Montag, 21. Oktober 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

19. September 2019 Metastasiertes oder lokal fortgeschrittenes kutanes Plattenepithelkarzinom: Fast jeder zweite Patient spricht auf Cemiplimab an

Für Patienten mit metastasiertem oder lokal fortgeschrittenem kutanen Plattenepithelkarzinom (cSCC), die nicht mittels Operation oder Bestrahlung kurativ behandelt werden können, wurde im Juli 2019 mit Cemiplimab ein neuer PD1-Checkpoint-Inhibitor zugelassen. Beim ADO-Kongress in Ludwigshafen präsentierten Experten hochaktuelle Daten, die auf hohe Ansprech- und Krankheitskontrollraten schließen lassen.
Anzeige:
„Basis der Therapie von Menschen mit kutanem Plattenepithelkarzinom bleibt auch nach der aktuellen Version der Leitlinie die Chirurgie", betonte Prof. Dr. Ralf Gutzmer, Hannover. Auch die Radiatio spielt in der im Dezember 2018 verabschiedeten S3-Leitlinie weiterhin eine wichtige Rolle (1). Nicht immer genügen jedoch diese bewährten Therapieoptionen. Für erwachsene Patienten mit metastasiertem oder lokal fortgeschrittenem kutanen Plattenepithelkarzinom, die nicht mittels Operation oder Bestrahlung kurativ behandelt werden können, wurde im Juli 2019 Cemiplimab (Libtayo®) als Monotherapie zugelassen. Es kann in dieser Indikation in jeder Therapielinie eingesetzt werden. „Das ist ein deutlicher Fortschritt, dass wir erstmals für diese Indikation eine Zulassung haben“, so Gutzmer (2).

Phase-II-Studie: Hohe Ansprechraten in beiden vorgestellten Kohorten

Prof. Dr. Axel Hauschild, Kiel, präsentierte aktuelle Studiendaten zur Anwendung von Cemiplimab, die erstmals auf dem ASCO-Kongress Anfang Juni 2019 in Chicago vorgestellt worden waren. So schloss die Phase-II-Studie EMPOWER-cSCC-1 erwachsene, inoperable Patienten mit metastasiertem oder lokal fortgeschrittenem cSCC ein; diese wurden in getrennten Kohorten geführt und ausgewertet.

In der ersten Kohorte erhielten 78 Patienten mit lokal fortgeschrittener Erkrankung Cemiplimab i.v. in der Dosis von 3 mg/kg KG alle zwei Wochen für bis zu 96 Wochen. Von ihnen erreichten 12,8% eine Komplettresponse (CR) und weitere 30,8% ein partielles Therapieansprechen (PR), sodass die Overall Response Rate (ORR) zusammen 43,6% betrug. Zusätzlich wurde bei 35,9% der Patienten eine stabile Erkrankung beobachtet. Eine anhaltende Krankheitskontrolle fand sich bei insgesamt 62,8% der Patienten mit lokal fortgeschrittenem cSCC (3).

Die Daten der 59 Patienten mit metastasiertem cSCC und der oben genannten gewichtsadaptierten Dosis Cemiplimab wurden ebenfalls schon ausgewertet. Auch in dieser Kohorte wurden beachtliche Therapieerfolge erzielt: Fast jeder zweite Patient sprach auf die Behandlung an. Die ORR betrug 49,2%, mit einer CR-Rate von 16,9% und einer PR-Rate von 32,2%. Bei 15,3% der Patienten blieb die Erkrankung stabil. Eine anhaltende Krankheitskontrolle fand sich bei 62,7% der Patienten dieser Kohorte. Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) lag in dieser Kohorte bei 18,4 Monaten. Das mediane Gesamtüberleben (OS) wurde noch nicht erreicht: Zum Auswertungszeitpunkt nach zwei Jahren waren noch 70,6% der Patienten am Leben (4).

In einem weiteren Studienarm werden Patienten mit metastasiertem cSCC mit einer Fixdosis Cemiplimab behandelt, die der jetzt zugelassenen Dosis von 350 mg alle drei Wochen entspricht. Die Ergebnisse für diese Kohorte wurden noch nicht gezeigt.

Akzeptable Verträglichkeit

29,5% der Patienten mit lokal fortgeschrittenem cSCC und 40,7% derjenigen mit metastasiertem cSCC und gewichtsadaptierter Therapie erlitten ernste (serious) unerwünschte Wirkungen. Jedoch brachen nur 7,7% bzw. 10,2% der Patienten ihre Teilnahme an der Studie wegen Nebenwirkungen ab. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren Diarrhoe, Fatigue, Kopfschmerz, Übelkeit und Obstipation, Pruritus, Erythem, Husten und Bauchschmerz; dies war in beiden Kollektiven ähnlich (3, 4).

