Freitag, 4. Dezember 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Adcetris
Adcetris
JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

03. Juni 2014 ER+, PR+ und Her2/neu-positives Mammakarzinom mit Änderung des Rezeptorstatus

 G. Schaller, München.

Dargestellt wird die Kasuistik einer 57-jährigen Patientin mit einem primär Hormonrezeptor-positiven und Her2/neu-positiven Mammakarzinom, dessen Rezeptorstatus sich im Verlauf in triple-negativ änderte (TNBC). Das TNBC zeigte ein sehr gutes Ansprechen auf eine Therapie mit nab-Paclitaxel (Abraxane®) bzw. Abraxane® + Gemcitabin.

Diagnose

4/2002:
Erstdiagnose eines duktalen Mammakarzinoms links (pT1b, pN0, M0, G2, ER+, PR+, Her2/neu-Status 3+).
7/2008: Erstdiagnose eines duktalen Mammakarzinoms rechts (PT1b, pN0, M0, G2, ER+, PR+, Her2/neu-Status 3+).

Therapie und Verlauf

4/2002: BET und axilläre Dissektion links.
5/2002: Radiotherapie 56 Gy.
4/2002 - 4/2004: Adjuvante Hormontherapie mit GnRH + Tamoxifen 20 mg. Abbruch wegen starker Nebenwirkungen.

7/2008: BET und SNL rechts.
8/2008: Radiotherapie 56 Gy.
7/2008 - 11/2010: Adjuvante Hormontherapie mit GnRH + Tamoxifen 20 mg, nach 3 Monaten Wechsel zu Femara®. Abbruch wegen starker Nebenwirkungen.

6/2009 - 6/2010: Herceptin® Monotherapie (8/6 mg/kg KG q3w für 1 Jahr; Zyklusdauer: 90 min).

11/2010: Rezidiv nach 28 Monaten. Tastbefund einer supraklavikulären Lymphknotenmetastase links nach Vortherapie mit GnRH-Analoga, Tamoxifen, Femara® und Herceptin®.

11/2010 - 12/2012: Palliative Systemtherapie mit Herceptin® (8/6 mg/kg KG; q3w, 90 min), Xeloda® (3000 mg/d, q3w; d1-14), Faslodex®, Zometa® und Radiatio. Darunter kommt es zunächst zu einer Remission.

Änderung des Rezeptorstatus in triple-negativ

12/2012: Lokoregionäres Rezidiv subkutan, flächig linke Thoraxwand und linke Halsregion im Sinne eines "cancer en cuirasse". Histologisch besteht keine HER2-Expression mehr (tripel-negativ). Dagegen besteht eine starke EGFR-Expression.

Abb. 1: SPARC-Expression im Tumorgewebe.
 

12/2012: Beginn einer Therapie mit Lapatinib (fortlaufend), Xeloda®, Celebrex® und Herceptin®. Lapatinib wurde eingesetzt wegen des Progresses unter Herceptin®. Nach einem kurzen Ansprechen setzt ein erneuter Progress ein.

01.03.2013: Beginn einer Therapie mit Abraxane® (150 mg/m2, wöchentl.). Rationale für den Einsatz von Abraxane® ist die starke Expression von Osteonectin (SPARC) im Tumorgewebe (Abb. 1). Insgesamt werden 11 Zyklen verabreicht.

05.05.2013 - 31.07.2013: Abraxane® 150 mg/m2 und Gemcitabin 800 mg/m2, q2w. Unter der Kombinationstherapie besteht ein sehr gutes Ansprechen des Tumors. Nach 3 Zyklen wird die Therapie auf Wunsch der Patientin abgebrochen. Diese will bis zum Jahreswechsel komplementärmedizinische Verfahren ausprobieren.

Beurteilung des Ansprechens und der klinischen Symptomatik

Lymphknotenmetastasen am Hals links und Hautmetastasen am Hals und an der linken Thoraxwand, keine sonstigen Metastasenmanifestationen. Deutlicher Rückgang der lokalen Schmerzen.

November 2013: Patientin ist wieder progredient und will erneut eine Therapie mit Abraxane® und Gemcitabin beginnen.
 

Erfahrungen mit nab-Paclitaxel (Abraxane®) beim metastasierten Mammakarzinom

Mittlerweile gibt es neben einer sehr gut fundierten Studienlage eine große klinische Erfahrung zum Einsatz von Abraxane® beim metastasierten Mammakarzinom - auch als wöchentliches Schema.

Abraxane®-Dosierung: Eine Monotherapie mit 150 mg/m2 Tag 1,8,15, q4w wurde in Studien untersucht und erwies sich als effektiv und sicher applizierbar bei Chemotherapie-naiven Patientinnen (Gradishar 2009; Überblick Daten: Jackisch, et al. Breast, 2012). Insbesondere diese Dosierung ist gut geeignet für fitte Patientinnen.

Die Kombination aus Abraxane® + Gemcitabin wurde in folgenden Studien untersucht:

• Lobo, et al.  2010: Abraxane® + Gemcitabin+Bevacizumab. Dosierung: Gemcitabin 1.500 mg/m2, nab-Paclitaxel 150 mg/m2, und Bevacizumab 10 mg/kg (alle IV) Tag 1+15, q3w.

• Roy, et al. 2009: Nab-Paclitaxel (125 mg/m2) und Gemcitabin (1.000 mg/m2) Tag1+8, q3w inkl. TNBC Patientinnen.
Fazit: Der Einsatz von Abraxane® bei TNBC ist eine interessante Option und wird in der aktuell angelaufenen Phase-II/III-Studie tnAcity untersucht:

Phase II: Alle Patientinnen erhalten an Tag 1+8, q3w nab-Paclitaxel 125 mg/m2 plus Carboplatin AUC 2 ODER nab-Paclitaxel 125 mg/m2 plus Gemcitabin 1.000 mg ODER Carboplatin AUC 2 plus Gemcitabin 1.000 mg.

In Phase III im Anschluss:
Alle Patientinnen erhalten an Tag 1+8, q3w die in der Phase II bestimmte beste Abraxane®-Kombination vs. Carboplatin AUC 2 plus Gemcitabin 1.000 mg.

Lupe
Algorithmus für den Einsatz von nab-Paclitaxel in der wöchentlichen Dosierung beim metastasierten Brustkrebs (nach Jackisch, et al. Breast Care 2012; 7:137-143). (*Bevacizumab 10 mg/kg Tag 1+15, Trastuzumab 4 mg loading dose und 2 mg/kg q1w; + Daten mit Capecitabin und Gemcitabin der Phase-II-Studien)



 

 

Autor:
Prof. Dr. Gerhard Schaller
(Gynäko-Onkologe)

BCI-Breast Care Institute
Zittelstr. 12
80796 München
E-mail: dr.schaller@bci-online.de
 


Anzeige:
Piqray

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"ER+, PR+ und Her2/neu-positives Mammakarzinom mit Änderung des Rezeptorstatus "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab