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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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18. Februar 2016

Kinderwunsch nach Krebserkrankung

Was tun, wenn die Chemotherapie zwar den Krebs bekämpft, aber auch Eierstöcke und Fruchtbarkeit unwiederbringlich zerstört? Welche Hilfe bietet die moderne Medizin? Seit zehn Jahren hilft das „Deutsche Netzwerk für fertilitätsprotektive Maßnahmen bei Chemo- und Strahlentherapien, FertiProtekt“ jungen Menschen nach überstandener Krebserkrankung ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

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Derzeit sind 76 Zentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz dem Netzwerk angeschlossen: Hier werden Frauen mit Krebsdiagnose fundiert beraten. Sie erfahren, welche Behandlungsmethode helfen kann, die Chance zu erhalten, eigene Kinder zu bekommen. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums kommen die beteiligten Zentren vom 19. bis zum 20. Februar 2016 am Universitätsklinikum Heidelberg, dem Gründungsort des Netzwerks, zu einem Symposium zusammen.

Die Experten diskutieren, wie sich die Fruchtbarkeit bei verschiedenen Arten von Krebserkrankungen erhalten lässt. Außerdem berichtet eine betroffene Patientin aus Erlangen, die dank Fertiprotekt nach überstandener Krebserkrankung ihren Kinderwunsch erfüllen konnte, von ihren Erfahrungen. Die Experten diskutieren gemeinsam mit der Patientin auch ethische Fragen der Aufklärung: Wie meistert man die Gradwanderung zwischen Hoffnung und Heilserwartung bei Patientinnen mit ungünstiger Prognose? Im Vorfeld sowie während der Veranstaltung stehen Ihnen Professor Dr. Ariane Germeyer, Funktionsoberärztin an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, und Professor Dr. Thomas Strowitzki, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen am Universitätsklinikum Heidelberg, für Interviews zur Verfügung. Um Anmeldung wird gebeten.


Krebserkrankungen, deren Therapie Eierstöcke und teilweise die Gebärmutter angreift, sind u.a. Brust- und Eierstockkrebs, Lymphome und Leukämien, Krebserkrankungen des Verdauungstraktes, Knochenkrebs sowie zahlreiche andere, seltenere Krebserkrankungen. Darüber hinaus kommen bei seltenen gutartigen Erkrankungen, wie Vaskulitiden und schwere Lupuserkrankungen, auch Chemotherapeutika zum Einsatz, die die Fruchtbarkeit schädigen können. Dank moderner Therapien können heute immer mehr Menschen von ihrer Erkrankung geheilt werden. „Viele junge Patienten haben zum Zeitpunkt der Diagnose ihre Familienplanung noch nicht abgeschlossen“, so Professor Strowitzki, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen am Universitätsklinikum Heidelberg. „Für sie spielt die Frage, ob sie nach der Behandlung noch eine Familie gründen und eigene Kinder haben können, eine wichtige Rolle."

Der Verein „Fertiprotekt“ berät jährlich über 1.000 Frauen mit bevorstehender Chemo-/Strahlentherapie und prospektivem Kinderwunsch

Die an Fertiprotekt beteiligten Zentren beraten jährlich über 1.000 Frauen vor einer geplanten Chemo- bzw. Strahlentherapie, von denen sich etwa 75% für eine Behandlung zum Schutz von Eizellen und Eierstöcke entscheiden. Während bei jungen Männern vor einer Chemo- oder Strahlentherapie Spermien problemlos tiefgefroren und bei Bedarf für eine spätere Befruchtung wieder aufgetaut werden können, ist die Situation bei Frauen wesentlich komplexer. „Es gibt inzwischen effektive Methoden, von denen wir für jede Frau individuell die passende auswählen“, erklärt Professor Dr. Ariane Germeyer, Funktionsoberärztin an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. So kann die Frau für den Zeitraum der Chemo- oder Strahlentherapie bestimmte Hormonpräparate einnehmen, die den Eierstock ruhigstellen und dadurch schützen. Eine andere Möglichkeit ist, vor der Behandlung Eizellen zu gewinnen, diese tiefzufrieren und für eine spätere Befruchtung bereitzuhalten. Ein relativ neues Verfahren ist die Entnahme und Rücktransplantation von Eierstockgewebe. Anders als bei der Entnahme von Eizellen ist im Vorfeld keine Hormonbehandlung nötig, die den Start der Chemotherapie verzögert. Zudem produziert das transplantierte Gewebe unter guten Voraussetzungen – wenigstens für eine bestimmte Zeit – wieder die weiblichen Sexualhormone und lässt Eizellen in einem normalen Zyklus heranreifen. „Die Rückverpflanzung von Eierstockgewebe zeigt mehr und mehr Erfolg. Bis dato hat jede dritte transplantierte Frauen eine Schwangerschaft erzielt“, erklärt Professor Dr. Bettina Toth, Leitende Oberärztin der Frauenklinik und Leiterin der Kinderwunschambulanz. Die erste Heidelberger Patientin, die auf diesem Weg schwanger wurde, hat im Dezember 2014 ihr Kind zur Welt gebracht.

„Unser Ziel ist es, Frauen vor oder nach einer Krebsbehandlung flächendeckend die Möglichkeit zu geben, sich qualifiziert beraten und gegebenenfalls auch behandeln zu lassen. Nach der Diagnose brauchen die Patienten schnell einen Ansprechpartner, da die Therapie nicht lange aufgeschoben werden kann“, sagt Professor Dr. Ariane Germeyer, Vorstandsmitglied im neu gegründeten Verein „Fertiprotekt“. Die dem Netzwerk angeschlossenen Zentren beraten über die zur Verfügung stehenden Methoden, entwickeln sie weiter und folgen dabei strengen Qualitätsstandards. Außerdem werten sie die Erfahrungsberichte wissenschaftlich aus, um die Beratung zukünftig noch weiter zu verbessern.

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
 
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