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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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06. April 2017 Seite 1/3

UroClub 2017 – „State of the Art“ und Evidenz in der operativen Urologie und Uro-Onkologie

Mit seinem vielfältigen und interaktiven Programm auf hohem wissenschaftlichem Niveau hat sich der UroClub mittlerweile als hochkarätige Fortbildungsveranstaltung etabliert. In Mannheim hatten knapp 300 Teilnehmer Gelegenheit, verschiedene urologische und uro-onkologische Operationen live zu verfolgen. Dazu gehörten unter anderem eine radikale Prostatektomie, Nierenteilresektionen und Nierenbeckenplastiken, aber auch kleinere Eingriffe wie die Fusionsbiopsie oder die Mikro-TESE. Im Mittelpunkt des Vortragteils standen neue Entwicklungen in der Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms (PCa) und die Immunonkologie. Von den Daten leitete ein interdisziplinäres Tumorboard zur Entscheidungsfindung in der klinischen Praxis. Darüber hinaus wurden auf dem Symposium eine App zur Begleitung für Patienten mit PCa (PROSTANA) sowie die neu zugelassene, geschlechtsspezifisch dosierbare Therapie mit Desmopressin (Nocdurna®) für Patienten mit nächtlicher Polyurie vorgestellt. Der von Prof. Kurt Miller, Berlin, und Prof. Maurice Stephan Michel, Mannheim, moderierte UroClub fand bereits zum vierten Mal statt.
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Interaktive Live-Operationen: Behandlungsrealität in Deutschland

Die operativen Eingriffe wurden simultan aus drei Kliniken übertragen (Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Diakonissenkrankenhaus Dessau). Sie vermittelten einen Einblick in die Behandlungsrealität in Deutschland und demonstrierten die Bandbreite der derzeit eingesetzten Techniken.

Prostatektomien, Pyeloplastiken und Nierenteilresektionen wurden sowohl offen als auch laparoskopisch bzw. da-Vinci-assistiert durchgeführt. Im Rahmen der Blasendiagnostik und -therapie kamen Hybrid-Knife, NBI-Zystoskop und die photodynamische Diagnostik mit Hexvix® zum Einsatz. Beispielhaft für prothetische Eingriffe waren eine Sphinkter-OP und eine Penis-Prothese. Eingriffe an der Prostata erfolgten mit Holmium- (HoLEP) und Greenlight-Laser, darüber hinaus wurde eine transurethrale bipolare Resektion (TUR-P) demonstriert.

Kleine Eingriffe, die häufig auch ambulant durchgeführt werden, umfassten unter anderem Vasektomie, flexible Ureterorenoskopie (URS-Endoskopie), Fusionsbiopsie, die mikrochirurgische Entnahme von Hodengewebe (Mikro-TESE), die minimalinvasive perkutane Nephrolitholapaxie (Mini-PCNL) sowie die Ablation der Prostata mit dem Rezum™-System.

„Interaktivität“ war nicht nur ein Schlagwort, sondern zog sich erlebbar durch die gesamte Veranstaltung. So erläuterten die operierenden Ärzte während der Live-Schaltungen ihr Vorgehen und beantworteten die Fragen der Teilnehmer. Diese betrafen beispielweise die Indikation für den Einsatz des da-Vinci-Systems oder Möglichkeiten und Grenzen von Techniken wie HoLEP und Hybrid-Knife. Gleichzeitig wurde deutlich, welche Fortschritte durch Innovationen in der urologischen Diagnostik und Therapie erreicht worden sind. Die Fusionsbiopsie stelle „eine wirkliche Evolution in der Prostatadiagnostik“ dar, betonte Prof. Michel. Ebenso habe die flexible URS die Steintherapie in einer Weise verändert, wie dies „vor zehn Jahren kaum denkbar gewesen wäre“, so Prof. Miller.

Paradigmenwechsel beim metastasierten Prostatakarzinom

Neuerungen in der Therapie des metastasierten Prostatakarzinoms (mPCa) wurden von Prof. Miller vorgestellt. Entsprechend der aktualisierten S3-Leitlinie sollten Patienten in gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-1) mit primär metastasiertem, kastrationssensiblem PCa zusätzlich zur Androgendeprivation (ADT) eine Chemotherapie mit Docetaxel erhalten (1). Die Empfehlung basiert auf den Ergebnissen randomisierter klinischer Studien, die für die kombinierte Therapie im Vergleich zur ADT allein einen signifikanten Überlebensvorteil zeigen konnten (2-7). Einschränkend wies der Urologe darauf hin, dass Patienten mit geringem Tumorvolumen nicht von der Kombination profitieren (3).

Standardmäßig erfolgt die ADT mit LHRH-Agonisten oder -Antagonisten. Ein besonderes Augenmerk gilt Patienten mit vorbestehenden kardialen Erkrankungen, da die ADT bei ihnen mit einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität assoziiert ist. Eine gepoolte Analyse von sechs randomisierten Phase-III-Studien mit insgesamt 2.328 PCa-Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen weist darauf hin, dass eine ADT mit dem LHRH-Antagonisten Degarelix (FIRMAGON®) im Vergleich zu den LHRH-Agonisten Leuprorelin und Goserelin das relative Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse oder Tod um 56% senken kann. Die absolute Risikoreduktion lag bei 8,2%, daraus ergibt sich, dass zwölf Patienten mit Degarelix behandelt werden müssen, um ein kardiovaskuläres Ereignis oder Tod zu vermeiden (8). Zudem sprechen die Daten für ein längeres Gesamtüberleben mit Degarelix im Vergleich zu den LHRH-Agonisten Leuprorelin und Goserelin (9). Diese Daten haben bereits Eingang in die klinische Praxis gefunden, wie eine TED-Umfrage unter den UroClub-Teilnehmern zeigte. In der angelaufenen Phase-III-Studie PRONOUNCE soll nun geklärt werden, ob sie sich prospektiv bestätigen lassen (NCT02663908).

Auch bei metastasierten PCa-Patienten und hohem PSA-Ausgangswert (> 50 ng/ml) bietet Degarelix Vorteile und erscheint daher als geeigneter Kombinationspartner für die Chemotherapie. So zeigte sich in Studien, dass diese Patienten von Degarelix mit einem längeren PSA-progressionsfreien Überleben profitierten als von Leuprorelin bzw. Goserelin (10,11). Zudem hatten sie weniger Knochenschmerzen (11).

Prof. Miller ging auch auf die Frage ein, ob der Primärtumor bei PCa-Patienten mit Oligometastasierung behandelt werden soll. Retrospektive Analysen lieferten Anhaltspunkte, dass eine radikale Prostatektomie oder Bestrahlung des Primarius einen Vorteil haben könnte. Weitere Ergebnisse aus prospektiv randomisierten Studien müssen abgewartet werden.
 
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