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Medizin
23. August 2016

Dokumentation: Mediziner verbringen viel Zeit am Schreibtisch

Bis zu drei Stunden täglich verbringen Klinikärztinnen und -ärzte am Schreibtisch statt am Krankenbett: Aufnahme- und Entlassgespräche müssen dokumentiert, der Behandlungsverlauf in der Patientenakte notiert, Berichte verfasst und Kassenanfragen beantwortet werden.
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„Eine sorgfältige Dokumentation ist wichtig für die Qualitätssicherung und Quelle zuverlässiger Informationen", erklären Prof. Matthias W. Beckmann und Professor Michael P. Lux von der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen. Dennoch müsse nach Wegen gesucht werden, um den enormen Dokumentationsaufwand für die Ärztinnen und Ärzte zu begrenzen. In der Fachzeitschrift "Das Gesundheitswesen" belegen die Experten den enormen Dokumentationsaufwand am Beispiel der Brustkrebsbehandlung und entwickeln Vorschläge zur Optimierung.

Für Klinikdirektor Prof. Beckmann, den leitenden Oberarzt Prof. Lux und deren Mitautoren aus zahlreichen anderen Kliniken besteht eine große Diskrepanz zwischen dem Dokumentationsaufwand, welcher der medizinischen Qualitätssicherung dient, und den derzeitigen sehr viel umfangreicheren Dokumentationsanforderungen. Am Beispiel der Versorgung von Brustkrebspatientinnen haben sie daher im Rahmen einer multizentrischen Studie untersucht, wie viel Zeit und finanzielle Ressourcen die Patientendokumentation tatsächlich bindet. Gefördert wurde die Arbeit durch das Bundesministerium für Gesundheit.

„Von der Anamnese bis zum Ende der Nachsorge fallen für jede Patientin durchschnittlich 23 Stunden für die Dokumentation an“, fassen die Erlanger Mediziner ein Kernergebnis der Studie zusammen. Dabei schwankt der zeitliche Aufwand zwischen den an der Studie teilnehmenden Zentren erheblich und liegt zwischen 11,5 und 32,5 Stunden pro Patientin. Entsprechend liegen auch die Dokumentationskosten sehr uneinheitlich zwischen 353 Euro am unteren und über 1.000 Euro am oberen Ende der Skala. Dabei kam das einzige nicht-zertifizierte Brustzentrum unter den sieben teilnehmenden Einrichtungen auf die niedrigsten Werte, die Universitäten auf die höchsten.

„Insgesamt liegen in den universitären Häusern die Dokumentationskosten deutlich über denen in nicht-universitären Häusern", konstatieren Beckmann und Lux. Dazu könne neben der Infrastruktur unter anderem die aufwendige Teilnahme an medizinischen Studien beigetragen haben. Eine Ausnahme bildet die Universität Tübingen, die mit 547 Euro pro Patientin recht niedrige Kosten für die Dokumentation ausweist. Hier wirkt sich offenbar die Einführung einer elektronischen Akte positiv aus, die eigens an der dortigen Frauenklinik entwickelt wurde. Derartige elektronische Lösungen könnten dabei helfen, unnötige Mehrfachdokumentationen zu vermeiden, so die Autoren der Studie.

Ein einheitliches, interdisziplinär nutzbares Dokumentationssystem, auf das alle an der Patientenversorgung mitwirkenden Berufsgruppen – auch im ambulanten Sektor – Zugriff haben, könnte die Dokumentationsabläufe erheblich straffen. Sogar der Zahnarzt oder der Physiotherapeut könnte den Gesundheitszustand der Patientinnen mitdokumentieren. Einsparpotenzial sehen die Mediziner auch bei den Vorgaben zur onkologischen Qualitätssicherung – hier gebe es zu viele, teils nicht relevante Parameter, die erfasst werden müssten. „Es müssen wenige, dafür jedoch wirklich relevante Variablen für die Qualitätssicherung festgelegt werden“, fordern sie.

Weitere Ansatzpunkte für Einsparungen ergeben sich für die Autoren daraus, dass weit mehr als die Hälfte der Dokumentationskosten auf die Ärztinnen und Ärzte entfällt. Hier würde es entlastend wirken, nicht-ärztliche Berufsgruppen zu stärken und zum Beispiel die Ausbildung von medizinischen Dokumentationsassistenten auf dem Gebiet der Tumordokumentation zu fördern. Nicht zuletzt fordern die Autoren eine adäquate Vergütung der zertifizierten Zentren – die Arbeit zeigt Mehraufwand, der im Rahmen einer Zertifizierung anfällt, deutlich.

Quelle: FZMedNews

Literatur:

M. W. Beckmann et al. Dokumentationsaufwand und verbundene Ressourcen bei Patientinnen mit einem primären Mammakarzinom – von der Primärdiagnose bis zum Abschluss der Nachsorge – Ergebnisse der multizentrischen Erhebung. Das Gesundheitswesen 2016; 78 (7); S. 438-445


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