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Medizin

20. Juni 2017 Venetoclax bietet Zusatznutzen für Patienten mit schwer zu behandelnder CLL

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat kürzlich für Venetoclax (Venclyxto®) seinen Beschluss veröffentlicht und dem BCL-2-Inhibitor einen nicht-quantifizierbaren Zusatznutzen für die zugelassenen Indikationen bei der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) beschieden. Da zum jetzigen Zeitpunkt noch keine vergleichenden Studiendaten zur Monotherapie mit Venetoclax vorliegen, kann dieser Zusatznutzen zum aktuellen Zeitpunkt  nicht als erheblich, beträchtlich oder gering eingeordnet werden (1).
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„Venetoclax wurde aufgrund des hohen medizinischen Bedarfs in der Indikation chronische lymphatische Leukämie und des hohen therapeutischen Werts bereits auf Basis von einarmigen Phase-II-Daten zugelassen“, erläutert Dr. Patrick Horber, Geschäftsführer bei AbbVie Deutschland. „Da diese Daten zum jetzigen Zeitpunkt keine quantitative, vergleichende Einordnung des Zusatznutzens ermöglichen, war die Entscheidung des G-BA, für Venetoclax einen nicht- quantifizierbaren Zusatznutzen festzusetzen, zu erwarten.“
 
Der Beschluss, dass Venetoclax einen nicht-quantifizierbaren Zusatznutzen für schwer zu behandelnde CLL-Patienten bietet, ist auf fünf Jahre befristet. Nach Ablauf der Befristung findet eine erneute Nutzenbewertung statt. In diesem Zusammenhang hat AbbVie die Auflage erhalten, bis 15.06.2022 weitere Daten vorzulegen.
 
Umfassende Zulassung von Venetoclax bei Hochrisiko-Patienten mit CLL

Venetoclax ist zum einen als Monotherapie bei Erwachsenen mit CLL zugelassen, die eine 17p-Deletion oder TP53-Mutation aufweisen und die für eine Behandlung mit einem Inhibitor des B-Zell-Rezeptor-Signalwegs (BCRi) nicht geeignet sind oder ein Therapieversagen zeigten (1). Zum anderen ist Venetoclax als Monotherapie auch bei Patienten ohne vorliegende 17p-Deletion oder TP53-Mutation indiziert, bei denen sowohl unter einer Chemo-Immuntherapie als auch unter einem BCRi ein Therapieversagen auftrat (2).
 
Die Europäische Kommission hat Venetoclax auf Basis zweier Phase-II Studien zugelassen, die eine gute Wirksamkeit von Venetoclax bei vorbehandelten Hochrisiko-CLL-Patienten zeigten. In der ersten Studie, einer multizentrischen, einarmigen Phase‐II‐Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit von Venetoclax bei 107 Patienten mit vorbehandelter CLL und 17p-Deletion, wurde nach einer medianen Behandlungsdauer von 12 Monaten eine Gesamtansprechrate (ORR, primärer Studienendpunkt) von 79,4% (95% KI: 70,5‐86,6) erreicht, darunter 7,5% komplette und 69,2% partielle Remissionen (2,3). Bei 27% der Patienten, die auf die Behandlung angesprochen hatten, war keine minimale Resterkrankung (MRD) im peripheren Blut mehr nachweisbar. Das Ansprechen erfolgte schnell: 8,2 Monate bis zum CR/CRi Ansprechen". Die mediane Zeit bis zum ersten Ansprechen betrug 0,8 Monate (0,1-8,1) und 8,2 Monate (3,0-16,3) bis zum CR/CRi (komplette Remission/CR ohne vollständige Erholung im Knochenmark). Ein lang anhaltendes Ansprechen erzielten 85% der Studienteilnehmer (12-Monats-Schätzung). Das geschätzte 12-Monats-progressionsfreie Überleben (12-Monats-PFS) betrug 72% (95% KI: 61,8-79,8) (3). In der zweiten Studie erreichte Venclyxto® bei R/R CLL-Patienten mit und ohne 17p-Deletion, bei denen eine Therapie mit einem BCRi versagte, eine ORR (primärer Endpunkt) von 70% nach Vortherapie mit Ibrutinib bzw. 48% nach Vortherapie mit Idelalisib (4). Das geschätzte 12-Monats-PFS für alle Patienten betrug 72% (95% CI: 57%, 82%) (5).
 
Venetoclax ist wirksam – auch wenn BCRi versagen

Mit Venetoclax kann erstmals eine Behandlungslücke bei den Patienten geschlossen werden, für die eine Behandlung mit BCRi keine Therapieoption (mehr) darstellt. In einer multizentrischen retrospektiven Kohortenstudie wurden die Daten von 683 CLL-Patienten analysiert, von denen 91% mit Ibrutinib und 9% mit Idelalisib behandelt worden waren (6). Etwa ein Drittel wies eine 17p-Deletion/TP53-Mutation auf. Zum Zeitpunkt der Datenanalyse hatten 47% der Patienten die Therapie mit dem BCRi beendet, und zwar 94% in der Idelalisib- und 42% in der Ibrutinib-Gruppe. In etwa 50% der Fälle waren unerwünschte Wirkungen die Ursache. 24% der Patienten erhielten eine weitere Behandlung mit dem jeweils anderen BCRi, mit Venetoclax oder Chemoimmuntherapie. Die Behandlung mit Venetoclax oder dem jeweils anderen BCRi führte zu einem deutlich längeren PFS als die Chemoimmuntherapie (p<0,001). In beiden Fällen wurde das mediane PFS (noch) nicht erreicht. Ibrutinib-Abbrecher zeigten in dieser Studie ein besseres Gesamtansprechen (79%), wenn sie mit Venetoclax weiter behandelt wurden, als wenn sie mit Idelalisib weiterbehandelt wurden (46%) (6).

Quelle: AbbVie

Literatur:

(1) https://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/271/#tab/beschluesse; letzter Zugriff: 15.06.2017
(2) Fachinformation Venclyxto®, Stand: Dezember 2016
(3) Stilgenbauer S et al. (2016) Venetoclax in relapsed or refractory chronic lymphocytic leukaemia with 17p deletion. A multicentre, open-label, phase 2 study. The Lancet Oncology 17(6):768–778. doi:10.1016/S1470-2045(16)30019-5
(4) Jones J (2016) Venetoclax (VEN) Monotherapy for Patients with Chronic Lymphocytic Leukemia (CLL) Who Relapsed after or Were Refractory to Ibrutinib or Idelalisib. Blood (128):637
(5) Jones J et al. Venetoclax monotherapy for patients with chronic lymphocytic leukemia (CLL) who relapsed after or were refractory to ibrutinib or idelalisib. ASH 2016; oral presentation, Oral Session 642
(6) Mato AR et al., Ann Oncol 2017, doi:10.1093/annonc/mdx031 


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