Mittwoch, 20. November 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

13. Juli 2018 S3-Leitlinie zum Hodgkin-Lymphom

Das Leitlinienprogramm Onkologie hat eine Aktualisierung der interdisziplinären S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Hodgkin-Lymphoms bei erwachsenen Patientinnen und Patienten vorgelegt. Federführend bei der Erstellung dieser Leitlinie war die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V., 16 weitere Fachgesellschaften haben mitgewirkt. Die neue Version löst die erste Fassung der Leitlinie aus dem Jahr 2013 ab. "Die Aktualisierung war wichtig, weil diverse Fragestellungen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Hodgkin-Lymphoms derzeit kontrovers diskutiert und entsprechend unterschiedlich in der Patientenversorgung umgesetzt werden", erklärt Prof. Dr. med. Andreas Engert von der Universitätsklinik Köln, Leiter der Deutschen Hodgkin-Studiengruppe und einer der Koordinatoren der Leitlinie. So sei derzeit zum Beispiel unklar, ob und wann eine kombinierte Positronen-Emissions- und Computertomographie (PET/CT)-Untersuchung durchgeführt und wie die Nachsorgeuntersuchungen nach Therapieende erfolgen sollten.
Anzeige:
Fachinformation
Das Hodgkin-Lymphom ist ein bösartiger Tumor des Lymphsystems. Pro Jahr erkranken etwa 2.300 Menschen neu daran. Die Erkrankung macht sich durch schmerzlose Schwellungen der Lymphknoten bemerkbar, zum Teil bilden sich große Tumoren hinter dem Brustbein, sogenannte Mediastinaltumoren. Bei der Behandlung kommen Kombinationschemotherapien, gefolgt von einer Strahlentherapie zum Einsatz; bei einem Rückfall oder fortschreitender Erkrankung erhalten die Betroffenen häufig eine Hochdosischemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation. Das Hodgkin-Lymphom hat sich seit Einführung der Kombinationschemotherapie zu der am besten behandelbaren malignen Krebserkrankung im Erwachsenenalter entwickelt. Allerdings können die aggressiven Therapien starke Nebenwirkungen hervorrufen und die Lebensqualität der Betroffenen einschränken oder zu Spätfolgen führen.

Da die Therapie des Hodgkin-Lymphoms streng stadienabhängig erfolgt, ist eine präzise Festlegung des initialen Stadiums (Staging) unbedingt erforderlich. Die Leitlinie empfiehlt dabei den ergänzenden Einsatz einer PET/CT-Untersuchung. Die PET/CT kann außerdem wichtige Hinweise für die Wahl der Therapiestrategie liefern, zum Beispiel bei der Entscheidung, wie viele Zyklen einer Chemotherapie im intermediären Stadium verabreicht werden sollen. Auch bei einem Rückfall kann ein PET/CT-Einsatz sinnvoll sein, etwa zur genaueren Stadien- und Risikoeinteilung, zur Optimierung der Knochenmarkdiagnostik und zur Therapie-Stratifizierung während der Chemotherapie. Allerdings ist die PET/CT nicht für alle Indikationen, die die Leitliniengruppe auf der Basis von Evidenzen identifiziert hat, Gegenstand des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung.

Zwei Drittel aller Rezidive treten innerhalb der ersten zweieinhalb Jahre nach Therapie, 90% innerhalb der ersten fünf Jahre auf. Zur Früherkennung eines Rezidivs ist deshalb eine engmaschige Nachsorge insbesondere in den ersten fünf Jahren nach Therapieabschluss sinnvoll. Zu den Spätfolgen zählen unter anderem kardiale Erkrankungen, Zweitmalignome und das Fatigue-Syndrom. Die Leitlinie empfiehlt daher, die Symptome einer koronaren Herzkrankheit, einer Herzinsuffizienz und einer Herzklappenfunktionsstörung bei jedem Nachsorgetermin zu erfassen. Generell sollten alle Langzeitüberlebenden eines Hodgkin-Lymphoms aufgefordert werden, die vorgesehenen Krebsfrüherkennungsangebote wahrzunehmen und auf das Rauchen zu verzichten.

Prof. Dr. med. Michael Hallek, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO, begrüßt die Aktualisierung der Leitlinie: "Es freut mich sehr, dass eine aktualisierte Fassung der S3-Leitlinie zum Hodgkin-Lymphom vorliegt. Die Orientierung und Festlegung von diagnostischen und therapeutischen Standards ist gerade bei dieser heute so erfolgreich therapierbaren Entität extrem wichtig. Den Mitwirkenden an dieser Leitlinie ist dafür zu danken."

