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Medizin

12. Mai 2020 Palliativmedizin: Bericht aus „Corona“-Zeiten

Die „Corona“-Pandemie hat anfangs auch die ambulante Palliativmedizin sehr durcheinander gewirbelt, berichtet Teamleiterin Kristina Meyer, die auch Oberärztin der Medizinischen Klinik V am Klinikum Darmstadt ist. „Als Palliativteam haben wir die Aufgabe, Menschen auf ihrer letzten Lebensstrecke zu begleiten. Menschen mit schweren, unheilbaren Erkrankungen, die ihren Weg bis zum Schluss selbstbestimmt und in Würde gehen möchten – ohne Angst, Luftnot oder Schmerzen. Die oft für sich beschlossen haben: „Nein, ich möchte nicht mehr ins Krankenhaus. Ich möchte auch nicht auf eine Intensivstation.“ Gerade am Anfang der Pandemie gab es viel Unsicherheit und Ängste, denn alle unsere Patienten gehören natürlich auch in die Risikogruppe. Viele fragten sich, was passiert mit mir, wenn ich jetzt am „Corona“-Virus erkranke? Muss ich dann ins Krankenhaus? Da bin ich doch dann ganz alleine…“
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Das Ambulante Palliativteam des Klinikums Darmstadt besteht aus speziellen weitergebildeten Fach-Ärzten mit der Zusatzqualifikation Palliativmedizin, aus Fachpflegekräften mit der Zusatzqualifikation Palliative Care, Schmerz- und Wundmanagement und einer Sozialpädagogin. Jeder Krankenversicherte hat einen Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV), wenn eine nicht-heilbare, fortschreitende Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung vorliegt. Die SAPV wird vom Hausarzt verordnet und vom Patienten beantragt. Zusätzliche Kosten entstehen für Versicherte nicht. Das Team von Kristina Meyer und Koordinatorin Kathleen Förster, die die pflegerische Leitung hat, kann Patienten in der Region Darmstadt und in den Landkreisen Groß-Gerau und Darmstadt-Dieburg begleiten.
 
Kristina Meyer berichtet weiter: „Wir als Team haben uns natürlich auch Gedanken gemacht: Wie können wir unsere Patienten weiterhin bestmöglich begleiten, ihnen die Angst nehmen? Wie können wir sie und uns vor Ansteckung schützen, um eine Ausbreitung des Virus zu vermeiden? Menschlichkeit und Nähe gehört zu den Grundsätzen der Palliativmedizin. Eine Berührung kann einem Menschen in Not, einem trauernden Angehörigen helfen – wie aber soll das aus 2 Meter Entfernung gelingen? Fragen über Fragen.
 
Noch bevor die ersten Fälle in Darmstadt aufgetreten waren, hatten wir schon an einem Konzept gefeilt, wie wir mit der neuen Situation umgehen. Es wurde Schutzmaterial in ausreichender Menge organisiert, Hygienevorschriften nochmals angepasst und die technischen Möglichkeiten erweitert, um einen Dienst auch aus dem Home Office machen zu können. Die schnelle Umsetzung der Schutzmaßnahmen hat sich bewährt: Während es in Hessen zumindest ein Team gab, das aufgrund von Ausfällen in den eigenen Reihen plötzlich handlungsunfähig war, ist bei uns bislang niemand an COVID-19 erkrankt – weder im Team noch bei unseren Patienten.
 
Wir stehen immer in einem engen persönlichen Kontakt mit den Menschen, die wir betreuen. Es werden regelmäßige Hausbesuche gemacht und Telefonate geführt, darüber hinaus sind wir in Krisensituationen rund um die Uhr erreichbar. Auch nachts und am Wochenende sind immer eine Pflegekraft und ein Arzt in Bereitschaft, die jederzeit losfahren können, wenn ein Hausbesuch nötig wird.
 
Die Vorbereitungen auf die neue Infektionslage sind für uns alltagstauglich. Unsere tägliche Arbeit hat sich durch unsere Maßnahmen kaum verändert. Über eine elektronische Patientenakte haben wir mit unserer Dienstsoftware Zugriff auf alle wichtigen Informationen, können auch von unterwegs oder aus dem Home Office den Kontakt zu den Patienten aufrechterhalten und Anfragen kompetent bearbeiten. Für viele unserer Patienten sind diese Anrufe ein Lichtblick in der momentanen Isolation.
 
Hausbesuche in Krisensituationen, für entlastende Eingriffe vor Ort (zum Beispiel ultraschallgesteuerte Punktionen bei Atem- oder Luftnot) oder auch wenn Menschen neu in die Versorgung aufgenommen werden, finden unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften weiterhin statt. Und natürlich ist die ständige Ruf- und Einsatzbereitschaft für Menschen in unserer Versorgung garantiert.
 
Selbst für den Fall, dass ein Mensch, der schwer an COVID-19 erkrankt im häuslichen Umfeld bleiben und – so es denn sein muss – lieber dort als im Krankenhaus versterben möchte, sind wir gerüstet. Fieber, Luftnot und Angst bei Schwerstkranken und Sterbenden können zu Hause adäquat gelindert werden – auch in „Corona“-Zeiten. Auch von uns. Wenn uns der Hausarzt zur Unterstützung anfordert, stehen wir gerne mit Rat und Tat zur Seite. Sei es bei der Erstellung individueller Behandlungspläne, um Beschwerden bestmöglich zu lindern, bei der Organisation von Hilfsmitteln und selbstverständlich als Ansprechpartner in Krisensituationen zu jeder Tages- und Nachtzeit. Angemessene Schutzkleidung ist hier selbstverständlich vorhanden.
 
Es sind schon besondere Umstände, unter denen wir momentan leben. Oft stellte unser Team in den letzten Wochen den einzigen Kontakt zur Außenwelt dar, hautnah erlebt man da die Ängste der Betroffenen und auch die Folgen der Quarantäne. Was es bedeutet, geliebte Menschen nur von weitem zu sehen oder gar einer Beerdigung fern bleiben zu müssen, da man selbst Risikoperson ist. Aber auch Positives durften wir erleben, wo jemand die lange vergessene Nähnadel wieder in die Hand nimmt und neue Freude darin findet, Masken für die Familie zu nähen. So versucht jede und jeder bestmöglich mit der Situation fertig zu werden.
 
Gespannt warten wir darauf, welche Veränderungen die nächsten Wochen mit sich bringen; doch sind wir auch zuversichtlich, dass wir uns bestmöglich vorbereitet haben, Menschen, die uns anvertraut sind, zu Hause, in Pflegeheimen oder im Hospiz so zu begleiten, dass sie ihren Weg selbstbestimmt und in Würde gehen können“.                                                                                 

Quelle: Klinikum Darmstadt


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