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Medizin
28. Oktober 2014

Evidenzbasierte Leitlinie zum Gebärmutterhalskrebs erschienen

Das Leitlinienprogramm Onkologie hat im Oktober 2014 erstmals eine S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge beim Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) vorgelegt. Die neue Leitlinie löst die bislang  geltende konsensbasierte S2k-Leitlinie ab und entspricht den höchsten, international einheitlich definierten Ansprüchen an eine Leitlinie. Sie entstand unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO) und soll die Versorgung beim Gebärmutterhalskrebs weiter verbessern. Empfehlungen zu Prävention von Gebärmutterhalskrebs, die in der alten S2k-Version noch enthalten waren, sind Gegenstand einer weiteren S3-Leitlinie, die derzeit erarbeitet wird.

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Noch in den 1970er-Jahren war das Zervixkarzinom die häufigste Krebserkrankung der Frau, mittlerweile nimmt es mit einem Anteil von 2,1% den 12. Rang in der Liste aller Krebsneuerkrankungen bei Frauen ein. Dieser Rückgang lässt sich unter anderem durch ein erfolgreiches Früherkennungsprogramm erklären, das seit 1971 gesetzlich geregelt ist. Die sogenannten Pap-Abstriche, die im Rahmen dieses Früherkennungsprogramms vom Frauenarzt vorgenommen werden, tragen dazu bei, dass Vor- und Frühstadien der Krebserkrankung rechtzeitig erkannt und erfolgreich behandelt werden. Unter den Patientinnen mit einem diagnostizierten Zervixkarzinom haben sich jedoch die Sterblichkeitsraten in den letzten Jahren nicht weiter verbessert, trotz technischer Fortschritte und innovativer Therapieansätze.
 
"Wir sehen beim Gebärmutterhalskrebs eine Vielzahl von differenzierten Behandlungsmöglichkeiten. Das heißt, es besteht eine große Bandbreite an verwendeten Therapiestandards, folglich variiert auch die Therapiequalität. Indirekt könnte dies ein Grund dafür sein, dass sich in Bezug auf die Überlebensraten der Patientinnen in den letzten Jahren kein entscheidender Fortschritt nachweisen lässt", erklärt Prof. Matthias W. Beckmann, einer der beiden Koordinatoren der neuen Leitlinie. "Aus diesem  Grund haben wir uns zu einem Upgrade der vorherigen S2K-Leitlinie auf das höhere S3-Niveau entschlossen."
 
Bei der Leitlinienentwicklung stießen die Experten allerdings auf eine Studienlage, die bei einigen Fragestellungen so unzureichend war, dass keine evidenzgestützten Empfehlungen ausgesprochen werden konnten; das betrifft vor allem operative und strahlentherapeutische Verfahren. In solchen Fällen griffen die Experten auf eine methodisch einwandfreie Evidenzrecherche zurück. "Bei knapp 5.000 Erkrankungsfällen pro Jahr ist das wirtschaftliche Interesse, verschiedene Therapiemöglichkeiten in hochwertigen, sogenannten prospektiv randomisierten Studien zu untersuchen und im direkten Vergleich zu bewerten, eher gering", führt Prof. Peter Mallmann, ebenfalls Leitlinienkoordinator,  aus. "Die Leitlinienarbeit hilft uns, die Wissenslücken aufzuspüren, die vorrangig in Studien untersucht werden sollten, um die Krebsversorgung zu verbessern. Im Interesse unserer Patientinnen benötigen wir aber auch intelligente Konzepte für eine entsprechende Finanzierung dieser Studien."

Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft


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