Samstag, 24. Oktober 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Myelofibrose
Myelofibrose
 

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

01. August 2002 Verträglichere Alternative zum alten Therapiestandard

Harnblasenkarzinom

Die Therapie des fortgeschrittenen Harnblasenkarzinoms stagniert seit nahezu 15 Jahren. In der Chemotherapie ist das M-VAC-Regime quasi Standard. Doch der Überlebensgewinn ist eher mager. Des weiteren kommt es auch zu derart ausgeprägter Toxizität, dass nur wenige Patienten die Therapie zu Ende führen können. Ein besseres Risiko-/Nutzen-Verhältnis verspricht die Kombination aus Gemcitabin und Cisplatin.
Rund 20.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an einem Harnblasenkarzinom. In einem Viertel der Fälle hat der Tumor bei Diagnosestellung schon die Blasenwand durchsetzt. Hier ist die Zystektomie die einzige Behandlung mit Aussicht auf Heilung. Trotzdem treten bei jedem zweiten Patienten innerhalb von 2 Jahren Fernmetastasen auf. Dann besteht die einzige Behandlungsmöglichkeit in einer Chemotherapie. Eine Chance auf längerfristiges Überleben haben aber nur Patienten, bei denen die Therapie zur kompletten Remission führt. Mit den heute verfügbaren Regimen gelingt dies nur bei 20% der Patienten und von diesen überleben nur 25% länger als 6 Jahre. Nebenwirkungen limitieren den Einsatz der Chemotherapie Die Kombination aus Methotrexat, Vinblastin, Doxorubicin und Cispaltin (M-VAC-Schema) hat sich mangels Alternative zum Standard in der palliativen Chemotherapie des metastasierten Harnblasenkarzinoms etabliert. Doch die Langzeit-Überlebensraten liegen bei nur 3,7%. Hohe Toxizitäten und eine therapiebedingte Mortalität von 3-4% limitieren den Einsatz. Viele multimorbide, vor allem ältere Patienten erhalten daher keine Chemotherapie. Seit langem besteht also Bedarf an einer wirksamen aber besser verträglichen Behandlung. 1 Doch erst mit dem Antimetaboliten Gemcitabin ergaben sich diese Möglichkeiten. Phase-II-Studien zeigten bereits eine gute Monoeffektivität dieser Substanz beim lokal fortgeschrittenen/metastasierten Harnblasenkarzinom mit Ansprechraten von median 25%, in Kombination mit Cisplatin lagen die Remissionen bei 41-57%. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf. Entsprechende Ergebnisse erbrachte auch eine große Phase-III-Studie mit mehr als 400 Patienten, die Gemcitabin/Cisplatin (GC) mit dem M-VAC-Schema verglichen hat. Bezüglich Ansprechraten und Überleben waren beide Behandlungen gleich wirksam. Bei den Toxizitäten zeigten sich jedoch gravierende Unterschiede. 0
Nur Anämien und Thrombozytopenie waren unter GC häufiger, ohne dass diese Nebenwirkungen jedoch zu klinischen Problemen führten. Unter M-VAC hingegen litten deutlich mehr Patienten unter neutropenischem Fieber (14% vs. 2%), auch Sepsisfälle waren häufiger (12% vs. 1%). Ebenfalls Mukositis Grad 3/4 und Alopezie war signifikant öfter unter der Vierer-Kombination zu beobachten.
Aufgrund der besseren Verträglichkeit wird die Kombination Gemcitabin/Cisplatin als neuer Standardin der Therapie von Patienten mit fortgeschrittenem Harnblasenkarzinom angesehen. Damit steht auch Patienten mit schlechtem Allgemeinzustand eine Behandlungsoption offen. Bessere Ergebnisse durch neue Kombinationen? Dennoch gehen die Bemühungen weiter, durch neue Kombinationen bessere Behandlungsergebnisse zu erzielen. So prüft gegenwärtig eine Studie der EORTC, ob dies durch eine Kombination GC mit Paclitaxel möglich ist. Ergebnisse aus Phase-II-Studien weisen auf höhere Ansprechraten, mehr komplette Remissionen und eine verlängerte mediane Überlebenszeit unter dieser Dreierkombination hin. Kontrovers wird hingegen immer noch der Nutzen einer neoadjuvanten und auch adjuvanten Chemotherapie diskutiert. Bisherige Studien bringen keine eindeutigen Ergebnisse.

ra

Quelle: Pressekonferenz „5 Jahre Gemzar – ein starker Partner in der Onkologie“, Hamburg 2001


Anzeige:
Empliciti
Empliciti

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Verträglichere Alternative zum alten Therapiestandard"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA25 virtuell
  • Real-life-Daten zur CAR-T-Zell-Therapie bei r/r DLBCL und BCP-ALL zeigen hohe Ansprechraten – neuer Prädiktor für Ansprechen identifiziert
  • CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit r/r DLBCL: TMTV als Prädiktor für frühen Progress
  • Sichelzellerkrankung: Verbesserung der Lebensqualität ist wichtigstes Therapieziel aus Sicht der Patienten – neue Behandlungsoptionen erwünscht
  • PV: Ruxolitinib senkt Hämatokrit und erhöht Phlebotomie-Unabhängigkeit im Real-world-Setting
  • Neuer BCR-ABL-Inhibitor Asciminib bei bisher unzureichend therapierten CML-Patienten in Phase-I-Studie wirksam
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin in Kombination mit Chemotherapie für jüngere und ältere Patienten vergleichbar sicher
  • Real-world-Daten zeigen: Eltrombopag auch bei sekundärer ITP wirksam
  • CML: Hohe Rate an tiefem molekularen Ansprechen nach 24-monatiger Therapie mit Nilotinib in der Zweitlinie
  • Systemische Mastozytose: neuer Prädiktor für das OS entdeckt
  • MF: Real-world-Daten bestätigen relevante Reduktion des Mortalitätsrisikos unter dem Einfluss von Ruxolitinib