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Medizin

11. Dezember 2019 Elektronische Patientenakte startet mit Light-Version

Die elektronische Patientenakte (ePA) war Thema auf dem Digital Health Congress des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) in Berlin. Hier diskutierten mehr als 500 Teilnehmer mit Politikern, Unternehmensgründern, Technologieexperten und Wissenschaftlern über die Digitalisierung des Gesundheitssystems. Eine technische Herausforderung sei die ePA nicht, hieß es. Vielmehr hänge ihr Erfolg davon ab, ob die Nutzer einen Mehrwert erkennen.
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Am 1.1.2021 wird die ePA an den Start gehen. Gesundheitsminister Jens Spahn verteidigte erneut seinen Ansatz, die Digitalisierung mit Tempo voranzutreiben. „Wir starten mit einer Akte, die schon etwas kann, aber eben noch nicht alles“, konstatierte er. Die Weiterentwicklung erfolge Schritt für Schritt in der Praxis. Er stieß damit auf viel Zuspruch. „Erst einmal weg vom Papier“, war allgemeiner Konsens.

Wie Dr. Dr. med. Hans-Jürgen Bickmann, Vorsitzender des Ärztlichen Beirats Telematik Nordrhein-Westfalen, sagte, ist dieses Vorgehen im beruflichen Alltag von Medizinern ungewohnt. Sie müssen Therapieentscheidungen bereits im Vorfeld so gut abwägen, dass der Patient davon profitiert und auch langfristig keinen Schaden davonträgt. Wichtig sei daher, dass die ePA von Anfang an so konzipiert werde, dass sich die Daten vernetzen lassen, auch wenn es noch keinen Algorithmus dafür gibt. „Wenn die Weichen einmal gestellt wurden, kann es schwer sein, die Richtung zu ändern“, warnte der Mediziner.

ePA als Dialogpartner des Arztes

Für Bickmann wird die ePA zukünftig ein weiterer Dialogpartner des Arztes sein. Die analoge Welt erweitert sich um eine digitale Dimension, indem ein „digitaler Zwilling“ des Patienten erstellt werde. Während die ärztliche Dokumentation heute aus Zeilen bestehe, „von denen die eine nicht weiß, was in der anderen steht“, werden die Informationen in der ePA miteinander vernetzt und können leitliniengestützt mithilfe von Algorithmen in Echtzeit verarbeitet werden. Die Erfahrung des Arztes und seine Intuition im unmittelbaren Kontakt mit dem Patienten bleiben aber unverzichtbar.  

Potenzial für die Versorgungsforschung

Bekanntermaßen versprechen sich vor allem Patienten viele Verbesserungen von der Digitalisierung. Dies stellte Dr. Gunnar Sachs von der Anwaltssozietät Clifford Chance infrage. Die Vorstellung, dass das Patientenwohl im Mittelpunkt stehe, bezeichnete er als naiv. „Hauptmotivator ist und bleibt der Kostendruck“, sagte er. Dieser These wollte Bickmann nicht folgen. Gesundheitsdaten, die nicht nur gesammelt und archiviert, sondern intelligent zusammengeführt werden könnten, seien von großem Wert für die Versorgungsforschung, argumentierte er. Die Dimension dieses Potenzials gehe „weit über das hinaus, was bisher möglich war. Die Digitalisierung hilft uns, Wissen zu generieren, mit dem wir die Versorgung unserer Patienten verbessern können.“

Bezug nehmend auf die aktuelle Diskussion zur Übermittlung von persönlichen Daten zu Forschungszwecken ohne Einwilligung der Versicherten wies Bickmann darauf hin, dass dies bereits seit 2004 gesetzlich verankert ist. Er machte andere Einwände geltend: „Krankenkassen sind medizinferne Kostenträger, die einen Schatz an medizinischem Wissen bekommen, für den sie im Grunde keine Expertise haben. Eine Krankenkasse ist nicht medizinisch, sondern wirtschaftlich tätig.“

Thema Mehrwert „offene Flanke“

Einigkeit herrschte darüber, dass die ePA ein erfolgreiches Instrument werden kann, wenn Arzt und Patient den Nutzen selbst erleben. Michael Noll, Projektleiter „Digitales Gesundheitsnetzwerk“ bei der AOK Baden-Württemberg, stellte den Servicegedanken in den Mittelpunkt. Derzeit sei das Thema Mehrwert jedoch „noch eine offene Flanke“, räumte er ein. Denn viele Funktionen bietet die ePA am Anfang noch nicht. So sind die Zugriffsberechtigungen noch nicht ausgefeilt, der entsprechende Schalter kann zunächst nur auf An oder Aus gestellt werden. „Aber die ePA ist ein sicherer, zentraler Ablageort für Einzeldokumente. Das ist mehr, als Dokumente zu faxen oder per Brief zu schicken.“

Mehrere Redner wiesen darauf hin, dass im nächsten Schritt die Nutzer befähigt werden müssten, mit der ePA umzugehen. Dies bestätigte Bickmann: „Die ePA ist für uns Ärzte eine Chance, wenn wir richtig damit umgehen. Wie bei einem Auto muss man lernen zu lenken, man muss die Fahrbahn und das Ziel kennen. Wenn das Fahren zur Routine wird, ist man sicher unterwegs und kommt schneller an als zu Fuß.“

Anne Krampe-Scheidler

Quelle: Digital Health Conference (https://www.health-conference.de), 26.11.19, Berlin


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