Sonntag, 18. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Vectibix
Medizin
22. September 2016

Studie zu T-Zell-Lymphom: Stammzelltransplantation nach Chemotherapie verbessert Prognose

Patienten, die an bestimmten Lymphknoten-Tumoren leiden, profitieren von einer kombinierten Therapie aus Chemotherapie und Stammzelltransplantation. Dies hat die bislang größte deutsche Studie zu dieser Krebsart (nodales T-Zell-Lymphom) gezeigt, die ein Ärzteteam um den Nürnberger Krebsspezialisten Prof. Dr. Martin Wilhelm, federführend durchgeführt hat. "Die Erkrankung ist nach wie vor unheilbar, aber die Behandlung kann den Patienten einige Jahre Lebenszeit und eine bessere Lebensqualität verschaffen," so der Chefarzt am Klinikum Nürnberg und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Nürnberg.
Anzeige:
Ibrance
Ibrance
 
T-Zell-Lymphome sind selten und repräsentieren nur ca. 10% aller Lymphome. Zuverlässige Daten zur Wirksamkeit gängiger Therapieoptionen sind damit ebenso rar, eine Standardtherapie gibt es bislang nicht. Das liegt auch daran, dass diese Lymphome so heterogen sind und aus 23 Untergruppen bestehen.

Mehr als die Hälfte der transplantierten Patienten überlebt durchschnittlich fünf Jahre

Wissenschaftliche Evidenz für die Therapiewahl geben die Ergebnisse der bislang größten deutschen Studie zu dieser Krebsart, die nun im Blood Cancer Journal veröffentlicht wurde. "Die Studie bestätigt, dass eine Chemotherapie mit anschließender Transplantation patienteneigener Blutstammzellen die Prognose deutlich verbessert. Sie sollte daher bei allen in Frage kommenden Patienten frühzeitig in Betracht gezogen werden", so der Chefarzt. Mehr als die Hälfte der Patienten, die eine sogenannte autologe Stammzell-Transplantation erhalten hatten, waren bei Abschluss der Studie, durchschnittlich fünf Jahre nach ihrer Behandlung, noch am Leben. Nach alleiniger Chemotherapie ohne Stammzelltransplantation dagegen liegt die 5-Jahres-Überlebenschance für diese Patientengruppe laut älterer Studien zwischen 20 und 30%.

T-Zell-Lymphome gehen auf eine einzelne defekte Immunzelle, einen sogenannten T-Lymphozyt, zurück, der sich ungebremst vermehrt. In Folge wird der Körper von malignen T-Zellen überschwemmt, die sich u.a. in Lymphknoten und Knochenmark sammeln. Während gesunde T-Zellen eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern spielen, stören die defekten Zellen die Regulation und Koordination des Immunsystems massiv. Betroffene sind daher nicht nur besonders anfällig für Infekte, auch kann sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper wenden. T-Zell-Lymphome schreiten aggressiv voran, die durchschnittliche Überlebenszeit der Patienten beträgt ein bis drei Jahre.

Ziel der Studie war es herauszufinden, wie sich eine autologe Stammzell-Transplantation auf die Überlebensdauer der Patienten auswirkt. Zwischen 2001 und 2010 nahmen am Klinikum Nürnberg und den kooperierenden Kliniken in Essen, Würzburg, Oldenburg, Hamburg und Köln insgesamt 111 Patienten teil. Für eine möglichst exakte Diagnose der schwer zu unterscheidenden Untergruppen des T-Zell-Lymphoms wurden sämtliche Gewebeproben von Experten des Pathologischen Instituts der Universität Würzburg überprüft. Patienten mit einer bestimmten Untergruppe der Erkrankung, die auch ohne Transplantation gut zu behandeln ist und mit besserer Prognose einhergeht, wurden nicht berücksichtigt, ebenso wie Patienten, für die dieses Behandlungskonzept z.B. aufgrund schwerer Begleiterkrankungen generell nicht in Frage kam.

Studie liefert Evidenz für Behandlungsempfehlungen

75 der 111 in die Studie einbezogenen Patienten konnten tatsächlich transplantiert werden, bei 36 sprach der Krebs nicht ausreichend auf die vorausgehende Chemotherapie an oder sie lehnten eine Transplantation ab. Bei 43 der 75 transplantierten Patienten waren nach der Behandlung keine Krebszellen mehr nachweisbar. Sie entsprachen 39% der gesamten Studienteilnehmer. In Bezug auf alle 111 in die Studie eingeschlossenen Patienten ergab sich eine durchschnittliche Fünf-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit von 44%. Wurden Patienten mit erfolgreicher Stammzell-Transplantation separat betrachtet, lag die Fünf-Jahres-Überlebenschance bei 57%.

