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Medizin
19. März 2021
aktualisiert: 28. April 2021

Interview zur parenteralen Ernährung bei Krebspatienten

Für die Krebsprävention wie für die erfolgreiche Behandlung von Krebspatienten ist gesunde und an die Situation angepasste Ernährung wichtig. Kachexie durch Mangelernährung ist unter Krebspatienten weit verbreitet. Eine national in Deutschland gegenwärtig durchgeführte Studie ist die randomisierte, multizentrische Phase-IV-Studie PEKANNUSS, die die heimparenterale Ernährung mit modernen Mehrkammerbeuteln (Eurotubes®) im Vergleich zu herkömmlichen 2/3-Kammerbeuteln bei Patienten mit metastasierten oder lokalisierten soliden Tumoren untersucht. Frau Bulëza Koci, Apothekerin und Geschäftsführerin der Eurozyto GmbH war in die Gestaltung der Studie involviert und gibt in diesem Interview weitere Informationen zu diesem Thema.
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Frau Koci, welchen Stellenwert hat Ihres Erachtens die patientenindividuelle parenterale Ernährung für onkologische Patienten?

Bulëza Koci
Bulëza Koci
Gerade im onkologischen Bereich ist festzustellen, dass die Ernährungspflicht als unterstützende Maßnahme bei onkologischen Erkrankungen, insbesondere bei gastrointestinalen Tumoren, an Bedeutung gewinnt.

Die einfache Kaloriengabe im Falle einer (aufkommender) Kachexie wird als häufigste Indikation für die Ernährungsgabe angesehen. Neueren Erkenntnissen zufolge gilt aber auch, dass die parenterale Ernährung als therapeutische Unterstützung während der Chemotherapie oder in den Intervallen zur Aufrechterhaltung der Vitalfunktion bei einem Krebspatienten wichtig sein kann. Damit einhergeht die Verbesserung des Allgemeinzustandes und die Erhaltung der Therapiefähigkeit, insbesondere bei Patienten, die bereits mehrere Zyklen bekommen müssen oder hinter sich haben.

Wünschenswert wäre, dass zukünftige Studien auch den therapeutischen Wert einer parenteralen Ernährung und insbesondere die Individualisierung der Zusammensetzung auf die Bedürfnisse des Patienten bewerten würden. In der PEKANNUSS-Studie wird dieser Aspekt zum Teil beobachtet, in dem der Eurotube-Arm in Glucose-reduziert und nicht reduziert aufgeteilt wurde.
 

Was ist das besondere an den eingangs erwähnten und bspw. in der PEKANNUSS-Studie verwendeten Eurotubes®?

Hierbei handelt es sich um patentierte Infusionsbeutel für die parenterale Ernährung, die neben den bis zu 3 Hauptkammern für die Makronährstoffe Aminosäuren, Fett und Kohlenhydrate noch einen sogenannten Therapieblock mit 6 Kammern für die Befüllung von Mikronährstoffen wie beispielsweise Vitamine, Spurenelemente und Elektrolyte sowie weiterer benötigter Arzneimittel (bei Vorliegen entsprechender Stabilitätsdaten) im Reinraum unter aseptischen Bedingungen enthalten. Dadurch entfallen jegliche Manipulationen vor Ort, die normalerweise unter nicht steriler Bedingung (bei dem Patienten zu Hause) stattfinden. Zusätzlich wird das System mit einem schon angeschlossenen und entlüfteten Infusionsset geliefert (Ready-to-connect), sodass der Prozess beim Patienten auf nur drei Schritte reduziert wird – Kammern öffnen, Mischen und Beutel konnektieren.

Aus diesem Grund sprechen wir von einem Ready-to-connect Beutel, bei dem die Zubereitung schon komplett mit allen Ernährungsbestandteilen vorgefüllt und ein Infusionsset konnektiert ist. Das Ready-to-connect Konzept reduziert nicht nur die Kontaminationsrisiken sondern bringt auch für das Pflegepersonal ggf. den Patienten selbst eine deutliche Zeitersparnis, da keine weitere Manipulation vor Ort nicht nötig ist.

Diese Tubes ermöglichen, dass sich der Patient selbstbestimmt versorgen kann, da sich die Kammern leicht vermischen lassen und durch das „Ready-to-connect“-System durch den Patienten ohne Unterstützung selbst anhängen lassen.

Ernährungstherapeutische Maßnahmen bei Tumorkachexie

Ernährungstherapeutische Maßnahmen bei Tumorkachexie
©aamulya - stock.adobe.com

Mangelernährung und Tumorkachexie werden bei ca. 40% der onkologischen Patienten diagnostiziert. Die Prävalenz ist abhängig von der Tumorlokalisation sowie dem Stadium der Erkrankung und kommt bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren, Ösophagus-, Pankreas-, Magen- und Lungentumoren mit 60-85% am häufigsten vor (1, 2). Ein krankheitsbedingter, ungewollter Gewichtsverlust ist nicht nur mit körperlicher Schwäche, höherer... Lesen Sie mehr!
 

Welche Erkenntnisse haben zur Entwicklung dieser neuartigen Beutelsysteme geführt?

Zum einen besteht bei Manipulationen am Beutel vor Ort immer die Gefahr der Eintragung von Keimen in die Infusionslösung und/oder der Kontamination von Port- und Kathetersystemen. Um dieses Risiko zu minimieren wurde ein Beutel entwickelt, der jegliche Art von Manipulation vor Ort ausschließen soll. Zum anderen eröffnen die neuartigen Beutelsysteme durch die sehr einfache Handhabung die Möglichkeit, dass sich der Patient autark mit seiner Ernährungslösung versorgen kann. Dadurch ist der Patient, sofern er keine anderen Leistungen des Pflegedienstes benötigt, nahezu unabhängig von externer Hilfe. Dieses ist insbesondere zu den Zeiten eines „Pflegenotstandes“ essenziell.

Für welche Patientengruppen ist diese Form der Beutel besonders geeignet?

Grundsätzlich ist der Beutel für alle Patienten, die eine patientenindividuelle parenterale Ernährung benötigen, geeignet. Diesen Fall sehen wir am häufigsten bei Kurzdarmpatienten, Kindern und onkologischen Patienten.
Insbesondere bei onkologischen Patienten, die aufgrund von hohen Entzündungsparametern eine höhere Konzentration von Omega-3-Fetten benötigen und solchen, bei denen aufgrund der Erkrankung eine deutliche Reduktion der Kohlenhydratgabe angebracht ist. Dort wo vermehrt Muskelmasse abgebaut wird, kann auch eine höhere Konzentration von Aminosäuren hilfreich sein.

Die im Rahmen der PEKANNUSS-Studie u.a. zum Einsatz kommenden Beutel bieten ideale Voraussetzungen, um komplexe Ernährungsregime im Bereich der onkologischen Versorgung möglich zu machen und sollten deshalb im Rahmen der Studie weiter evaluiert werden.

Weitere Details zu dieser Studie finden Sie auch unter: https://www.journalonko.de/studien/details/pekannuss_nct04105777

Quelle: journalonko.de


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