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Medizin

14. Juli 2020 CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit r/r DLBCL: TMTV als Prädiktor für frühen Progress

Die CAR-T-Zell-Therapie bedeutet für Patienten mit rezidivierten/refraktären diffus großzelligen B-Zell-Lymphomen (r/r DLBCL) einen großen Fortschritt. Trotzdem kann es bei Patienten, die mit einer autologen Anti-CD19-CAR-T-Zell-Therapie behandelt wurden, auch zu einem frühen Krankheitsprogress innerhalb von 90 Tagen nach der Transfusion kommen. Eine auf dem europäischen Hämatologiekongress (EHA) 2020 vorgestellte französische Kohortenanalyse beschäftigte sich mit möglichen prädiktiven Faktoren für einen solchen frühen Progress. Ergebnis der Analyse: Ein hohes „totales metabolisches Tumorvolumen“ (total metabolic tumor volume, TMTV), unmittelbar vor der Transfusion der CAR-T-Zell-Therapie ermittelt, war mit einem frühen Krankheitsprogress der r/r DLBCL-Patienten assoziiert (1).
Nachdem kürzlich gezeigt werden konnte, dass das mittels 18F-FDG PET/CT ermittelte TMTV vor einer Behandlung mit dem R-CHOP-Regime signifikant mit dem Outcome von Patienten mit de novo DLBCL korreliert (2), sollte die Kohortenstudie untersuchen, ob ein hohes TMTV direkt vor der Transfusion der CAR-T-Zellen auch mit einem frühen Progress bei r/r DLBCL-Patienten assoziiert ist.

Wie Dr. Sophie Bernard, Paris, Frankreich, berichtete, wurden 102 Patienten, die zwischen Juni 2018 und Januar 2020 an 3 Zentren in Paris, Toulouse und Nantes entweder Axicabtagen-Ciloleucel (Yescarta®) oder Tisagenlecleucel (Kymriah®) erhielten, in die Kohortenanalyse eingeschlossen. Das mediane Follow-up nach der Transfusion betrug 155 Tage (Range: 8-544). Das TMTV wurde mittels PET/CT vor der Transfusion mit SUVmax-Schwellenwerten (TMTV 41%) gemessen. Ein sehr früher Progress (innerhalb von 30 Tagen) und ein früher Progress (innerhalb von 90 Tagen) wurde nach den Lugano-Kriterien definiert.

Von den 102 Patienten waren 59 mit Axicabtagen-Ciloleucel und 43 mit Tisagenlecleucel behandelt worden. Das mediane Alter der Patienten lag bei 59 Jahren (Range: 22-77 Jahre). 74% waren gegenüber ihrer letzten Therapie refraktär und 27% hatten im Vorfeld eine autologe und 2% eine allogene Stammzelltransplantation erhalten.

Das mediane TMTV 41% vor der Infusion betrug 49,8 cm3 (Range: 1,4-3247). Ein Rückfall trat bei 43 Patienten auf (42%), darunter 38 Patienten (88%) mit einem frühen und 12 Patienten (12%) mit einem verspäteten Rückfall. Bei 23 Patienten trat der Progress sehr schnell, also binnen 30 Tagen, ein. In univariaten Analysen erwiesen sich folgende Variablen als Risikofaktoren für einen frühen Progress: ein hoher international prognostic index (IPI 3-5) (p< 0,001), ein altersadjustierter IPI (aaIPI) von 3 (p<0,001), erhöhtes C-reaktives Protein (CRP) (p<0,0001), erhöhtes Ferritin (p=0,078), niedriges Albumin (p<0,0001), ein hoher Lactatdehydrogenase (LDH)-Wert (p=0,09) sowie eine erhöhte SUVmax (p<0,001). In der multivariaten Analyse wurden dagegen nur 2 Faktoren als unabhängigen Prädiktoren für einen frühen Progress identifiziert, nämlich die TMTV (HR=3,04; 95%-KI: 1,82-5,08; p<0,0001) sowie ein aaIPI von 3 (HR=4,73; 95%-KI: 1,92-11,64; p=0,0007).

Bernard et al. schließen aus ihren Daten, dass das direkt vor der Transfusion von CAR-T-Zellen ermittelte TMTV ebenso wie ein aaIPI-Wert von 3 bei Patienten mit r/r DLBCL-Patienten signifikant mit einem frühen Progress korreliert.

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Quelle: EHA25 Virtual

Literatur:

(1) Bernard S et al. TMTV correlates with early progression (EP) after CD19 CAR T-cell therapy in patients with relapsed/refractory diffuse large B-cell lymphoma (R/R DLBCL). EHA25 Virtual Abstract EP1504 und Poster.
(2) Vercellino L et al. Blood 2020;135(16):1396-1405.


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