Literatur:
1)    https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Aktinische_Keratosen_und_PEK/LL_Aktinische_Keratosen_PEK_0.1_Langversion_.pdf, abgerufen am 16.09.2019
2)    Fachinformation Libtayo®
3)    Migden MR et al., ASCO, Juni 2019, Chicago, USA, Abstract 6015; https://ascopubs.org/doi/abs/10.1200/JCO.2019.37.15_suppl.6015, abgerufen am 16.09.2019
4)    Guminski AD et al., ASCO, Juni 2019, Chicago, USa, Abstract 9526, https://ascopubs.org/doi/abs/10.1200/JCO.2019.37.15_suppl.9526, abgerufen am 16.09.2019

Simone Reisdorf

Quelle: Symposium „Highlights der Immuntherapie – PD1-Inhibition beim kutanen Plattenepithelkarzinom“, 12.09.2019, ADO Ludwigshafen; Veranstalter: Sanofi


Das könnte Sie auch interessieren

Weltkrebstag: Deutsche Krebshilfe informiert und ruft zum Handeln auf

Weltkrebstag: Deutsche Krebshilfe informiert und ruft zum Handeln auf
© julief514 / Fotolia.com

Am 4. Februar ist Weltkrebstag. Das diesjährige Motto der Weltgesundheitsorganisation lautet: „Wir können. Ich kann.“ Es steht dafür, dass Menschen durch einen gesunden Lebensstil dazu beitragen können, vielen Krebsarten vorzubeugen. „Gesundheit ist ein hohes Gut und es macht Spaß etwas dafür zu tun“, betont Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. Die Organisation bietet Interessierten kostenlose Infomaterialien...

Brustkrebs: Informationen helfen gegen Ängste

Brustkrebs: Informationen helfen gegen Ängste
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Aktuelle Studien belegen: Patientinnen mit der Diagnose Brustkrebs profitieren von  guter Gesundheitsinformation und Aufklärung. Ängste und Sorgen nehmen ab, die Lebensqualität steigt. Der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) informiert Betroffene und Angehörige seit 30 Jahren rund um das Thema Krebs. Bei 50 Prozent aller Anfragen zu Tumorlokalisationen steht das Thema Brustkrebs im Vordergrund.

Aktiv gegen Krebs: Welche Ernährung kann schützen?

Aktiv gegen Krebs: Welche Ernährung kann schützen?
© azurita - stock.adobe.com

Eine ausgewogene Ernährung, Normalgewicht sowie ein möglichst geringer Konsum alkoholischer Getränke senken das Risiko, an Krebs zu erkranken. Im Rahmen der 1. Nationalen Krebspräventionswoche informieren die Deutsche Krebshilfe und das Deutsche Krebsforschungszentrum, DKFZ, die Bevölkerung über Risikofaktoren, die jeder selbst beeinflussen kann. Denn: Etwa 40 Prozent aller Krebsfälle, die jährlich neu diagnostiziert werden, wären nach Ansicht von...

HPV-Impfung schützt vor Krebs

HPV-Impfung schützt vor Krebs
© pixelaway - stock.adobe.com

Krebsprävention ist eine zentrale Strategie im Kampf gegen Krebs. Zur Prävention zählen auch Impfungen, mit denen vielen Krebserkrankungen gezielt vorgebeugt werden kann. Beispiel: Humane Papillomviren (HPV), deren Hochrisiko-Typen für Gebärmutterhalskrebs und andere Krebserkrankungen verantwortlich sind. Doch es gibt eine wirksame und gut verträgliche Impfung, die vor der Infektion mit HPV schützt und der Entwicklung von Krebs vorbeugt. Wer sollte sich...

Heller Hautkrebs: Signalweg entschlüsselt

Beim Hautkrebs gibt es verschiedene Krankheitsformen: Mit Abstand am häufigsten ist dabei das so genannte Basalzellkarzinom, eine Form von hellem Hautkrebs, bei der sich der Tumor von seinem Entstehungsort in der Haut langsam aber stetig ausbreitet. Zwar bildet das Basalzellkarzinom im Allgemeinen keine Tochtergeschwülste (Metastasen), der Tumor sollte jedoch so früh wie möglich behandelt werden, da er ansonsten das umgebende Gewebe zerstören und sogar Muskeln...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Metastasiertes oder lokal fortgeschrittenes kutanes Plattenepithelkarzinom: Fast jeder zweite Patient spricht auf Cemiplimab an"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO 2019
  • PD-L1-positives NSCLC: Pembrolizumab-Monotherapie bei Patienten mit und ohne Hirnmetastasen vergleichbar wirksam
  • Tumormutationslast etabliert sich als prädiktiver Marker für das Ansprechen auf Pembrolizumab bei soliden Tumoren
  • Hohes und langanhaltendes Ansprechen auf Pembrolizumab-Monotherapie bei unterschiedlichen MSI-H-Tumoren
  • Checkpoint-Inhibition in der adjuvanten und metastasierten Situation hat für Patienten mit Melanom das Überleben neu definiert
  • Magenkarzinom/Adenokarzinom des ösophagogastralen Übergangs: Patienten mit MSI-high-Tumoren profitieren besonders von Checkpoint-Inhibition
  • Pembrolizumab + Chemotherapie beim Plattenepithelkarzinom-NSCLC: Überlegenes OS, PFS, ORR und PFS2 gegenüber alleiniger Chemotherapie
  • Frühes TNBC: signifikant verbesserte pCR-Rate durch neoadjuvante Therapie mit Pembrolizumab + Chemotherapie
  • HNSCC: Pembrolizumab-Monotherapie und kombiniert mit Platin-basierter Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • PD-L1-positives Magenkarzinom und AEG: Vergleichbare Lebensqualität unter Pembrolizumab-Monotherapie und Chemotherapie
  • Pembrolizumab-Monotherapie beim vorbehandelten mTNBC: Klarer Trend zu verbessertem Überleben mit zunehmender PD-L1-Expression