Samstag, 21. September 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

Medizin

07. September 2016 Langzeitdaten zeigen Krankheitsstabilisierung unter oraler Gaucher-Therapie mit Eliglustat über 4 Jahre

Auf dem Jahrestreffen der European Working Group on Gaucher Disease (EWGGD) in Saragossa wurden Zwischenergebnisse (1) der Verlängerung der ENCORE-Studie vorgestellt. Diese hatte wesentlich zur Zulassung von Eliglustat (Cerdelga®)  als erste orale First-Line-Therapie für Morbus Gaucher Typ 1*  beigetragen (2). Die neuen Studienergebnisse zeigen, dass die 4 wesentlichen Krankheitsparameter Milz- und Lebervolumen, Thrombozytenzahl und Hämoglobinwert unter Eliglustat im Vergleich zum Ausgangswert auch über 4 Jahre hinweg stabil blieben. Dies erhöht die Evidenz, diese Therapie als Alternative zur bereits bewährten Enzymersatztherapie (EET) mit Imiglucerase (Cerezyme®) einzusetzen. Zur Unterstützung der Ärzte hierbei existieren neue Empfehlungen, die zeigen, welche Patienten für die Therapie mit Eliglustat geeignet sind und worauf vor und während der Therapie zu achten ist (3).
Anzeige:
Im Rahmen der Zulassungsstudien (2,4) belegte die 52-wöchige ENCORE-Studie die Nichtunterlegenheit von Eliglustat gegenüber der Enzymersatztherapie mit Imiglucerase bei 159 mit EET vorbehandelten Patienten und stabiler Erkrankung (2). Primärer kombinierter Studienendpunkt war dabei die Stabilisierung in den vier Krankheitsparametern Milz und Lebervolumen, Thrombozytenzahl und Hämoglobinwert, den 84,8% der Patienten unter Eliglustat gegenüber 93,6% im Vergleichsarm erreichten (1)**. Ziel der offenen Studienverlängerung (n=157) waren die Langzeitwirksamkeit und -sicherheit von Eliglustat (1).

Für die Zwischenauswertung lagen Daten von 46 Patienten vor, die 4 Jahre lang mit der oralen Therapie behandelt worden waren. Betrachtete man die Krankheitsparameter einzeln, waren jeweils mehr als 91% der Patienten über diesen Zeitraum stabil geblieben; im kombinierten Studienendpunkt aus allen vier Parametern waren es 85%. Alle in der Literatur für Morbus Gaucher publizierten therapeutischen Ziele erreichten mehr als 92% der Patienten, jedes Ziel individuell mehr als 94% (1).

"Die 4-Jahresdaten haben die 2- und 3-Jahresdaten hinsichtlich der Wirksamkeit bestätigt. Cerdelga® scheint auch über vier Jahre eine sehr wirksame Substanz zu sein", kommentierte Prof. Dr. Claus Niederau, Oberhausen, Gaucher-Experte und Studienleiter der ENCORE-Studie, die Ergebnisse. "Zudem blieb die Knochendichte während des gesamten Zeitraums im Normbereich (1) – ebenfalls ein wichtiges Ergebnis, weil Knochenmanifestationen die Morbidität bei Morbus Gaucher besonders stark beeinflussen können" (5).

Zwischenergebnisse belegen langfristig gute Verträglichkeit

Die aktuelle Auswertung bestätigt darüber hinaus die aus den Zulassungsstudien bekannte gute Verträglichkeit von Eliglustat (1). Dazu Prof. Niederau: "Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass die meisten unerwünschten Ereignisse in den ersten Tagen und Wochen auftraten, nach Woche acht dagegen nur noch sehr selten. Erwartungsgemäß zeigten sich daher in den 4-Jahresdaten keine neuen Sicherheitssignale." Eine ebenfalls in Saragossa präsentierte separate gepoolte Sicherheitsanalyse von vier Studien zu Eliglustat mit insgesamt 393 Patienten (535 Patientenjahre) zeigte zudem, dass die Mehrheit der unerwünschten Ereignisse gelegentlich auftrat, nicht schwerwiegend war sowie weniger als zwei Wochen andauerte und somit kurzfristig war (6).

