Wir haben mittlerweile gute Antiemetika – wir müssen sie nur sinnvoll einsetzen.” Damit wies er auf das Problem hin, dass die CINV in der klinischen Praxis häufig unter-, aber durchaus auch überbehandelt wird. Vor allem die verzögerte Phase der CINV wird oft von den Ärzten unterschätzt. In zwei verschiedenen Studien zu dem Thema wurde nachgewiesen, dass sich durchschnittlich zwei Drittel der Ärzte bezüglich der antiemetische Prävention nicht an die Leitlinien halten. „Es ist besser, die CINV zu verhindern, anstatt sie im Nachgang zu behandeln“, so Gralla. Er wies darauf hin, dass diesbezüglich anscheinend noch großer Aufklärungsbedarf bei den Ärzten bestünde.


Neue Therapieoptionen zur antiemetischen Prävention

Wie Karthaus darlegte, hat sich in diesem Jahr auf dem Gebiet der Antiemese einiges getan. Er stellte zunächst Daten vor, denen zufolge das Neuroleptikum Amisulprid, das ursprünglich bei Schizophrenie eingesetzt wird, antiemetisches Potential besitzt. Dem Medikament konnte eine Wirksamkeit gegen verzögerte Nausea bei hochemetogener Chemotherapie (HEC) nachgewiesen werden (1). Der relevanten Studie zu Folge sollte Amisulprid in einer Dosierung von 10 mg/d an den Tagen 2-4 nach Chemotherapie gegeben werden, und hat sich als sicher und wirksam bezüglich der Reduktion von CINV unter HEC (Cisplatin oder AC-Schema) erwiesen.

Ein weiterer neuer Wirkstoff, der im Kampf gegen CINV Wirksamkeit zeigen konnte, ist der NK1-Rezeptor-Antagonist (NK1-RA) Rolapitant. Er wurde in zwei Studien bei HEC (2) und in einer Studie bei moderat emetogener Chemotherapie (MEC) (3) – jeweils in Kombination mit Granisetron und Dexamethason – erprobt, und konnte jeweils eine statistisch signifikante Kontrolle der verzögerten Nausea erreichen.

Eine weitere Studie stellte sich der Frage, ob das bewährte Zweitgenerations-Setron Palonosetron auch oral verabreicht werden kann (4). Primärer Endpunkt der Phase-III-Studie war die komplette Kontrolle akuter CINV (Nicht-Unterlegenheit) unter HEC, der sekundäre Endpunkt war die Kontrolle der späten CINV. Beide Endpunkte wurden erreicht – die orale Gabe ist der intravenösen nicht unterlegen (Abb. 1). „Auf diese Weise kann die CINV-Prophylaxe weiter vereinfacht werden“, resümierte Karthaus das Ergebnis.

Abb. 1: Phase-III-Studie zu Palonosetron i.v. versus p.o. bei HEC ( nach (4)).
Abb. 1: Phase-III-Studie zu Palonosetron i.v. versus p.o. bei HEC ( nach (4)).



Neu zugelassenes Kombinations-präparat schützt vor CINV

Schließlich ging Karthaus auf die neue Fixdosiskombination aus dem NK1-RA Netupitant und dem 5-HT3-RA Palonosetron (NEPA, Akynzeo®) ein. Es konnte gezeigt werden, dass der kombinierte Einsatz beider Wirkstoffe zu einer synergistischen Hemmung der Substanz-P-vermittelten Wirkung im Brechzentrum führt. Die Hemmung ist somit höher als unter den jeweiligen Einzelsubstanzen (5). Dies wurde anhand klinischer Studien von Aapro et al. (6) und von der Arbeitsgruppe um Gralla (7) untersucht, mit dem Ziel der Prävention von akuter und verzögerter CINV bei HEC und MEC. Die beiden Studien (jeweils multizentrisch, randomisiert, doppelblind und aktiv-kontrolliert) haben zum einen der Dosisfindung und zum anderen der Sicherheit des Kombinationsschemas gedient und dank der guten Ergebnisse schließlich gemeinsam zur Zulassung des Kombinationspräparates geführt. Die Wirkstoffkombination steht nun in einer Kapsel zur einmaligen oralen Verabreichung zur Verfügung.

(sk)

Quelle: Satellitensymposium „Antiemese: Neue Optionen in der Prävention“, 09.10.2015, Basel; Veranstalter: Riemser Pharma GmbH

Literatur:

(1) Herrstedt J et al. ECC 2015.
(2) Rappaport BL et al. Lancet Oncol Aug 2015.
(3) Schwartzberg L et al. Lancet Oncol Aug 2015.
(4) Karthaus M et al. Supp Care Cancer Feb 2015.
(5) Stathis M et al. Eur J Pharmacol 2012; 689(1-3):25-30.
(6) Aapro M et al. Ann Oncol 2014.
(7) Gralla R et al. Ann Oncol 2014.


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