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Medizin

06. August 2019 Hämatologische Neoplasien: Neue toxizitätsreduzierte Konditionierung bei alloHSZT

3.103 erstmalige allogene hämatopoetische Stammzelltransplantationen (alloHSZT) wurden der europäischen Fachgesellschaft für Blutstammzelltransplantation (EBMT) im Jahre 2017 aus Deutschland gemeldet (1). Mit Treosulfan (TRECONDI®) ist seit August ein neues effektives und toxizitätsreduziertes Arzneimittel für die notwendige vorbereitende Konditionierungstherapie in Deutschland erhältlich.
Die im Juni durch die Europäische Kommission erfolgte Zulassung von Treosulfan beruht im Wesentlichen auf der pivotalen Phase-III-Studie MC-FludT.14/L-Part II (2) sowie der bei Kindern durchgeführten Phase-II-Studie MC-FludT.17/M (3) und gilt in Kombination mit Fludarabin zur Konditionierung vor alloHSZT bei Erwachsenen mit malignen und nicht-malignen Erkrankungen sowie bei malignen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen älter als einen Monat (4-7).

Klinisch relevanter Überlebensvorteil

Mit der Treosulfan-basierten Reduced-Toxicity Konditionierung (RTC) ist nun europaweit eine neue Therapieoption zugelassen, die sich durch eine hohe Intensität und antileukämische Wirkung auszeichnet, bei gleichzeitig deutlich reduzierter Toxizität und Überlebensraten nach 2 Jahren von mehr als 70% (8). Hiervon können insbesondere Risikogruppen profitieren. Die erfolgreiche Entwicklung und Zulassung der Treosulfan-basierten Therapie als effektives Konditionierungsregime stärkt die Position von medac in der Hämatologie und ist in der Dosierung deutschlandweit patentgeschützt (9).

Treosulfan ist ein in Deutschland produziertes Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung und wird in den 2 Wirkstärken 1 g und 5 g jeweils in der Packungsgröße N1 (1 Stück) angeboten.

Wirkstoff und Wirkweise

Der Wirkstoff Treosulfan ist ein Prodrug und gehört zu den bifunktionellen Alkylantien. Trotz struktureller Ähnlichkeit zum Busulfan hat das Molekül auf Grund der 2 Hydroxylgruppen einen anderen Wirkmechanismus. Unter physiologischen Bedingungen erfolgt eine Enzym-unabhängige intramolekulare nukleophile Substitution. Der Epoxidring schließt sich und es wird jeweils ein Molekül Methansulfonsäure abgespalten. Die daraus resultierenden Verbindungen (1,2-Epoxy-3,4-Butandiol-4-Methansulfonat und L-Diepoxybutan) sind als wirksame Reaktionsprodukte anzusehen, die an biologische Makromoleküle binden und dadurch die antiproliferative und zytotoxische Wirkung auslösen.

Quelle: medac

Literatur:

(1) Passweg JR et al., The EBMT activity survey report 2017: a focus on allogeneic HCT for nonmalignant indications and on the use of non-HCT cell therapies. Bone Marrow Transplant. 2019 Feb 6 [Epub ahead of print]. Supplementary information: Appendix of reporting centres.
(2) EU Clinical Trials Register, Clinical phase III trial to compare Treosulfan-based conditioning therapy with Busulfan-based reduced-intensity conditioning (RIC) prior to allogeneic haematopoietic stem cell transplantation in patients with AML or MDS considered ineligible to standard conditioning regimens. EudraCT Number: 2008-002356-18.
(3) EU Clinical Trials Register, Clinical phase II trial to describe the safety and efficacy of Treosulfan-based conditioning therapy prior to allogeneic haematopoietic stem cell transplantation in paediatric patients with haematological malignancies. EudraCT Number: 2013-003604-39.
(4) medac Gesellschaft für klinische Spezialpräparate mbH, Fachinformation Trecondi® Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung, Wedel Juni 2019.
(5) European Medicines Agency, Human medicine European public assessment report (EPAR): Trecondi. https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/trecondi (Stand: 26.7.2019).
(6) European Commission, Union Register of medicinal products for human use: Trecondi. https://ec.europa.eu/health/documents/community-register/html/h1351.htm (Stand: 26.7.2019).
(7) medac Pressemitteilung vom 25.6.2019: „TRECONDI® (Treosulfan) von medac erhält EU-weite Zulassung für toxizitätsreduzierte Konditionierung bei allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation.“
(8) Beelen DW. et al., Treosulfan or busulfan plus fludarabine as conditioning treatment for older patients with acute myeloid leukaemia or myelodysplastic syndrome before allogeneic haematopoietic stem cell transplantation: a randomised non-inferiority, phase 3 trial. Lancet Haematol. 2019 [Accepted for publication].
(9) Das Patent EP 1227808 schützt die Verwendung von Treosulfan zur Herstellung einer pharmazeutischen Zusammensetzung zur Konditionierungstherapie über einen Zeitraum von 2-7 Tagen bei Verabreichung einer Gesamtdosis von mindestens 20g/m2 Körperoberfläche vor allogener Transplantation von Knochenmark oder hämatopoetischen Stammzellen, wobei Treosulfan entweder mit anderen Chemotherapeutika bzw. immunsupprimierenden Mitteln kombiniert oder als einzig wirksame Substanz angewendet wird.


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