Studie zeigt Wirksamkeit auch bei Subgruppe therapienaiver Patienten

In das weltweit größte bei Morbus Gaucher durchgeführte Studienprogramm wurden neben den vorbehandelten auch 40 therapienaive Patienten eingeschlossen (ENGAGE-Studie). In der initialen randomisierten verblindeten Studienphase über neun Monate hatte sich bei ihnen das Milzvolumen unter Eliglustat im Vergleich zu Placebo um durchschnittlich 30% reduziert*** (4,7). Während der offenen Verlängerungsphase verringerte sich das Milzvolumen unter der Therapie mit Eliglustat weiter: Nach 18 Monaten zeigten alle Patienten eine Reduktion des Milzvolumens um ≥ 20%, wobei die durchschnittliche Verringerung 44,61% betrug (7). Auch alle sekundären Endpunkte (Reduktion des Lebervolumens, Anstieg von Thrombozytenzahl und Hämoglobinwert) wurden nach neun Monaten erreicht (2) sowie eine weitere Verbesserung nach 18 Monaten beobachtet (7). Dies gilt auch für den Bone Marrow Burden Score, mit dem die Knochenmarksinfiltration beurteilt wird und der in dieser Studie als Parameter für die Knochenbeteiligung diente (4,7).

Fazit

Weil sie eine größere Flexibilität bietet, bestand bei Gaucher-Patienten der Wunsch nach einer oralen Behandlungsmöglichkeit. Denn auch wenn die Infusion der Enzymersatztherapie selbst nur etwa eine Stunde dauert, kommen doch immer An- und Abfahrt sowie Wartezeiten beim Arzt dazu. "Für den Patienten bedeutet die orale Therapie demnach, dass er mindestens einen zusätzlichen halben Tag mehr für sich oder für die Arbeit, die Familie oder andere Dinge hat", so Prof. Niederau. Als erste orale First-Line-Therapie bei Morbus Gaucher Typ 1 ist Eliglustat in Deutschland seit 2015 verfügbar (7). Es ist indiziert zur Langzeitbehandlung von erwachsenen Patienten mit Morbus Gaucher Typ 1, die langsame, intermediäre oder schnelle Metabolisierer in Bezug auf Cytochrom-P450 Typ 2D6 (CYP2D6) sind (7).

Die jetzt präsentierten Daten der Verlängerungsstudie zeigen die Langzeitwirksamkeit von Eliglustat über 4 Jahre (1) und können so Arzt und Patient noch mehr Vertrauen geben, Eliglustat als Alternative zur bewährten intravenösen Therapieoption Cerezyme® einzusetzen. Um Ärzten bei dieser Entscheidung zu helfen, hat eine europäische Expertengruppe nun Empfehlungen veröffentlicht, in denen die Voraussetzungen für den Einsatz von Eliglustat sowie das Therapiemanagement konkret erläutert werden (3).

Vorgehen bei einem Morbus Gaucher-Verdachtsfall

- Einfache Messung der Enzymaktivität der β-Glukozerebrosidase mittels Trockenblutkarte
- Genzyme GmbH, Deutschland, Teil von Sanofi, unterstützt die Diagnostik-Initiative für lysosomale Speicherkrankheiten von Archimed Life Science GmbH. Daher kann Archimed Ärzten die Trockenblut-Testung kostenfrei anbieten. Nutzen Sie die kostenfreie Service-Hotline 0800/1115200 zur Bestellung des Trockenblut-Tests.
- Bei positivem Befund auf Morbus Gaucher empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit einem spezialisierten Behandlungszentrum.

* Indiziert zur Langzeitbehandlung von erwachsenen Patienten mit Morbus Gaucher Typ 1, die langsame, intermediäre oder schnelle Metabolisierer in Bezug auf Cytochrom-P450 Typ 2D6 (CYP2D6) sind (7,1).
** Bei Patienten mit stabilem Krankheitsverlauf, die von einer Enzymersatztherapie auf Eliglustat umgestellt werden, sollte zur Sicherstellung eines weiterhin stabilen Krankheitsverlaufes eine regelmäßige Kontrolle (z. B. nach 6 Monaten und anschließend in regelmäßigen Abständen) hinsichtlich aller Krankheitsmanifestationen des Morbus Gaucher erfolgen. Eine Wiederaufnahme der Enzymersatztherapie oder eine alternative Behandlungsmethode sollte im Einzelfall bei Patienten in Betracht gezogen werden, die unzureichend ansprechen.
*** Einige therapienaive Patienten zeigten eine Verringerung des Milzvolumens um weniger als 20 % nach 9 Behandlungsmonaten. Für diese Patienten sollte eine Überwachung hinsichtlich einer weiteren Verbesserung oder eine alternative Behandlungsmethode in Betracht gezogen werden.

