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Medizin

09. April 2020 Darmkrebsrisiko: Wann sollten familiär vorbelastete Personen mit der Früherkennung beginnen?

Wissenschaftler haben die Daten von fast 13 Millionen Personen ausgewertet, um herauszufinden, ab welchem Alter Menschen zur Vorsorge gehen sollten, die einen oder mehrere enge oder entfernte Verwandte mit einer Darmkrebserkrankung haben. Die Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg konnten zeigen, ab welchem Alter familiär vorbelastete Personen die Darmkrebsfrüherkennung wahrnehmen sollten, abhängig von der Zahl der Darmkrebspatienten in der Familie, dem Verwandtschaftsverhältnis und dem Alter bei der Diagnose. Im Regelfall können Frauen und Männer ab 50 Jahren mit der Vorsorge beginnen. Für Familien mit erblichem Darmkrebs gelten spezielle Empfehlungen.
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Darmkrebs ist in Deutschland und weltweit die dritthäufigste Krebsart und die zweithäufigste Krebstodesursache. Wichtige Risikofaktoren liegen neben Umweltfaktoren auch in unserem Lebensstil: Übergewicht und Bewegungsmangel, Alkohol- und Tabakkonsum, Verzehr von rotem oder verarbeitetem Fleisch. Darüber hinaus spielen einige unveränderliche Faktoren wie Alter, Geschlecht und Familiengeschichte eine Rolle. Auch erbliche Formen sind bekannt. Wird Darmkrebs in einem frühen Stadium erkannt, sind die Heilungsaussichten gut. Ab dem Alter von 50 Jahren hat in Deutschland jeder Versicherte Anspruch auf regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs.

Wenig Evidenz für Zeitpunkt der Früherkennung bei erblicher Vorbelastung

„Obwohl die Richtlinien für die Darmkrebsfrüherkennung die Notwendigkeit einer früheren Vorsorge für Menschen mit engen und entfernt verwandten Darmkrebspatienten berücksichtigen, gibt es bislang nur wenige evidenzbasierte Informationen darüber, wie viele Jahre früher Personen mit familiärer Belastung zur Früherkennung gehen sollten“, sagt Mahdi Fallah, Leiter der Gruppe Risikoadaptierte Prävention, in der Abteilung Präventive Onkologie des DKFZ und am NCT Heidelberg.

Personalisierte Empfehlungen

Die Heidelberger Forscher haben daher in Kooperation mit Kollegen der Universität Lund die Daten von 12.829.251 nach 1931 geborenen schwedischen Bürgern und ihren Eltern ausgewertet. „Unser Ziel war es, durch die Analyse dieser weltweit größten Datengrundlage risikoadaptierte und personalisierte Empfehlungen für das Anfangsalter zur Darmkrebsvorsorge bei unterschiedlicher Familiengeschichte zu geben“, erklärt Elham Kharazmi, Ko-Leiterin der Studie und Wissenschaftlerin des DKFZ und am NCT Heidelberg.

Erkrankung 3-29 Jahre früher

Während des Studienzeitraums von 1958-2015 waren insgesamt 173.796 Personen von Darmkrebs betroffen. Die Durchschnittspopulation hatte dabei im Alter von 50 Jahren, dem aktuell empfohlenen Alter für die Früherkennung, ein Risiko von 0,44%, in den nächsten 10 Jahren an Darmkrebs zu erkranken. Nach den Berechnungen der Wissenschaftler hatten Personen mit familiärer Vorbelastung dasselbe Darmkrebsrisiko 3-29 Jahre früher als ihre Altersgenossen ohne Darmkrebs in der Familie. Beispielsweise erreichten Personen mit einem betroffenen Verwandten ersten Grades, der vor dem Alter von 45 Jahren diagnostiziert wurde, das entsprechende Risikoniveau für eine Darmkrebserkrankung bereits 16 Jahre früher als Gleichaltrige.

Anpassung an Krankenkassenleistung gefordert

Für familiär belastete Personen geben die Erkenntnisse Ärzten in ihrer praktischen Arbeit zusätzliche Hinweise, um das Anfangsalter für die Darmkrebsfrüherkennung risikoangepasst festzulegen. Darüber hinaus empfehlen die Autoren die Aufnahme der Erkenntnisse in die Leitlinien zur Darmkrebsfrüherkennung und die Anpassung der Krankenkassenleistungen für eine frühere Vorsorge bei Angehörigen von Darmkrebspatienten.

Quelle: Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

Literatur:

Y. Tian, E. Kharazmi, H. Brenner, X. Xu, K. Sundquist, J. Sundquist, M. Fallah: Calculating Starting Age for Screening in Relatives of Patients With Colorectal Cancer Based on Data From Large Nationwide Datasets. Gastroenterology 2020; https://doi.org/10.1053/j.gastro.2020.03.063


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