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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
27. Dezember 2012

Everolimus und Octreotid LAR zur Therapie von NET in den ENETS-Leitlinien empfohlen

Kann ein neuroendokriner Tumor nicht operativ entfernt werden, stehen in palliativer Intention verschiedene Medikamente zur Verfügung. In den Leitlinien der European Neuroendocrine Tumor Society (ENETS) wird je nach Tumorlokalisation eine medikamentöse Behandlung mit einer Biotherapie (z.B. Octreotid LAR) oder einer zielgerichteten Therapie (z.B. Everolimus) empfohlen. Bei progredienten metastasierten pankreatischen NET (pNET) G1/G2 wird der mTOR-Inhibitor Everolimus als sichere und zugelassene Therapieoption zur Tumorstabilisierung genannt. Das Somatostatin-Analogon Octreotid LAR gilt als Therapie der Wahl bei funktionell aktiven NET G1/G2 unabhängig von der Lokalisation des Primärtumors. Es wird außerdem auch als antiproliferative Therapie bei funktionellen und nicht funktionellen NET G1 des Mitteldarms empfohlen (1).

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Die einzig kurative Option bei neuroendokrinen Tumoren (NET) ist die chirurgische Entfernung des Tumors, erklärte Prof. Detlef K. Bartsch, Marburg, im Rahmen einer Pressekonferenz. Doch häufig ist dies wegen bereits vorhandener Fernmetastasierung nicht möglich. In diesem Fall stehen verschiedene therapeutische Optionen zur Verfügung. Wie Prof. Thomas Seufferlein, Ulm, erläuterte, werden die NET zunächst anhand ihres Ursprungs, ihrer Malignität und ihrer Funktionalität eingeteilt und dann einem den Leitlinien entsprechenden Algorithmus behandelt (Abb. 1).
 

Therapeutische Strategien bei metastasierten nicht resektablen pNET
Abb. 1: Therapeutische Strategien bei metastasierten nicht resektablen pNET der ENETS-Consenus-Leitlinien (modifiziert nach (1)).
 

Die Empfehlungen zu Everolimus in den Leitlinien basieren auf der placebokontrollierten Phase-III-Studie RADIANT 3 (2). Prof. Marianne Pavel, Berlin, fasste die Ergebnisse dieser Studie zusammen: Der mTOR-Inhibitor verlängerte das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) im Vergleich zu Placebo statistisch signifikant auf mehr als das Doppelte (11,0 vs. 4,6 Monate; HR=0,35; 95% CI 0,27-0,45; p<0,0001). Das Risiko einer Tumorprogression wurde um 65% reduziert (p<0,0001) (2). Eine Subgruppenanalyse zeigte, dass Everolimus auch bei Chemotherapie-naiven Patienten im Vergleich zu Placebo zu einem signifikant verlängerten PFS führte (11,4 vs. 5,4 Monate; HR=0,42; 95% CI 0,29-0,60; p<0,001) (3). Daher gibt es in den ENETS-Leitlinien die Option, Everolimus in ausgewählten Fällen auch vor Chemo- oder loko-re-gionärer Therapie einzusetzen (1).

Bei funktionellen, d.h. Hormon-sezernierenden NET erfordert die klinische Symptomatik häufig eine schnelle Kontrolle. Hierfür ist das Somatostatin-Analogon (SSA) Octreotid als Therapie geeignet. In der Dauerbehandlung zeigt es eine wirksame und bewährte Symptomkontrolle bei funktionellen NET unabhängig von der Lokalisation des Primärtumors: So wurde im Rahmen einer Studie gezeigt, dass Flush-Anfälle, die den Alltag stark beeinträchtigen, unter Octreotid LAR um 84% reduziert werden (4).

Basierend auf den Ergebnissen der randomisierten, placebokontrollierten Phase-III-Studie PROMID (5), empfehlen die ENETS-Guidelines Octreotid LAR auch als antiproliferative Therapie bei metastasierten, nicht-operablen NET G1 des Mitteldarms (1). In dieser Studie zeigte Octreotid LAR mit 14,3 Monaten eine signifikant längere Zeit bis zur Tumorprogression (TTP) im Vergleich zu Placebo (6,0 Monate; 95% CI 3,7-9,4 Monate; p<0,0001) (5). Wie Seufferlein berichtete, war die TTP sogar noch deutlicher verlängert, wenn man nur die Subgruppe der Patienten betrachtet, deren Tumorlast in der Leber unter 10% lag: Die mediane TTP lag bei 28,78 vs. 6,14 Monaten unter Placebo; p<0,0001, HR=0,21. Außerdem erwies sich Octreotid LAR in den Studie als gut verträglich. Vorteile im Gesamtüberleben konnte nicht nachgewiesen werden. Das liegt laut Seufferlein v.a. an der hohen Cross-over-Rate in die Octreotidgruppe.

Bisherige Untersuchungen zeigten einen Vorteil der gleichzeitigen Gabe von Everolimus und Octreotid LAR gegenüber einer Everolimus-Monotherapie. Ob eine eindeutige Überlegenheit der Kombination vorliegt, wird derzeit in einer Studie evaluiert.

sk

Pressekonferenz „NET - Ein Fall für zwei: Octreotid und Everolimus - Stellenwert in der NET-Therapie nach den ENETS-Guidelines“, DGVS 2012, 21.09.2012, Hamburg; Veranstalter: Novartis Oncology

Literaturhinweise:
(1) Pavel M, et al. Neuroendocrinol 2012; 95:157-176.
(2) Yao JC, et al. N Engl J Med 2011; 364:514-523.
(3) Pommier RF, et al. J Clin Oncol 2011; 29 (Suppl.; Abstr. #4103), ASCO 2011.
(4) Rubin J, et al. J Clin Oncol 1999; 17:600-606.
(5) Rinke A et al. J Clin Oncol 2009; 27:4656-4663.


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