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Medizin

10. Dezember 2020 Real-world-Daten zu PV: Rechtzeitige Umstellung von HU auf Ruxolitinib wirkt möglicherweise Anstieg thromboembolischer Ereignisse entgegen

Thromboembolische Ereignisse (TEs) sind die Hauptursache für Morbidität und Mortalität bei der Polycythaemia Vera (PV) (1). Deshalb ist die Verminderung solcher Komplikationen ein wichtiges Therapieziel bei dieser Erkrankung. Eine Real-world-Analyse auf Basis des US-amerikanischen OPTUM-Registers ergab, dass die Inzidenz von TEs bei PV-Patienten, die nach einer zytoreduktiven Therapie mit Hydroxyurea (HU) auf Ruxolitinib (Jakavi®) umgestellt wurden, geringer war als bei Patienten, die die HU-Therapie weiterführten. Zudem spürten die Autoren mittels „machine learning“ prädiktive Faktoren für das Auftreten von TEs unter einer HU-Therapie auf – mit dem Ziel, Hochrisiko-Patienten für TEs früh zu erkennen, um therapeutisch gegensteuern zu können. Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer Posterpräsentation bei der virtuellen Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) 2020 präsentiert (2).
Wie Prof. Dr. Sran Verstovsek, Houston, Texas, USA, berichtete, gingen in die Analyse zur Bestimmung der Inzidenz von TEs insgesamt 260 Patienten ein – 130 wurden nach einer initialen HU-Therapie auf Ruxolitinib (RUX) umgestellt (HU-RUX-Gruppe), weitere 130 führten die HU-Behandlung weiter (HU-allein-Gruppe). Die mediane Gesamtbehandlungsdauer für beide Gruppen betrug 46 Monate, bestehend aus einer im Median 29-monatigen initialen Behandlung mit HU, gefolgt von median 17 Monaten Ruxolitinib (HU-RUX-Gruppe) oder 17 weiteren Monaten HU (HU-allein-Gruppe). In beiden Gruppen wurde das Auftreten von TEs vor Therapiebeginn und in den jeweiligen Behandlungsphasen evaluiert.

In einem zweiten Schritt wurde ein lernendes System (machine learning) in Kombination mit einem logistischen Regressionsmodell (random survival forest) dazu verwendet, prädiktive Faktoren für das Auftreten von TEs unter einer HU-Therapie zu finden. In diese Analyse gingen die Daten von 3.852 Patienten ein, die initial mind. 6 Monate lang HU erhalten hatten. Ziel war es, das TE-Risiko im Zeitraum von 6-18 Monaten nach Beginn der HU-Behandlung zu ermitteln.

Während die jährliche Inzidenz von TEs vor Therapiebeginn bei allen Patienten im Bereich von 10% lag (10,8% bei der HU-RUX-Gruppe und 8,7% bei der HU-allein-Gruppe), gingen sie im Laufe der 29-monatigen initialen HU-Behandlung in beiden Gruppen zurück – um 22% bei den HU-RUX-Patienten (auf absolut 8,4%) und um 36% bei den HU-allein-Patienten (auf absolut 5,6%). Nach dem Switch auf Ruxolitinib und einer Behandlungsdauer von median 17 Monaten blieb die TE-Inzidenz bei den HU-RUX-Patienten weitgehend stabil (absolut 8,3%; Verminderung um 1%), während sie im gleichen Zeitraum bei den HU-allein-Patienten relevant um 89% auf absolut 10,53% anstieg. Verstovsek: „Wir beobachteten einen erneuten Anstieg der TEs bei HU-behandelten Patienten, was bei Patienten, die im gleichen Zeitraum auf Ruxolitinib geswitcht wurden, nicht der Fall war.“

Als wesentlicher Prädiktor für das Auftreten von TEs bei PV-Patienten unter HU-Therapie erwies sich im Real-world-Setting eine TE-Historie im Vorfeld der Behandlung, womit Erkenntnisse aus der Fachliteratur bestätigt wurden (3). Der prädiktive Wert einer solchen positiven TE-Anamnese war mehr als doppelt so hoch wie die Aussagekraft anderer Faktoren. Bei Patienten ohne TE-Historie erwiesen sich vor allem zwei Kombinationen aus klinischen Markern als hoch prädiktiv für das Auftreten von TEs unter HU: eine Kombination aus dem Anteil der Neutrophilen (Grenzwert 72,05%) und der Erythrozytenverteilungsbreite (red cell distribution width (RDW); Grenzwert 14,3%) sowie die Kombination aus dem Lymphozytenanteil (Grenzwert 19,3%) und der RDW (Grenzwert 14,05%).

Die Real-world-Analyse von Verstovsek und Kollegen legt nahe, dass Patienten mit PV, die unter einer Therapie mit HU stehen, in der klinischen Versorgungsroutine im Hinblick auf die TE-Inzidenz von einem frühzeitigen Umstieg auf Ruxolitinib profitieren können. Neue prädiktive Marker bzw. Marker-Kombinationen könnten in Zukunft als Routinefaktoren dazu beitragen, frühzeitig Hochrisiko-Patienten für TEs zu erkennen, die nicht länger von einer Behandlung mit HU profitieren. Es sind laut Verstovsek aber zusätzliche Studien nötig, um die Rolle dieser Marker weiter zu erhärten.

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Quelle: 62nd Annual Meeting and Exposition der American Society of Hematology (ASH) vom 5.-8. Dezember 2020

Literatur:

(1) Lengfelder E et al. Leitlinie Polycythaemia vera. Stand: April 2019. Online verfügbar unter: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/polycythaemia-vera-pv/@@guideline/html/index.html; Letzter Zugriff am 22. November 2020.
(2) Verstovsek S et al. Interactions of key hematological parameters with red cell distribution width (RDW) are associated with incidence of thromboembolic events (TEs) in polycythaemia vera (PCV) patients: a machine learning study (PV-AIM). ASH 2020, Abstract 2991 und Posterpräsentation.
(3) Finazzi G et al. Evidence and expertise in the management of polycythemia vera and essential thrombocythemia. Leukemia 2008;22(8):1494-502.


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