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Medizin

03. Mai 2018 Unerschrockener Kämpfer gegen die Leukämie

Von 1994 bis zum 31. März 2018 stand Prof. Gerhard Ehninger der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden als Direktor vor. Nun scheidet der weltweit anerkannte Hämatologe und Onkologe aus dem Hochschuldienst aus und gibt damit auch die Klinikleitung an die Professoren Martin Bornhäuser und Jochen Hampe ab. Der 65-Jährige hat zu Beginn seiner Tätigkeit in Dresden nicht nur die Stammzelltransplantation etabliert und damit in den vergangenen Jahren mehreren tausend Blutkrebs-Patienten das Leben gerettet, sondern kontinuierlich an der Entwicklung neuer Therapien gearbeitet – als Arzt ebenso wie als Forscher.
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Fachinformation
Bundesweit bekannt wurde Gerhard Ehninger durch die von ihm mit Dr. Peter Harf gegründete Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Sie leistet einen wesentlichen Beitrag dazu, dass heute sehr viele Patienten mit der Diagnose Blutkrebs geheilt werden können. Er gehört zudem zu den Gründungsvätern des Universitäts KrebsCentrums Dresden (UCC) und hat als Klinikdirektor den von der Mildred-Scheel-Stiftung finanzierten Neubau des UCC und der Erwachsenen-Hämatologie eingeworben und mit geplant.

Als Forscher hat Prof. Ehninger einen wichtigen Beitrag zur Profilierung der Hochschulmedizin geleistet. So gelang es der Dresdner Hochschulmedizin unter seiner Führung, in Dresden den ersten medizinischen Sonderforschungsbereich (SFB), das DFG Forschungszentrum (später Exzellenzcluster) und das Koordinationszentrum für Klinische Studien zu etablieren. Der SFB beschäftigte sich mit der Rolle von Stamm- und Vorläuferzellen bei der Bildung von Körpergewebe. Beleg für den Erfolg dieses interdisziplinären Forschungsprojekts sind die Zuschläge für die drei maximal möglichen Förderperioden, wodurch mehr als 50 Millionen Euro an Fördergeldern des Bundes nach Dresden flossen. In diesem SFB wurde auch der Ansatz entwickelt, menschliche Abwehrzellen gentechnisch so zu verändern, dass sie tausende von Krebszellen töten können. Die Arbeit an dieser innovativen Therapie setzt Gerhard Ehninger als emeritierter Prof. außerhalb der Hochschulmedizin Dresden fort.

„Als mutiger und streitbarer Geist hat Prof. Gerhard Ehninger ein Vierteljahrhundert lang wichtige Impulse in der Entwicklung von Universitätsklinikum und Medizinischer Fakultät gesetzt. Er war in zahlreiche zentrale Projekte der Krankenversorgung involviert und leitete beispielsweise viele Jahre das Universitäts KrebsCentrum, das wesentlich zum exzellenten Ruf der Hochschulmedizin in der Krebsmedizin beigetragen hat. Dafür gilt ihm unser uneingeschränkter Dank“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden. Auch in der Forschung setzte Prof. Ehninger mit dem von ihm 2005 initiierten Sonderforschungsbereich 655 Maßstäbe. „Getrieben von der wissenschaftlichen Vision, die biologischen Grundlagen von Stamm- und Vorläuferzellen bei der Bildung von Körpergewebe zu verstehen und daraus schließlich klinische Anwendungen abzuleiten, arbeitete er erfolgreich daran, ganz unterschiedliche Disziplinen und Institutionen zu vereinen. An erster Stelle zu nennen sind hier die Zell- und Entwicklungsbiologie, das Bioengineering und die Medizin. Im Rahmen des SFB gelang es, dass Wissenschaftler universitärer und außeruniversitärer Institutionen gemeinsam am Fortschritt der Medizin arbeiten und Dresden als exzellenten Standort der Lebenswissenschaften profilieren. Die Arbeit des Sonderforschungsbereichs war so erfolgreich, dass er über die maximal drei Förderperioden finanziert wurde – ein Beleg für die Ausnahmestellung des Projekts und seines Initiators. Für dieses außerordentliche Engagement gebührt Prof. Gerhard Ehninger Dank und Ehre“, fügt Prof. Heinz Reichmann, Dekan der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden hinzu.

Körpereigene Immunzellen gegen Leukämie aktiviert

Nach seiner Emeritierung kann sich Prof. Ehninger noch intensiver als bisher um die Weiterentwicklung einer völlig neuen Art der Krebstherapie kümmern. Dabei werden körpereigene Immunzellen des Patienten gegen eine besondere Form der Leukämie aktiviert. Dieser in den vergangenen 15 Jahren erforschte Therapieansatz steht nun an der Schwelle zum klinischen Einsatz. Das erste gentechnisch hergestellte Medikament wurde im März 2018 für klinische Studien im Krankenhaus zugelassen, vier weitere werden in den kommenden Monaten folgen. Um diesen Schritt gehen zu können, hat Prof. Ehninger gemeinsam mit Prof. Michael Bachmann, Prof. für Translationale Radiopharmalologie der Medizinischen Fakultät der TU Dresden und Direktor des Institutes für Radiopharmazeutische Krebsforschung am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf ein Unternehmen gegründet. Beide Wissenschaftler haben es damit nicht nur geschafft, ihre ersten Ideen in die Grundlagenforschung einzubringen, sondern auch die dabei erzielten Ergebnisse patentieren zu lassen. In einem letzten Schritt können sie diese nun selbst bis zum Patienten bringen. Dazu können sie nicht nur auf 3,6 Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium zurückgreifen, sondern auch auf Darlehen von Risikokapitalgebern sowie der Sächsischen Aufbaubank.

Quelle: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden


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