Die aktualisierte Leitlinie wird künftig auch in die Planung zukünftiger randomisierter klinischer Studien einfließen: In den Studien der Deutschen Hodgkin Studiengruppe (GHSG) sollen die Leitlinienempfehlungen als Behandlungsstandard im Vergleichstherapiearm berücksichtigt und implementiert werden. "Auf diese Weise gewährleisten wir, dass die mehr als 750 partizipierenden deutschen Zentren der GHSG die Leitlinienempfehlungen umsetzen. Das ist deshalb wichtig, weil Patientinnen und Patienten mit einem Hodgkin-Lymphom häufig im Rahmen von Studien behandelt werden", so Engert.

Für den direkten Zugang zur S3-Leitlinie nutzen Sie bitte folgenden Link: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/hodgkin-lymphom/

Quelle: DGHO


Das könnte Sie auch interessieren

Krebsgesellschaften: Unterstützer der Patienten

Krebs zählt zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Tag für Tag sterben etwa 20.000 Menschen an einer Krebserkrankung. Allein 2012 gab es laut Schätzungen der WHO etwa 8,2 Millionen krebsbedingte Todesfälle.* Dieser Herausforderung zu begegnen, war schon immer das Bestreben von klinischen und niedergelassenen Ärzten, universitären Wissenschaftlern und der forschenden Pharmaindustrie. Wichtiges Bindeglied untereinander, aber auch zum Patienten, sind die...

Bewegung hilft bei der Krebstherapie

Bewegung hilft bei der Krebstherapie
© Witthaya / Fotolia.com

Dass Sport und eine Krebserkrankung sich nicht gegenseitig ausschließen, ist inzwischen bekannt. Erwiesenermaßen beugt Sport nicht nur vor, sondern hat auch therapeutische Wirkungen und verbessert die Lebensqualität. Doch wie sieht dies in der Praxis aus und welcher Sport empfiehlt sich in welchem Ausmaß bei welcher Therapie? Aktuell werden immer mehr Studien zu diesem Thema durchgeführt. Das Wohlbefinden des Patienten während und nach der Therapie steht...

Darmkrebspatienten benötigen spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung

Darmkrebspatienten benötigen spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung
© Fotolia / cryonoid_media

Mit einem Pressegespräch am 19. April in Berlin nimmt EuropaColon Deutschland e. V. seine Tätigkeit als spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung von Darmkrebspatienten auf. Der neu gegründete Verein ist die deutsche Tochter der seit zwölf Jahren europaweit aktiven Patientenorganisation EuropaColon, die in 24 Ländern Europas Menschen mit Darmkrebs unterstützt und gegenüber der Gesundheitspolitik für deren Interessen eintritt. Der Verein soll Anlaufstelle...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"S3-Leitlinie zum Hodgkin-Lymphom"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO 2019
  • PD-L1-positives NSCLC: Pembrolizumab-Monotherapie bei Patienten mit und ohne Hirnmetastasen vergleichbar wirksam
  • Tumormutationslast etabliert sich als prädiktiver Marker für das Ansprechen auf Pembrolizumab bei soliden Tumoren
  • Hohes und langanhaltendes Ansprechen auf Pembrolizumab-Monotherapie bei unterschiedlichen MSI-H-Tumoren
  • Checkpoint-Inhibition in der adjuvanten und metastasierten Situation hat für Patienten mit Melanom das Überleben neu definiert
  • Magenkarzinom/Adenokarzinom des ösophagogastralen Übergangs: Patienten mit MSI-high-Tumoren profitieren besonders von Checkpoint-Inhibition
  • Pembrolizumab + Chemotherapie beim Plattenepithelkarzinom-NSCLC: Überlegenes OS, PFS, ORR und PFS2 gegenüber alleiniger Chemotherapie
  • Frühes TNBC: signifikant verbesserte pCR-Rate durch neoadjuvante Therapie mit Pembrolizumab + Chemotherapie
  • HNSCC: Pembrolizumab-Monotherapie und kombiniert mit Platin-basierter Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • PD-L1-positives Magenkarzinom und AEG: Vergleichbare Lebensqualität unter Pembrolizumab-Monotherapie und Chemotherapie
  • Pembrolizumab-Monotherapie beim vorbehandelten mTNBC: Klarer Trend zu verbessertem Überleben mit zunehmender PD-L1-Expression