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Medizin
03. Juni 2019

Fortgeschrittenes Magenkarzinom und AEG: Pembrolizumab ist Standard-Chemotherapie nicht unterlegen bei besserer Verträglichkeit

Die finalen Daten der randomisierten doppelblinden Phase-III-Studie KEYNOTE-062, die als Late Breaking Abstract im Rahmen der Oral Abstract Session Gastrointestinal (Non-colorectal) Cancer bei der 55. ASCO-Jahrestagung in Chicago/IL, USA, präsentiert wurden, zeigen, dass eine Monotherapie mit Pembrolizumab (KEYTRUDA®) als Erstlinientherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Magenkarzinom oder Adenokarzinom des ösophagogastralen Übergangs (AEG bzw. engl. G/GEJ-Karzinom) der Standard-Chemotherapie nicht unterlegen und bei Patienten mit hoher PD-L1-Expression (kombinierter positiver Score (CPS) ≥ 10) sogar überlegen ist – bei deutlich verbessertem Sicherheitsprofil (1, 2). Eine kombinierte Immunchemotherapie brachte dagegen keine signifikanten Vorteile gegenüber einer reinen Chemotherapie.
Für Patienten mit fortgeschrittenem G/GEJ-Karzinom war lange Zeit die Chemotherapie die einzige Behandlungsoption. Wie Prof. Josep Tabernero, Barcelona, Spanien, beim ASCO erklärte, zeichnet sich nun durch eine Therapie mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab eine Alternative ab, die bei nicht unterlegener, bei bestimmten Patientengruppen sogar überlegener Wirksamkeit mit weniger Nebenwirkungen assoziiert ist. Wie Taberno berichtete, hatten im Vorfeld bereits die Studien KEYNOTE-059 und KEYNOTE-061 Hinweise auf eine Antitumoraktivität von Pembrolizumab bei dieser Tumorentität mit handhabbarem Sicherheitsprofil ergeben.

In der Studie KEYNOTE-062 erhielten 763 Patienten mit PD-L1-positivem (CPS ≥ 1) und HER2-negativem fortgeschrittenem oder metastasiertem G/GEJ-Karzinom und einem ECOG-Performance Status von 0-1 in einer 1:1:1 Randomisierung entweder eine Monotherapie mit P (200 mg Pembrolizumab q3w) für maximal 35 Zyklen oder eine Kombination aus 200 mg P q3w und einer Chemotherapie mit Cisplatin + 5-FU/Capecitabin (P+C) oder Plazebo q3w plus C. Koprimäre Endpunkte der Studie waren das Gesamtüberleben (OS) sowie das progressionsfreie Überleben (PFS) gemäß RECIST v1.1-Kriterien bei Patienten mit CPS ≥ 1 und CPS ≥ 10. Sekundäre Endpunkt waren die Gesamtansprechrate (ORR) und die Sicherheit.

Wie Tabernero berichtete, resultierte die initiale Monotherapie mit Pembrolizumab nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 11,3 Monaten (Datenschnitt 26. März 2019) bei den Patienten mit CPS ≥ 1 in einem nicht unterlegenen OS im Vergleich zur Standard-Chemotherapie mit Cisplatin und 5-FU/Capecitabin (Hazard Ratio (HR)=0,91; 99,2%-KI: 0,69-1,18). Die zuvor definierten Nicht-Unterlegenheitskriterien wurden erfüllt.
Bei den Patienten mit einer hohen PD-L1-Expression wurde unter der immunonkologischen Behandlung sogar eine Verbesserung des Überlebens gegenüber der Chemotherapie dokumentiert (median 17,4 vs., 10,8 Monate; HR=0,69, 0,40-0,97). Nach 2 Jahren waren unter einer Behandlung mit Pembrolizumab noch 39% der PD-L1-Hochexprimierer (CPS ≥ 10) am Leben gegenüber 22% der Patienten, die eine Chemotherapie erhalten hatten.
Anders als die Pembrolizumab-Monotherapie erbrachte die kombinierte Chemoimmuntherapie P+C gegenüber der reinen Chemotherapie hinsichtlich des OS keine Vorteile, auch nicht bei Patienten mit CPS ≥ 10. Es zeigte sich bei diesen Patienten zwar ein Trend zugunsten von P+C gegenüber C, der aber das Signifikanzniveau verfehlte (medianes Überleben 12,3 vs. 10,8 Monate, HR=0,85; p=0,158).

Neue Signale zur Sicherheit von Pembrolizumab wurden nicht beobachtet. Das Sicherheitsprofil war für die P-Monotherapie mit Abstand am günstigsten. Die Rate an Nebenwirkungen aller Grade betrug 54% (P), 94% (P+C) und 92% (C) und die Rate an Grad-3/4-Nebenwirkungen 16% (P), 71% (P+C) und 68% (C).  Es wurden keine neuen Toxizitäten beobachtet.

Tabernero zieht aus den vorliegenden Daten das Fazit, dass die Front-Line-Behandlung mit Pembrolizumab wirksam ist und eine neue Möglichkeit für Patienten mit fortgeschrittenem Magenkarzinom und Adenokarzinom des ösophagogastralen Übergangs bietet. Die Pembrolizumab-Monotherapie sei der Chemotherapie nicht unterlegen und biete sogar einen klinisch relevanten Überlebensvorteiil bei G/GEJ-Tumoren mit CPS ≥ 10. Die kombinierte Gabe von Pembrolizumab mit Chemotherapie biete gegenüber der alleinigen Chemotherapie einen „bescheidenen Zusatznutzen bei handhabbarem Sicherheitsprofil.“

cs

Quelle: ASCO 2019

Literatur:

1. Tabernero J et al. Pembrolizumab with or without chemotherapy versus chemotherapy for advanced gastric or gastroesophageal junction (G/GEJ) adenocarcinoma: The phase III KEYNOTE-062 study J Clin Oncol 37, 2019 (suppl; abstr LBA4007)
2. Tabernero J. Vortrag bei der Oral Abstract Session „Gastrointestinal (Noncolorectal) Cancer“ im Rahmen der 55. ASCO-Jahrestagung am 2. Juni 2019 in Chicago/IL, USA


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