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Medizin

04. Oktober 2012 ESMO 2012: Glioblastom bei jüngeren Patienten oft weniger aggressiv als bei älteren

Spezielle Gen-Mutationen lassen die gefährlichste Form des Gehirntumors (Glioblastom multiforme) bei jüngeren Patienten offenbar etwas weniger aggressiv verlaufen als bei älteren, berichtete Univ.-Prof. Dr. Christine Marosi (Klinische Abteilung für Onkologie der MedUni/AKH Wien, Comprehensive Cancer Center – CCC) auf dem Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO).

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Fachinformation

Fortschritte in der modernen Onkologie hängen auch von der immer genaueren Identifizierung von spezifischen Patientengruppen ab. Prof. Marosi: „Niedrigeres Alter ist bei Patienten mit einem Glioblastom multiforme bekannt für eine bessere Krankheitsprognose. Wir haben die Behandlungsresultate und die molekularen Tumorcharakteristika bei Patienten mit neu diagnostizierter GBM-Erkrankung untersucht.“ Alle Betroffenen bekamen die etablierte Ersttherapie: Operation mit Entfernung des Tumors soweit möglich, danach Strahlen- bzw. Chemotherapie. Untersucht wurden in der von der MedUni Wien und dem Wagner Jauregg Spital/Linz durchgeführten Studie die Gewebeproben von 70 Patienten im Durchschnittsalter von 33 Jahren. Dabei ließ sich bei 22 von 56 Gewebeproben (39% gegenüber erwarteten 12%) eine bestimmte Mutation im IDH1-Gen (IDH1-R132H) nachweisen.

Weiters wurde eine Veränderung im Aktivierungsstatus (Methylierung) des MGMT-Promoter-Gens bei 33 von 54 der Tumoren (61%) festgestellt (sonst unter 40%). Das MGMT-Gen kodiert für ein Enzym, das Reparaturmechanismen für die Erbsubstanz von Gliomzellen begünstigt, und steht unter der Kontrolle eines Promotor-Gens. Die Aktivierung dieses Mechanismus ist bei der Behandlung mit Chemotherapeutika ausgesprochen unerwünscht, weil diese die DNA der bösartigen Zellen so schädigen sollen, dass sie absterben. Durch das Anhängen von Methylgruppen an DNA-Abschnitte wird dieser Prozess behindert.

Das wirkte sich offenbar auf den Verlauf der Erkrankung aus: Bei mutiertem IDH-Gen betrug die durchschnittliche Überlebenszeit nach Erstdiagnose 44 Monate, andernfalls 24 Monate. Die Zeit bis zum Fortschreiten der Tumorerkrankung nach der Ersttherapie betrug bei Vorliegen der Mutation rund 18 Monate, bei Patienten ohne die Mutation nur 8 Monate. Das Vorliegen der IDH-Gen-Mutation war sehr häufig mit der Methylierung des MGMT-Promotor-Gens verbunden.

Soziale Situation von Glioblastom-Patienten bleibt dramatisch

„Die soziale und ökonomische Versorgung der Gliom-Patienten bleibt ein ungelöstes soziales und ethisches Problem“, so Prof. Marosi. „Zu betonten ist die alarmierende soziale und wirtschaftliche Situation der jungen Glioblastom-Patienten. Nur 17% von ihnen gelang es, nach der Diagnose ein Beschäftigungsverhältnis aufrechtzuerhalten.“

Onkologen der MedUni Wien haben auf dieses Problem bereits mehrfach hingewiesen. Glioblastom-Patienten – zum Beispiel mit 15 Jahren Erwerbstätigkeit – erhalten im Pensionierungsfall oft monatlich deutlich weniger als die Armutsgrenze von 800 Euro, können ihre Wohnung nicht mehr halten, die Hälfte der Patienten mussten sogar zurück zu ihren Eltern in ihr altes Kinderzimmer übersiedeln.

Literaturhinweis:
C. Marosi et al; outcome and molecular characteristics of young adult patients with newly diagnosed primary glioblastoma (SANO)

Quelle: ESMO


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