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Medizin

17. September 2020 HCC: Vielversprechender Therapieansatz mit Atezolizumab + Bevacizumab

Krebsimmuntherapeutika haben die Onkologie nachhaltig verändert: In zahlreichen Indikationen konnten entscheidende Therapiefortschritte erzielt und die Prognose von vielen Patienten deutlich verbessert werden. Nun zeichnet sich erneut ein Therapiedurchbruch ab. Mit der Phase-III-Studie IMbrave150 konnte seit mehr als einer Dekade eine signifikante Verbesserung für Patienten mit fortgeschrittenem oder nicht-resezierbarem hepatozellulärem Karzinom (HCC) erreicht werden. Der Einsatz von Atezolizumab (Tecentriq®) in Kombination mit Bevacizumab (Avastin®) war in der Erstlinienbehandlung hinsichtlich des Überlebensvorteils dem aktuellen Standard Sorafenib deutlich überlegen: Das Mortalitätsrisiko wurde signifikant um 42 % reduziert (1).
Klinisch relevante Vorteile ergaben sich mit der gut verträglichen Kombinationstherapie auch bezüglich des progressionsfreien Überlebens sowie der Lebensqualität (1). Die Kombinationstherapie befindet sich im Zulassungsverfahren. Welche Perspektiven sich damit für Patienten eröffnen, wurde auf dem diesjährigen virtuellen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) diskutiert.

Mit etwa 9.000 Erkrankungen jährlich gehört das HCC in Deutschland zu den zehn häufigsten Krebstodesursachen, Tendenz steigend (2). Weniger als 50% der Patienten mit fortgeschrittenem HCC überleben mehr als ein Jahr nach der Diagnose (3). „Seit vielen Jahren haben wir auf eine wesentliche Verbesserung in der Therapie für unsere HCC-Patienten gewartet”, erläuterte Prof. Dr. Michael Bitzer, Tübingen, im Rahmen des DGVS-Symposiums. „Die Daten der IMbrave150-Studie sind sehr vielversprechend und ich bin optimistisch, dass wir mit der Kombination aus Atezolizumab und Bevacizumab nun einem neuen Standard zur Behandlung von HCC-Patienten entgegenblicken“, resümierte Prof. Dr. Bitzer. Die multizentrische, randomisierte und offene Phase-III-Studie IMbrave150 untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von Tecentriq in Kombination mit Avastin vs. Sorafenib (Randomisierung 2:1) bei 501 Patienten mit fortgeschrittenem oder nicht-resezierbarem HCC.

Längeres Überleben ohne Progression möglich

„Als Studienarzt habe ich bereits Erfahrungen mit den beiden Substanzen in der Klinik sammeln können. Aus meiner Sicht können wir mit dem Kombinationsansatz eine deutliche therapeutische Verbesserung für unsere Patienten erreichen und das bei Erhalt der Lebensqualität“, schilderte Prof. Dr. Marcus-Alexander Wörns, Mainz. Das Mortalitätsrisiko war mit der Kombination aus Tecentriq und Avastin (n=336) signifikant um 42% reduziert (HR: 0,58, 95%-KI: 0,42-0,79; p=0,0006) und das mediane OS zum Zeitpunkt der Analyse noch nicht erreicht (NE vs. 13,2 Monate unter Sorafenib; n=165). Das Progressionsrisiko war signifikant um mehr als 40% reduziert (medianes PFS: 6,8 vs. 4,3 Monate unter Sorafenib; HR: 0,59; 95%-KI: 0,47-0,76; p < 0,0001) (1).

Längerer Erhalt der Lebensqualität durch Krebsimmuntherapie

Neben der Wirksamkeit ist inzwischen der Erhalt der Lebensqualität ein wichtiger Aspekt für die Therapieentscheidung bei onkologischen Erkrankungen. Die Behandlung mit der gut verträglichen Kombinationstherapie sorgte für einen längeren Erhalt der von Patienten angegebenen Lebensqualität (11,2 Monate vs. 3,6 Monate unter Sorafenib; HR: 0,63; 95%-KI: 0,46 – 0,85) (1, 4). Die Sicherheit und Verträglichkeit entsprach den bekannten Profilen der Einzelsubstanzen.

Synergistischer Wirkansatz unterstützt Tumorabwehr

Eine wichtige Grundlage für die Wirksamkeit und Sicherheit von Tecentriq und Avastin sind die Wirkmechanismen der beiden Substanzen: Durch die Kombination wird ein immunogenes Umfeld im Tumor geschaffen. Während die Therapie mit Avastin die VEGF-bedingte Immunsuppression inhibiert, unterstützt Tecentriq die T-Zell-Aktivierung und stellt die Anti-Tumor-Immunität des Organismus wieder her. Die Kombination ist der bisherigen Standardtherapie bei der Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem oder nicht-resezierbarem HCC signifikant und klinisch bedeutsam überlegen.

Quelle: Roche

Literatur:

(1) Finn RS et al., N Engl J Med 2020; 382(20):1894-1905
(2) www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2019/kid_2019_c22_leber.pdf
(3) Giannini EG et al.: Hepatology 2015; 61:184–190
(4) Galle PR et al., J Clin Oncol 2020; 38(Suppl. Abstract 476)


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