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Medizin

20. November 2017
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Fortgeschrittene gastrointestinale Tumoren: Überlebensvorteil für vorbehandelte Patienten mit Ramucirumab

Ein fest etablierter Therapiestandard in der Zweitlinientherapie fortgeschrittener Adenokarzinome des Magens und des gastroösophagealen Übergangs ist der VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor)-Rezeptor-2-Antikörper Ramucirumab (CYRAMZA®)*. Für Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom (mCRC) bietet Ramucirumab in der Zweitlinientherapie eine weitere wirksame Behandlungsoption (1). Zur Therapie mit Ramucirumab, neuen Erkenntnissen zu Biomarkern, der Behandlungssequenz und dem Risikofaktor Mangelernährung informierten Experten im Rahmen eines Symposiums bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. (DGHO) 2017 in Stuttgart.
Maligne Tumoren können im gesamten Gastrointestinaltrakt entstehen, die Inzidenz der einzelnen Entitäten variiert allerdings stark. Zu den häufigsten Formen zählen das Magenkarzinom und die Karzinome des Kolons oder Rektums, die zusammengenommen in Deutschland einen Anteil von etwa 25% an allen Krebsneuerkrankungen haben (2).

Zulassungsstudie RAISE

Für die Wahl der Zweitlinientherapie relevant sei die Beobachtung, dass sich das Spektrum proangiogener Faktoren unter der Erstlinientherapie und vor der Progression verändert, so Kasper (4,5). Insbesondere komme es zu einem Anstieg von PlGF (plazentarer Wachstumsfaktor) und VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor)-D. Dies sei eine mögliche Rationale für den Einsatz des therapeutischen Antikörpers Ramucirumab, der sich spezifisch gegen die extrazelluläre Domäne des VEGF-Rezeptors 2 richtet und das Binden u.a. von VEGF-D blockiert und damit die Aktivierung des Rezeptors verhindert. Der VEGF-Rezeptor 2 gilt als wichtigster Mediator sowohl der physiologischen als auch der pathologischen Angiogenese (6,7).

In der für die Zweitlinientherapie des mCRC zulassungsrelevanten Phase-III-Studie RAISE hatten die Studienteilnehmer unter der Behandlung mit Ramucirumab plus FOLFIRI (5-Fluorouracil, Folinsäure, Irinotecan) ein medianes Gesamtüberleben (OS) von 13,3 Monaten im Vergleich zu 11,7 Monaten unter Placebo plus FOLFIRI erreicht (8). Dies entsprach einer Risikoreduktion um 16% zugunsten der Behandlung mit Ramucirumab (Hazard Ratio (HR) 0,844; 95%-Konfidenzintervall (KI): 0,73-0,98; p=0,0219). Der Überlebensvorteil wurde konsistent in allen vordefinierten Subgruppen erreicht (9).

Primäre Tumorlokalisation entscheidet über Therapiewahl

Wie Prof. Dr. Stefan Kasper, Essen, berichtete, gab es beim Kolorektalkarzinom in der letzten Zeit einige interessante Forschungsergebnisse, aus denen sich Konsequenzen für die Therapie und die Prognose der Patienten ergeben haben. „Wir wissen heute, dass Darmtumoren eine biologisch heterogene Gruppe sind, deren molekulare und phänotypische Charakteristika in Abhängigkeit von der Primärlokalisation des Tumors variieren“, so Kasper. Die Differenzierung zwischen links- und rechtsseitigen Tumoren sei bei Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom (mCRC) klinisch relevant: „So haben mCRC-Patienten mit RAS (Rat Sarcoma)-Wildtyp-Tumor, deren Primarius im rechtsseitigen Kolon lokalisiert ist, eine schlechtere Prognose als Patienten, deren Primärtumor distal der splenischen Flexur gelegen ist“, so der Onkologe (3). Die Lokalisation des Tumors und der RAS-Status seien zurzeit die für die Wahl der Erstlinientherapie entscheidenden, evidenzbasierten Faktoren.

Erste potenziell prädiktive Biomarker identifiziert

„Kürzlich konnte eine weitere, ergänzende, retrospektive und explorative Analyse der RAISE-Daten zeigen, dass die Effektivität von Ramucirumab möglicherweise von der erreichten Plasmakonzentration abhängt: Je höher diese war, desto länger schienen die Patienten zu überleben“, informierte Kasper (10). Die erreichte Plasmakonzentration könne damit möglicherweise als „On-Treatment-Marker“ in zukünftigen Studien eingesetzt werden. „Ebenfalls als möglicher prädiktiver Marker für das Ansprechen auf die antiangiogene Behandlung könnte VEGF-D geeignet sein“, so Kasper (11). Die VEGF-D-Spiegel hätten eine konsistente Assoziation zum OS und zum progressionsfreien Überleben (PFS) gezeigt. Diese Analyse muss noch durch weitere Untersuchungen bestätigt werden und hat derzeit noch keine klinische Relevanz.
 
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