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Medizin
02. März 2016

Lenvatinib als Behandlungsoption bei Schilddrüsenkarzinom

Auf den onkologischen Herbstkongressen 2015 wurden die klinischen Herausforderungen der Behandlung des Schilddrüsenkarzinoms thematisiert. Insbesondere beim radiojodrefraktären differenzierten Schilddrüsenkarzinom (RR-DTC) waren bislang die Handlungsoptionen begrenzt. Für RR-DTC-Patienten hat die EU-Zulassung des Tyrosinkinase-Inhibitors (TKI) Lenvatinib (LENVIMA®) im Mai 2015 eine Behandlungsoption eröffnet, die bei einer hohen Ansprechrate signifikant das progressionsfreie Überleben (PFS) und das Gesamtüberleben (OS) verlängern kann.

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In der Phase-III-Zulassungsstudie SELECT verlängerte Lenvatinib das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) auf 18,3 Monate vs. 3,6 unter Placebo (HR=0,21, KI 99% 0,14-0,31; p<0,001). Ein besonderes Merkmal von Lenvatinib beim RR-DTC war die hohe Ansprechrate von 64,8% (vs. 1,5% unter Placebo; OR=28,87; KI 95% 12,46-66,86; p<0,001) (1). Frau Professor Rosella Elisei, Abteilung für klinische und experimentelle Medizin der Universität Pisa, hierzu: „Die Zulassung von Lenvatinib auf Basis der SELECT-Daten ist eine bedeutende Entwicklung für Patienten mit fortgeschrittenem RR-DTC. In dieser Indikation waren die Behandlungsmöglichkeiten stark ausgeschöpft. Nun können wir den Patienten eine Option anbieten, die das Fortschreiten der Krankheit verhindern oder zumindest stark verlangsamen kann.“

Auf dem europäischen Krebskongress (European Cancer Congress, ECC) 2015 in Wien wurde eine aktualisierte Analyse der SELECT-Studie vorgestellt, in der sich zeigte, dass Lenvatinib bei RR-DTC-Patienten das Gesamtüberleben gegenüber Placebo nominal signifikant verbessert (HR=0,53; 95% KI: 0,34-0,82, nominaler p-Wert=0,0051) (2). Eine weitere, auf dem ECC vorgestellte Auswertung lässt den Schluss zu, dass Lenvatinib unabhängig von den jeweiligen Einschlusskriterien der RR-DTC-Patienten (entweder keine Aufnahme von 131I, Krankheitsprogression unter Radiojod-Therapie oder Erreichen der maximalen 131I-Exposition) zu einer PFS-Verbesserung im Vergleich zu Placebo in diesen Patientengruppen führte und es keine Unterschiede im PFS zwischen diesen Gruppen gab (3).

Professor Elisei stellte auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) 2015 eine präspezifizierte Subgruppenanalyse der SELECT-Studie vor, in der Ergebnisse für die zwei histologischen Typen papilläres und follikuläres Schilddrüsenkarzinom ausgewertet worden sind. Für beide histologische Typen konnte für Lenvatinib im Vergleich zu Placebo ein klinischer Benefit nachgewiesen werden. Patienten mit der papillären Form von RR-DTC, die mit Lenvatinib behandelt worden waren, wiesen eine mediane progressionsfreie Überlebensdauer von 16,4 Monaten vs. 3,5 Monaten bei Placebo auf (HR=0,27; 95% KI: 0,19-0,38; p<0,001). Bei RR-DTC-Patienten mit follikulärer Histologie verlief das PFS der mit Lenvatinib behandelten Patienten sogar so günstig, dass zum Zeitpunkt der Analyse mehr als 50% noch keine Progression zeigten im Vergleich zu 3,7 Monaten unter Placebo (HR=0,10; 95% KI: 0,05-0,19; p<0,001) (4). Außerdem hatten Patienten mit follikulärem Schilddrüsenkarzinom unter Lenvatinib einen klinisch bedeutsamen Gesamtüberlebensvorteil (HR=0,41; 95% KI: 0,18-0,97; p<0,035) [4]. Frau Prof. Rosella Elisei hierzu: „Die bei den Subtypen des differenzierten Schilddrüsenkarzinoms beobachteten klinischen Vorteile von Lenvatinib sind sehr vielversprechend für die Behandlung der RR-DTC-Patienten.“

Quelle: EISAI

Literatur:

(1)Schlumberger M et al. 2015. N Engl J Med. 372;7:621-30
(2) Guo M et al. ECC 2015. Abstract #2805
(3) Kiyota N et al. ECC 2015. Abstract #2864
(4) Elisei R, Oral presentation DGHO 2015. Vortrag V91
 

 


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