Diese Zahlen bestätigen im Wesentlichen die 2012 veröffentlichten Ergebnisse der bisher größten Studie zur Therapie des T-Zell-Lymphoms unter Federführung von d`Amore aus Dänemark. In diese Studie waren 160 Patienten nach vergleichbar strengen Kriterien wie die der Nürnberger Studie aufgenommen worden. "Mit den beiden Studien können wir die Behandlungsempfehlungen, die auf der Basis von fünf deutlich kleineren und uneinheitlichen Studien ausgesprochen wurden, nun statistisch untermauern: Eine autologe Stammzell-transplantation bietet gute Chancen, dass die Erkrankung einige Jahre nicht weiter fortschreitet oder sogar vollständig ruht", erklärt der Krebsspezialist. "Damit verschaffen wir den Patienten mehr Lebenszeit und -qualität, auch wenn die Erkrankung nach wie vor in der Regel unheilbar ist."

Behandlung seltener Bluterkrankungen in Zentren mit Expertise

Sowohl die exakte Diagnose als auch die passende Therapie setzt eine große Erfahrung des Behandlungsteams voraus. "Patienten sollten sich daher an ein Zentrum mit entsprechender Expertise für diese sehr seltene Erkrankung wenden", betont Prof. Wilhelm. Am Klinikum Nürnberg sind dieses Jahr bereits 7 Patienten mit T-Zell-Lymphomen neu diagnostiziert worden. Das ist im deutschlandweiten Vergleich bereits viel. Jährlich werden in Nürnberg über 90 Stammzell-Transplantationen bei verschiedenen Erkrankungen des blutbildenden Systems vorgenommen.

Quelle: Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Standort Nürnberg

Literatur:

Wilhelm M, Smetak M, Reimer P et al.
First-line therapy of peripheral T-cell lymphoma: extension and long-term follow-up of a study investigating the role of autologous stem cell transplantation.
Blood Cancer J. 2016 Jul 29;6(7):e452. doi: 10.1038/bcj.2016.63.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27471868


Anzeige:
Ibrance
Ibrance
 
Das könnte Sie auch interessieren
Hufeland-Preis ehrt Initiatoren eines bundesweiten Kita-Sonnenschutzprojekts zur Krebsprävention
Hufeland-Preis+ehrt+Initiatoren+eines+bundesweiten+Kita-Sonnenschutzprojekts+zur+Krebspr%C3%A4vention
© drubig-photo / Fotolia.com

Prof. Eckhard Breitbart, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Dermatologische Prävention e.V. (ADP), Dr. Nadja Seidel und Dr. Friederike Stölzel, Leiterinnen des Präventionszentrums des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) sind mit dem Hufeland-Preis des Kuratoriums der Stiftung Hufeland-Preis ausgezeichnet worden. Sie erhielten den mit 20.000 Euro dotierten Preis für...

Weltkrebstag: Besonderer Kündigungsschutz bei Schwerbehinderung
Weltkrebstag%3A+Besonderer+K%C3%BCndigungsschutz+bei+Schwerbehinderung+
©DedMityay - stock.adobe.com

Beim Erstantrag auf Schwerbehinderung ist für Krebspatientinnen und -patienten meist allein die Diagnose Krebs ausreichend, um einen Grad der Behinderung (GdB) von 50 zu bekommen. Damit gilt für sie automatisch ein besonderer Kündigungsschutz, in der Regel für 5 Jahre. Und dann? Wie geht es weiter? Unter welchen Voraussetzungen der besondere Kündigungsschutz erhalten werden kann, erläutert der...

DEGUM-Experten fordern Ultraschall der Eierstöcke als Kassenleistung
DEGUM-Experten+fordern+Ultraschall+der+Eierst%C3%B6cke+als+Kassenleistung
© CLIPAREA.com / fotolia.com

Um harmlose Eierstockzysten von bösartigem Eierstockkrebs zu unterscheiden, verwenden Ärzte das Ultraschallverfahren. Zysten und Krebsgeschwülste bilden im sonografischen Bild bestimmte Muster, die ein erfahrener Fachmann unterscheiden kann. Für ein hohes Qualitätsniveau der Untersuchung setzt sich die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) ein. Sie fordert, dass der Ultraschall der...

Krebsblogger geben Einblick in ihre persönliche Krankheitsgeschichte
Krebsblogger+geben+Einblick+in+ihre+pers%C3%B6nliche+Krankheitsgeschichte
© TIMDAVIDCOLLECTION - stock.adobe.com

11 Krebsblogger folgten der Einladung des forschenden Pharmaunternehmens Janssen in die Deutschlandzentrale nach Neuss, um sich beim 3. gemeinsamen Workshop auszutauschen und ihre Geschichte zu erzählen. Sie sehen sich selbst als Kämpfer gegen Krebs und „Mut-Anker“ für andere. Janssen, die Pharmasparte des Gesundheitskonzerns Johnson & Johnson, unterstützt dieses Engagement. 2018 und 2019 fanden bereits ein...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Studie zu T-Zell-Lymphom: Stammzelltransplantation nach Chemotherapie verbessert Prognose"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.