Quelle: Sanofi Genzyme

Literatur:

(1) Goker-Alpan O et al. 12th EWGGD 2016; 29.6.-2.7.2016, Zaragoza; Abstract 20
(2) Cox TM et al. Lancet 2015; 385: 2355-2362
(3) Belmatoug N et al. Eur J Intern Med. 2016. ug 10. pii: S0953-6205(16)30217-5. doi: 10.1016/j.ejim.2016.07.011. [Epub ahead of print]
(4) Mistry PK et al. JAMA 2015; 313: 695-706
(5) Goker-Alpan O. Mol Genet Metab 2011; 104 :438-447
(6) Peterschmidt JM et al. 12th EWGGD 2016; 29.6.-2.7.2016, Zaragoza; Abstract 46
(7) Fachinformation Cerdelga®, Stand März 2015


Das könnte Sie auch interessieren

Krebstherapie-Nebenwirkungen wirksam bekämpfen, Patienten unterstützen – Bundesweit gültige Leitlinie verabschiedet

Krebstherapie-Nebenwirkungen wirksam bekämpfen, Patienten unterstützen – Bundesweit gültige Leitlinie verabschiedet
© vitanovski / Fotolia.com

Etwa eine halbe Millionen Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Krebs. Für viele ist die Behandlung mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden, die die Lebensqualität der Patienten deutlich beeinträchtigen. Doch längst gibt es wirksame Therapien, um Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen besser in den Griff zu bekommen. Die so genannten unterstützenden oder Supportiven Therapien haben in den vergangenen Jahren eine enorme Entwicklung genommen.

Aktionswoche zur Aufklärung über Kopf-Hals-Krebs

Aktionswoche zur Aufklärung über Kopf-Hals-Krebs
© Merck Serono

Merck, ein führendes Wissenschafts- und Technologieunternehmen, hat heute bekannt gegeben, dass es sich auch in diesem Jahr an der Aktionswoche zu Kopf-Hals-Krebs beteiligt. Diese wird zum vierten Mal von der Europäischen Kopf-Hals-Gesellschaft (engl.: European Head and Neck Society, EHNS) initiiert und findet vom 19. bis 23. September 2016 statt. Im Rahmen der europaweiten Aktivitäten veranstalten mehrere deutsche Kliniken und Kopf-Hals-Zentren Patiententage und bieten...

Vom Telemedizin-Netzwerk bis zur Ersthelfer-App: Medizintrends mit Zukunft

Die Deutschen werden immer älter. Chronische Leiden wie Demenz oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen künftig das Gesundheitssystem auf die Probe. Medizinforscher und Gesundheitsexperten aller Branchen arbeiten längst unter Hochdruck an neuen Lösungen für die Gesundheitsversorgung von morgen. In die Karten spielen ihnen dabei die Digitalisierung und der Trend zur Vernetzung im Gesundheitswesen. Das zeigt auch der Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der...

11. Krebsaktionstag: Austausch zu Alltagsfragen

11. Krebsaktionstag: Austausch zu Alltagsfragen
Universitätsklinikum Ulm

Senkt Sport das Rückfallrisiko bei Krebs? Welcher Badeanzug steht mir nach der Brustamputation? Wie ernähre ich mich so, dass ich fit bleibe? Um diese und weitere Fragen dreht sich der 11. Krebsaktionstag der Medizinisch-Onkologischen Tagesklinik (MOT) der Klinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Ulm. Krebspatient*innen, Angehörige und Interessierte sind am Freitag, den 14.09.2018 herzlich eingeladen, sich von 10.00 bis 16.30 Uhr bei kostenfreien Vorträgen...

Männer sind Vorsorgemuffel bei Krebsfrüherkennung

Männer sind Vorsorgemuffel bei Krebsfrüherkennung
© deagreez / Fotolia.com

In Deutschland geht nur gut jeder neunte Mann zur Prostatakrebsvorsorge. 4,65 Millionen und zwar 11,7 Prozent aller anspruchsberechtigten Bürger nahmen im Jahr 2014 die kostenlose Früherkennungsuntersuchung wahr, wie die BARMER GEK zum Weltmännertag am 3. November mitteilt. Damit bleiben Männer Präventionsmuffel. Denn im Jahr 2010 absolvierten 11,41 Prozent den Check. „Eine Krebsvorsorgeuntersuchung kann Leben retten. Je früher Krebs erkannt wird, desto...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

" Langzeitdaten zeigen Krankheitsstabilisierung unter oraler Gaucher-Therapie mit Eliglustat über 4 Jahre "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.