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Medizin
20. Oktober 2014

Antimykotikum Posaconazol jetzt auch parenteral zu applizieren

Werden Patienten mit einer hämato-onkologischen Erkrankung wie akuter myeloischer Leukämie (AML) oder myelodysplastischem Syndrom (MDS) einer Chemotherapie unterzogen, entwickelt sich häufig eine febrile Neutropenie. Dann besteht das hohe Risiko einer systemischen Pilzinfektion, wobei Candida- und Aspergillus-Arten überwiegen. Eine derartige Mykose ist meist schwer therapierbar und endet nicht selten letal. Daher sind Hochrisikopatienten einer primären Prophylaxe zu unterziehen, wobei Posaconazol (Noxafil®) am besten abschneidet.

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Diese Erkenntnis basiert auf einer von Prof. Oliver Cornely, Köln, geleiteten Studie (N Engl J Med 2007; 356: 348-359), in der Posaconazol in puncto Wirksamkeit mit den als Standard-Azolen geltenden Antimykotika Fluconazol und Itraconazol verglichen wurde. Teilnehmer der randomisierten Multicenterstudie waren 602 hämatologische Patienten mit prolongierter Neutropenie. Die Patienten erhielten die Prophylaxe mit jedem chemotherapeutischen Zyklus, bis sich die Neutropenie zurückgebildet hatte, eine komplette Remission erreicht oder eine systemische Mykose aufgetreten war.

Posaconazol erwies sich als eindeutig überlegen

Unter Posaconazol kam es in 2% der Fälle zu einer gesicherten oder mutmaßlichen systemischen Pilzinfektion. In den beiden Vergleichsgruppen lag die Quote indessen bei 8%. Eine systemische Aspergillose wurde bei 1% der Posaconazol-Gruppe, jedoch bei 7% der Fluconazol/Itraconazol-Gruppen diagnostiziert. Neben der eindeutig überlegenen prophylaktischen Wirksamkeit ließ sich dank Posaconazol auch ein signifikant längeres Gesamtüberleben realisieren, berichtete Cornely.

Auch nach allogener Stammzelltransplantation, die eine schwere Graft-versus-Host-Reaktion nach sich zieht, treiben systemische Mykosen die Morbidität und Mortalität in die Höhe. Ob solche Patienten, die unter immunsuppressiver Medikation stehen, zur Pilzprophylaxe eher von Posaconazol oder eher von Fluconazol profitieren, überprüften Cornely und Mitarbeiter in einer internationalen, randomisierten Doppelblindstudie an 600 Patienten (N Engl J Med 2007; 356: 335-347). Nach 112 Tagen zeigte sich eine signifikante Überlegenheit von Posaconazol bei der Prophylaxe systemischer Mykosen und bei der mykosebedingten Mortalität. Sicherheit und Verträglichkeit beider Azole waren hingegen vergleichbar.

Jetzt zwei neue Darreichungsformen von Posaconazol verfügbar

Die beiden bahnbrechenden Studien wurden mit der oralen Posaconazol-Suspension durchgeführt. Seit Mitte dieses Jahres ist die Substanz auch in Form magensaftresistenter Tabletten auf dem Markt. Sie wurden entwickelt, um die Einnahme zu vereinfachen, die Resorption zu maximieren und den Plasmaspiegel zu optimieren. Bei 50 Patienten wurde im Rahmen des Entwicklungsprogramms eine serielle Pharmakokinetik bestimmt. Im Plasma zeigten sich nach Einnahme der Tabletten eine durchschnittliche Mindestkonzentration von 500 ng/ml und keine Werte über 3.750 ng/ml. Somit lagen alle Werte innerhalb des Zielkorridors, versicherte Cornely. Bei der Verträglichkeit erwies sich die magensaftresistente Tablette der oralen Suspension als ebenbürtig.

Im klinischen Alltag wird vor allem die einfache Handhabbarkeit der Tablette geschätzt. Sie kann unabhängig von der Nahrungsaufnahme appliziert werden und verursacht keine klinisch relevanten Interaktionen mit Antazida, Protonenpumpenhemmern und Motilitätsverstärkern. Die Dosierung für Prophylaxe sowie Therapie ist identisch und richtet sich nicht nach dem Körpergewicht sowie der Nieren- und Leberfunktion.

Eine Alternative für Patienten mit Schluckbeschwerden

Neben den beiden oralen Formulierungen ist seit Oktober Posaconazol auch parenteral zu verabreichen, und zwar als 300-mg-Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung. Sie ist als Alternative für jene Patienten gedacht, die Beschwerden beim Schlucken haben, sagte  Privatdozent Dominic Wichmann, Hamburg. Um lokale Reaktionen zu unterbinden, empfiehlt sich die zentralvenöse Applikation.

Eine Studie über die Pharmakokinetik der parenteralen Gabe von 300 mg Posaconazol ergab bei 94% der Patienten den angestrebten durchschnittlichen Plasmaspiegel zwischen 500 und 2.500 ng/ml. Ob die Patienten an AML oder an einem MDS litten oder eine allogene Stammzelltransplantation hinter sich hatten, war ohne erkennbaren Einfluss auf die Plasmakonzentration. Die parenterale Darreichungsform ermöglicht jetzt auch jenen Patienten eine Prophylaxe oder Therapie mit Posaconazol, bei denen die orale Zufuhr wegen Mukositis, Diarrhö oder Übelkeit bislang nicht möglich schien.                                                          
kbf                                                                                                                 

Quelle: MSD-Symposium „Neue Optionen in der antimykotischen Prophylaxe und Therapie“ anlässlich des Infektiologie-Updates 2014 im Rahmen der 24. Jahrestagung der Paul-Ehrlich-Gesellschaft (PEG), Weimar, 16. Oktober 2014


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