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Medizin
16. Dezember 2020
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Tumoren mit aktivierenden RET-Alterationen: CHMP empfiehlt Zulassung von Selpercatinib zur Therapie von vorbehandelten NSCLC- und Schilddrüsenkarzinom-Patienten

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat eine positive Empfehlung für die Zulassung des RET-Inhibitors Selpercatinib ausgesprochen (1). Danach sollte der Wirkstoff bei Erwachsenen mit fortgeschrittenem, RET-Fusions-positiven, nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) eingesetzt werden, die nach einer Immun- und/oder platinbasierten Chemotherapie eine systemische Behandlung benötigen. Zudem empfiehlt der CHMP Selpercatinib bei Erwachsenen mit fortgeschrittenem, RET-Fusions-positivem Schilddrüsenkarzinom, bei denen nach vorheriger Behandlung mit den Multikinase-Inhibitoren (MKI) Sorafenib und/oder Lenvatinib eine systemische Therapie erforderlich ist. Die dritte empfohlene Indikation umfasst die Behandlung von Erwachsenen sowie Jugendlichen ab 12 Jahren mit fortgeschrittenem, RET-mutiertem, medullärem Schilddrüsenkarzinom (MTC), die nach einer Behandlung mit Cabozantinib und/oder Vandetanib eine systemische Therapie benötigen.
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RET (REarranged during Transfection) ist ein Gen auf dem langen Arm des menschlichen Chromosoms 10 (2). Es kodiert für eine Tyrosinkinase, die wesentlich an der embryonalen Entwicklung des gastrointestinalen Nervensystems und der Nieren beteiligt ist. Eine Funktion von RET nach der Geburt ist nicht nachgewiesen, aktivierende Mutationen des Gens spielen jedoch eine wesentliche Rolle bei der Entstehung maligner Tumore wie Schilddrüsenkarzinomen und nichtkleinzelligen Lungenkarzinomen (NSCLC) und können auch bei einer Reihe anderer Tumoren wie Darm- und Brustkrebs nachgewiesen werden (2).

Genfusionen des RET-Protoonkogens liegen bei ca. 1-2% aller NSCLC sowie bei 10-20% aller papillären Schilddrüsenkarzinome zugrunde (3, 4). Zudem können aktivierende Punktmutationen des Gens bei rund 60% der Patienten mit einem medullären Karzinom der Schilddrüse (MTC) nachgewiesen werden, beim familiär vererbten MTC ist das bei 90% der Fall (5, 6). Diese Veränderungen im Erbgut führen zu einer dauerhaften, unregulierten Aktivierung der RET-Tyrosinkinase, was entscheidend zur Entstehung und zum Wachstum der Tumoren beiträgt.

Die Empfehlung des CHMP basiert auf den Daten der Studie Libretto-001, die die Wirksamkeit und Sicherheit von Selpercatinib in den 3 Indikationen zeigen konnte (7, 8).

Die positive Stellungnahme des CHMP ist der erste behördliche Schritt in Richtung der Zulassung von Selpercatinib in Europa. Sie wird jetzt für die endgültige Entscheidung an die Europäische Kommission weitergeleitet, die für die Erteilung der Marktzulassung zuständig ist. Die Kommission trifft ihre Entscheidung über die Marktzulassung im Allgemeinen innerhalb von 2 Monaten, nachdem der CHMP seine Empfehlung ausgesprochen hat.

Quelle: Lilly

Literatur:

(1) CHMP-Empfehlung, https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/summaries-opinion/retsevmo (zuletzt zugegriffen am 14.12.2020).
(2) Takahashi M. et el Roles of the RET Proto-oncogene in Cancer and Development JMA J. 2020;3(3):175-181. doi: 10.31662/jmaj.2020-0021. Epub 2020 Jul 7.
(3) Stinchcombe T.E. Current management of RET rearranged non-small cell lung cancer. Ther Adv Med Oncol 2020, Vol. 12: 1–11. DOI: 10.1177/ 1758835920928634.
(4) Prescott JD, Zeiger MA. The RET oncogene in papillary thyroid carcinoma. Cancer. 2015;121(13):2137-2146.
(5) Drilon A et al. Targeting RET-driven cancers: lessons from evolving preclinical and clinical landscapes. Nat Rev Clin Oncol. 2018; 15(3):150.
(6) Elisei R et al. Twenty-five years experience on RET genetic screening in hereditary MTC: an update on the prevalence of germline RET mutations. Genes (Basel). 2019;10(9). doi:10.3390/genes10090698.
(7) Drilon A. et al. Efficacy of Selpercatinib in RET Fusion–Positive Non–Small-Cell Lung Cancer. N Engl J Med 2020; 383:813-24. DOI: 10.1056/NEJMoa2005653.
(8) Wirth L.L et al. Efficacy of Selpercatinib in RET-Altered Thyroid Cancers. N Engl J Med 2020;383: 825-35. DOI: 10.1056/NEJMoa2005651.


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