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Medizin
18. März 2016

Limitiert die Finanzierung der Diagnostik die Patientenversorgung?

Dass die Patienten von der personalisierten Medizin profitieren, ist laut Dr. Wolfgang Dietrich, Roche Pharma AG, bereits vor mehr als zehn Jahren am Beispiel des HER2-überexprimierten frühen Mammakarzinoms gezeigt worden. So waren nach vier Jahren 85% der Frauen, bei denen der Test erfolgte und die entsprechend mit Trastuzumab zusätzlich zur Chemotherapie behandelt wurden, noch tumorfrei gegenüber nur 67% der Frauen, die lediglich die damals übliche Chemotherapie erhielten. „Dies sind Zahlen, die wir bis dato nicht kannten“, so Dr. Dietrich während eines gesundheitspolitischen Symposiums im Rahmen des Deutschen Krebskongresses in Berlin.

Die Entwicklung der personalisierten Medizin ist seitdem kontinuierlich fortgeschritten. Allein für 14 der 39 zwischen 2012 und 2015 von der EMA neu zugelassenen Produkte gibt es bereits Companion Diagnostics für eine personalisierte Therapie. Es ist davon auszugehen, dass noch weit mehr Präparate eine Zulassung erhalten werden, für die Tests notwendig sind, um eine Aussage darüber treffen zu können, ob eine geplante Therapie für den einzelnen Patienten von Erfolg sein wird. Dr. Dietrich veranschaulichte dies an den Pipeline Charts von Roche: Fast alle Entwicklungen in Phase II laufen parallel mit einer Markerdiagnostik.  
 

Abb. 1: Krankheitsfreies Überleben: Adjuvante Therapie des HER2 überexprimierenden frühen Mammakarzinoms mit Herceptin (H+CT vs CT) (nach Romond; Perez, ASCO 2005).

Abb. 1: Krankheitsfreies Überleben: Adjuvante Therapie des HER2 überexprimierenden frühen Mammakarzinoms mit Herceptin (H+CT vs CT) (nach Romond; Perez, ASCO 2005).


Doch wie gut ist die Markerdiagnostik inzwischen etabliert? Nach aktuellen Zahlen gibt es bei einigen Indikationen eine sehr gute, bei anderen eine weniger gute Durchdringung. Daten von 2016 besagen, dass eine BRAF-Diagnostik bei 85% der Melanompatienten durchgeführt wird, eine Testung auf eine EGFR-Mutation beim NSCLC nur bei 65% der Patienten. Sehr gut etabliert ist die HER2-Testung – im Übrigen die einzige Companion Diagnostic, für die es eine Abrechnungsziffer gibt, informierte Dr. Dietrich. Problematisch hingegen ist insbesondere die BRCA-Diagnostik, die ein NGS („next generation sequencing“) erfordert, was nicht erstattet wird. Auch auf eine ALK-Translokation beim NSCLC mit nicht-plattenepithelialer Histologie wird nur in etwa der Hälfte der Fälle getestet. Ein Problem dürfte die relativ kleine Anzahl der Patienten mit ALK-mutierten Tumoren sein, auf der anderen Seite würde auch das Abrechnungsprocedere ein Problem darstellen.

Ein weiteres Problem tut sich auf, weil die Krankenhäuser zunehmend versuchen, Companion Diagnostics in den ambulanten Bereich zu schieben. Diese Entwicklung bremst nach Ansicht von Dr. Dietrich die flächendeckende Einführung der Companion Diagnostics für die breite Patientenversorgung.

Quelle: Roche, "Optimierung der personalisierten/stratifizierten Behandlung von Krebspatienten – wie können Versorgungsengpässe bei der Diagnostik beseitigt werden?", anl. Deutscher Krebskongress (DKK) 26.2.2016, Berlin


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