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Medizin

22. Mai 2019 VTE bei Tumorpatienten: DOAK bei stabilen Patienten empfehlenswert

Bei Tumorpatienten treten venöse Thromboembolien (VTE) 4-7 Mal häufiger auf und gehen mit einer schlechteren Prognose und erhöhtem Risiko für VTE-Rezidive und schwere Blutungen unter einer Antikoagulation einher. Diese überaus ungünstige Risikokonstellation verkompliziert die Therapiewahl. Empfohlen werden primär niedermolekulare Heparine (NMH), doch in bestimmten Fällen sind auch direkte orale Antikoagulantien (DOAK) wie Apixaban eine sinnvolle Alternative.
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Tumor-Screening bei VTE-Patienten empfehlenswert

Gut 20% aller neu diagnostizierten VTE treten als Erstmanifestation oder Folgekomplikation einer Krebserkrankung auf, ungefähr 10% der Tumorpatienten versterben an einer VTE, so Prof. Dr. Sebastian Schellong, Dresden. Folglich ist bei VTE-Patienten ein Tumor-Screening empfehlenswert. Das Management von Patienten mit tumorassoziierten VTE gestaltet sich entsprechend schwierig, stets sind potenzielle Wechselwirkungen von Antikoagulation und antitumoraler Medikation zu beachten.

Einfacheres Handling mit DOAK

In den aktuellen Leitlinien wird empfohlen, bei Patienten mit tumorassoziierten VTE in der Akut- und frühen Erhaltungstherapie für 3-6 Monate ein niedermolekulares Heparin (NMH) einzusetzen, erläuterte Prof. Dr. Rupert Bauersachs, Darmstadt. Denn sowohl in der CLOT- als auch CATCH-Studie traten VTE-Rezidive unter NMH gegenüber Vitamin-K-Antagonisten (VKA) deutlich seltener auf. Ein einfacheres Handling würden DOAK ermöglichen, die in Subgruppenanalysen zu Phase-III-Studien in dieser Situation gleichfalls Vorteile im Vergleich zu VKA aufwiesen. Inzwischen wurden folglich mehrere DOAK bei onkologischen Patienten einem Head-to-head-Vergleich mit NMH unterzogen.

Signifikant weniger VTE-Rezidive unter Apixaban

Bereits in der Hokusai-VTE Studie konnte für Edoxaban eine versus Dalteparin numerisch geringere Rate an VTE-Rezidiven nachgewiesen werden, jedoch wurden auch signifikant mehr schwere Blutungen gesehen, speziell im Gastrointestinal (GI)-Trakt. Vielversprechend sind daher erste Ergebnisse der ADAM-VTE-Studie, betonte Bauersachs. So kam es unter Apixaban (Eliquis®) 2x10 (bis Tag 8) bzw. 2x5 mg/Tag gegenüber Dalteparin in Monat 3 sowohl zu signifikant weniger VTE-Rezidiven (p=0,03) als auch im Trend zu weniger schweren Blutungen (p=0,14). Jedoch waren bei nur 300 Patienten die Ereignisraten zu niedrig, um ausreichend aussagekräftig zu sein. Aus diesem Grund wurde die CARAVAGGIO-Studie aufgelegt, in der Apixaban nun bei 1.186 Patienten über 6 Monate erneut gegen Dalteparin geprüft wird.

DOAK nur bei stabilen Patienten empfohlen

Aufgrund der bisherigen Evidenz für DOAK sieht Bauersachs im Einklang mit aktuellen Expertenempfehlungen deren Platz bei stabilen Patienten mit geringem Risiko für Blutungen und Wechselwirkungen. Bei schlechter Prognose, Metastasierung, Chemotherapie, Tumoren im GI- oder Urogenitalbereich sowie einem hohen Blutungsrisiko sollte zunächst weiter NMH der Vorzug gegeben werden.

Dr. Michael Lohmann

Quelle: Satellitensymposium „Venöse Thromboembolie in besonderen Lebenslagen“, DGIM, 05.05.2019, Wiesbaden; Veranstalter: Bristol-Myers Squibb


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